Peking ist eine Reise Wert
Als wir am 3.9.08 in Berlin unser Flugzeug in Richtung China bestiegen, waren wir doch sehr gespannt, was uns in Peking erwarten wird. Nun, wir wurden nicht enttäuscht. Es ist gigantisch hier. Nicht nur durch die Paralympics, sondern auch im Allgemeinen. Als Berliner sind wir allerhand gewöhnt, was die Größe einer Stadt betrifft, nicht nur an Hochhäusern, sondern auch an Straßenverkehr. Doch das hier übertrifft alles, was wir bis jetzt gesehen haben. Sicherlich gibt es auf der Welt noch größere Städte, Peking jedoch ist anders. Die alte Kultur trifft hier mit der neuen Kultur so extrem aufeinander, dass es einen manchmal die Sprache verschlägt. Ebenfalls fiel uns hier in Peking auf, wie zuvorkommend wir als Ausländer und insbesondere die Behinderten, wie z.B. Rollstuhlfahrer, von der Bevölkerung und natürlich auch von den Volunteers und den vielen anderen eingesetzten Helfern, behandelt werden.
Als Ersatzleute des deutschen LTA Vierers, durften wir leider nicht unser Quartier im paralympischen Dorf beziehen, sondern wohnen in einem sehr guten Hotel, welches mit dem Taxi ca. 30-45 Minuten vom Dorf entfernt ist. Zusammen mit unserem Trainer Helmut Greß und den Ersatzleuten Mathias Köhler und Martin Lossau haben wir uns dem paralympischen Jugendlager des Bayerischen Behinderten-Sportverbandes angeschlossen, um mit diesem gemeinsam in und außerhalb der Sportstätten an diesen Paralympics teilzunehmen. Das ist natürlich für uns ein Vorteil, da wir die gebuchten Ausflüge dieser sehr netten Gruppe mit vier Rollstuhlfahrern, deren Betreuern, weiteren Jugendlichen, sowie uns angeschlossenen Touristen, zusammen erleben dürfen. Die vier jungen Rollstuhlfahrer, die zum Teil in Deutschland Rollstuhlbasketball spielen, standen überall im Rampenlicht des Geschehens. Wir kamen vor lauter „Fotoshootings“ oftmals nur sehr schleppend voran, sodass die Ausflüge immer etwas länger dauerten als geplant. Alle, die wir dabei waren, werden es nie vergessen, wie viel Freude und Glücksgefühl in den Gesichtern dieser Rollstuhlfahrer zu erkennen war.
Inzwischen haben wir zusammen mit unserer Reisegruppe schon den Lamatempel und die Verbotene Stadt angesehen, sowie eine Seidenfabrik, in der wir durch unseren sehr gut deutsch sprechenden Reiseführer in die Geheimnisse der Herstellung von Seide eingeweiht wurden. Natürlich wurde hier auch schon das ein oder andere Andenken gekauft, wie zuvor auf unseren anderen Besichtigungstouren in Peking. Die Rikschatour durch die Altstadt Pekings war zu Beginn unseres Aufenthalts ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis. Im großen Konvoi lernten wir das alte Peking kennen, waren zu Besuch bei einer chinesischen Familie und staunten in einem Kindergarten über die Disziplin der vielen Kinder, die eine Kindergärtnerin alleine betreuen muss. Hier erhielten wir viele Hintergrundinformationen, in offener Art und Weise, was uns sehr erstaunt hat.
Die Eröffnungsfeier der Paralympics 2008 durften wir Ersatzleute zwar mit im Olympiastadion, aber leider nur als Zuschauer miterleben. Zuerst waren wir etwas traurig darüber, denn wir wären natürlich gern zusammen mit unseren deutschen Athleten ins Stadion eingelaufen. Später zeigte es sich jedoch, dass wir von unseren Plätzen aus die bessere Sicht hatten. Diese Eröffnungsfeier war anders, als die der Olympiade, aber sie war ebenfalls wunderschön. Wir alle waren tief beeindruckt von dem, was uns von den vielen chinesischen Menschen geboten wurde, die dieses fantastische Programm gestaltet haben. Amüsiert haben wir uns ganz besonders über die hoch motivierten Volunteers, die uns immer wieder bei Laune hielten und uns Anweisungen gaben, welche der vielen Zubehörs, die wir auf unseren Plätzen vorgefunden hatten, wir wann benutzen sollten. Somit konnten auch wir von den Zuschauerrängen für ein schönes Ambiente sorgen, wenn z.B. die vielen weißen oder bunten Lichter eingeschaltet und die Fähnchen oder bunten Tücher geschwungen wurden.
Natürlich waren wir Ruderer auch schon auf dem Regattagelände im Shunyi Olympic Rowing-Canoeing Park, um uns ein Bild von der Regattaanlage zu machen, die uns sehr an München-Oberschleißheim erinnert, jedoch noch neu und entsprechend moderner eingerichtet ist.
Die nächsten drei Tage gehören dem Rudern und danach wollen wir uns Chinas Kultur weiter verinnerlichen. Wir werden uns auch noch hoffentlich viele paralympische Wettkämpfe anderer Sportarten ansehen und hoffen auf viele Siege des gesamten paralympischen Teams aus Deutschland.