"Es kribbelt wieder" - Paul Dienstbach studiert, hält sich fit und plant sein Comeback in 2006
An der Rheinischen Straße in Dortmund wohnt er noch in einer Ruderer-WG, doch sein Leben hat sich im vergangenen Jahr gewandelt: Paul Dienstbach, im Sommer durch eine rheumatische Entzündung um das Ticket zu den Olympischen Spielen in Athen gebracht, konzentriert sich voll auf sein Jura-Studium. Der Vierer-Weltmeister hat den Olympia-Traum noch immer vor Augen – und so arbeitet er an seinem Comeback, hat Peking 2008 nicht aus dem Blick verloren. Der 24-Jährige äußert sich im Interview über Gegenwart und Zukunft.
Was macht eigentlich Paul?
Paul Dienstbach: Fleißig studieren. Ich bereite mich an der Uni in Bochum auf das erste Staatsexamen in Jura vor und pauke mir den Stoff ins Hirn. In der Regel findet man mich von 8 bis 20 Uhr, montags bis samstags, in der Bibliothek im achten Stock des GC-Gebäudes.
Da bleibt kaum Zeit für Sport…
Paul Dienstbach: Ich versuche, trotzdem noch fünf Mal in der Woche Sport zu treiben. Meist kann ich aber erst um 20.30 Uhr am Stützpunkt sein, da bleiben dann gerade mal 60, 70 Minuten, bis Sarkis das Licht ausschaltet.
Zu dieser Zeit sind die Kader-Athleten nicht mehr dort. Alleine im Kraftraum – fühlen Sie dich dann einsam?
Paul Dienstbach: Es stört mich nicht, dort kann ich gut abschalten. Mir ist aber aufgefallen, dass ich überhaupt den ganzen Tag relativ wenig rede. Und abends habe ich auch gar nicht das große Bedürfnis, mich unterhalten zu wollen.
Wie und was trainieren Sie?
Paul Dienstbach: Vorwiegend Kraftausdauer, ich gehe aber auch auf den Fahrrad-Ergometer, manchmal Squashspielen oder Laufen. Auf dem Wasser war ich seit Luzern im vergangenen Jahr aber nicht mehr.
Der neue Deutschland-Achter wurde vorgestellt, bestreitet am kommenden Wochenende in Eton seinen zweiten Wettkampf. Kribbelt es nicht bei Ihnen in den Fingern?
Paul Dienstbach: Grundsätzlich haben mir die paar Monate Abstand gut getan. Im Winter hat mir die Bewegung gefehlt, weniger das Rudern. Jetzt, wenn die Regatten beginnen, kribbelt es schon wieder. Ich würde gerne wieder im Boot sitzen, gerade die Wettkämpfe haben ihren besonderen Reiz: das Umfeld, die Rennvorbereitung, am Start liegen, das Rennen…
Das klingt, als würden wir Sie bald wieder sehen an den großen Schauplätzen der Ruderwelt.
Paul Dienstbach: In diesem Jahr vielleicht als Zuschauer in München oder Luzern. In jedem Fall bin ich gespannt, in welche Richtung sich der neu formierte Deutschland-Achter und natürlich auch der Vierer entwickelt. Ich drücke ihnen beide Daumen.
Das gleiche gilt von den Ruderern auch für Sie. In welchem körperlichen Zustand befinden Sie sich?
Paul Dienstbach: Zu 95 Prozent bin ich wieder hergestellt, annähernd gesund. Nur beim Krafttraining mit hohen Intensitäten spüre ich noch Schmerzen in den betroffenen Gelenken. Im jetzigen Zustand ist Leistungssport unmöglich. Ich gehe aber davon aus, dass es in den nächsten Monaten besser wird.
Und wie stehen die Chancen?
Paul Dienstbach: Lange war ja unklar, was ich genau habe. Die offizielle Diagnose ist eine rheumatische Entzündung in den Gelenken. Sollte es genetisch bedingt sein, könnte sie wieder auftreten. Die Wahrscheinlichkeit ist aber größer, dass es sich um einen Fehler im System handelt. Ist dieser abgeheilt, ist die Sache auch erledigt.
Wie lange wird das dauern, was meinen Sie?
Paul Dienstbach: Vorausgesetzt die Krankheit ist vollständig aus meinem Körper raus und es läuft im Studium weiter so gut wie bisher, könnte ich vielleicht Ende des Jahres wieder ins Training einsteigen. Mit der Option, 2006 eventuell als Ausbaujahr zu nutzen. 2007 will ich spätestens auf meinem alten Level sein.
- Links:
- www.deutschlandachter.de
