Hodenkrebs besiegt: Michael Ruhe ist nach schwerer Krankheit wieder gesund. Sein Ziel: Peking 2008
Michael Ruhe, langjähriger Schlagmann des Deutschland-Achters, hat eine mehrmonatige schwere Leidenszeit hinter sich, wollte aus verständlichen Gründen lange nicht darüber sprechen. Jetzt, wo der 25-jährige Ruder-Athlet wieder komplett gesund ist, spricht er über seine Krankheit, die ihn im Sommer befallen hatte: Michael Ruhe war an Hodenkrebs erkrankt und musste mit Chemotherapie behandelt werden.
Beim Dopingtest aufgefallen
Einen Tag nach dem Weltcup-Finale in Luzern, wo Ruhe sich mit dem Vierer ohne Steuermann für die Weltmeisterschaften in Gifu qualifiziert hatte, ging beim Deutschen Ruderverband der Anruf ein, dass er beim Dopingtest etwa drei Wochen vorher aufgefallen war. Ihm und Mannschaftsarzt Dr. Uli Kau war schnell klar, dass es sich nicht um Doping handelt. In auffällig hoher Konzentration hatte sein Körper das Hormon Beta HCG produziert - ein eindeutiges Zeichen für Hodenkrebs.
Zwei Operationen und zwei Chemotherapien
Dem Dopingtest sei Dank konnte schnell gehandelt werden: In der Paracelsus-Klinik Golzheim in Düsseldorf musste er zweimal operiert werden. Der linke Hoden sowie 14 Lymphknoten mussten entfernt werden. Eine 8 und eine 18 cm Zentimeter lange Narbe werden ihn Zeit seines Lebens nicht nur an die Operationen sondern auch daran erinnern, dass er zwei Zyklen Chemotherapie durchstehen musste. „Ich habe nie einen Gedanken daran, dass ich das Ganze nicht überleben werde. Von einer bestimmten Chemikalie ist mir aber richtig übel geworden, dass ich mir schon beim Gedanken ans Krankenhaus schlecht wurde“, sagte Ruhe, der insgesamt neun Kilogramm Gewicht verlor und bei einer Körperlänge von 2,00 Metern auf 87 Kilo abfiel. Körperliche Anstrengungen waren ausschließlich im unteren Pulsbereich (bis 130) erlaubt.
In den fünf Wochen Liegezeit im Krankenhaus setzte er sich mit seiner Krankheit eingehend auseinander. Im Fernsehen lief gerade die Tour de France, er las die beiden Bücher von Lance Armstrong, den das gleiche Schicksal ereilt hatte. „Das war eine gute Motivation.“ Er studierte auch ein medizinisches Fachbuch zur Onkologie. „Ich wollte genau wissen, was in meinem Körper passiert, und habe festgestellt, dass Krebszellen ganz schön raffiniert und schlau sind.“
Doch Ruhe war raffinierter, und knapp drei Monate nach der Hiobsbotschaft folgte die frohe Kunde: „Am 4. Oktober lag der Befund auf dem Tisch, dass die Sache abgeschlossen ist.“ Eine Nachricht, die ihm Mut macht auch für die Fortsetzung seiner sportlichen Karriere. Ganz nach dem Beispiel Lance Armstrong, der nach überstandener Krebserkrankung erst seine großen Triumphe als sechsfacher Tour-de-France-Sieger feierte, hat auch Michael Ruhe noch lange nicht aufgegeben: „Ich habe nach wie vor das Ziel, in Peking dabei zu sein. Das wäre ein Traum.“
Im Januar für ein Semester nach Oslo
Zunächst zieht es den Studenten der Wirtschaftswissenschaft Anfang Januar für ein Auslandssemester nach Oslo. „Ich muss was anderes machen, den Kopf frei bekommen.“ Und sportlich will er mit kleinen Schritten beim Skilanglauf in den norwegischen Loipen langsam wieder da hin finden, wo er einmal war.
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