WM 2006: Rennverlaufs-Analysen der olympischen Bootsklassen
Die Endläufe der WM 2006 waren gekennzeichnet durch das auch in der Breite hohe Leistungsniveau, zugleich auch durch einen kräftigen Schiebewind, der zusammen mit den Spitzenleistungen sechs Weltbestzeiten ermöglichte. Wellenbildung, häufig auch störende, gab es vor allem auf den letzten 2/3 der kanalartigen Strecke, so dass viele Ruderer versuchten, das etwas ruhigere Wasser der ersten Teilstrecke für höheres Tempo und höhere Schlagfrequenzen zu nutzen. So gab es unter den 14 Goldmedalliengewinnern in den olympischen Bootsklassen 11 Start-Ziel-Sieger bzw. Sieger in Offensivtaktik. Die ruderspezifische Offensivtaktik (durch überdurchschnittlich schnelle erste 500 m den psychologischen Vorteil einer möglichst guten Übersicht über die Konkurrenz nutzen, in Eton zugleich auch den Vorteil des ruhigeren Wassers im ersten Streckenabschnitt) überwog also in Eton eindeutig bei den Siegern. Anders herum: Langsamstarter, wie O. Tufte im Einer hatten in Eton einen schweren Stand.
Die Rennverlaufs-Diagramme (nach dem selben Schema wie in den Vorjahren) können helfen, taktische und konditionelle Stärken und Schwächen jeweils der besten vier bzw. fünf Boote zu erkennen. Das ist möglich durch Vergleiche mit der Durchschnitts-Rennverlaufskurve aller WM-/OS-Sieger der letzten Jahre und der 500-m-Durchschnittslinie der jeweiligen Sieger. Taktiken, wie die klassische Offensivtaktik oder die Taktik des möglichst gleichmäßigen Renntempos auf 2000 m sind meistens schon aus dem Verlauf des ersten Streckenviertels erkennbar. Kondition/Stehvermögen oder auch Fehler bei der Krafteinteilung können häufig aus dem Verlauf des letzten Streckenviertels abgelesen werden, vor allem, wenn dort die Kurve steil nach oben oder nach unten verläuft.
Über die langfristige Entwicklung der Wettkampfprofile vgl. Bericht RS 5/2004 S.180.
Zur prinzipiellen Auswirkung des Windeinflusses auf die Bootsgeschwindigkeit vgl. RS 24/2001 S.892
Die häufige Abkürzung „größte 500-m-Diff.“ bedeutet: Differenz zwischen der längsten und der kürzesten 500-m-Teilstrecke; diese Differenz gilt als Indikator für offensives oder für gleichmäßiges Renntempo (Grenze etwa 4 sec, wenn überdurchschnittlich schnelle erste 500 m).
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WM2006-R.pdf171 K