Honnefer Doppelsieg beim Jubiläumsmarathon
Einer gegen Achter, Frauen gegen Männer, 60-jährige Masters gegen austrainierte Hochleistungssportler, breite Gigs gegen schnittige Rennboote. Das klingt nicht gerade nach fairem Rudersport. Findige Organisatoren im belgischen Lüttich haben jedoch ein Handicap-System erdacht, das trotz ungleicher Voraussetzungen jedem Sportler Siegchancen bietet. Abhängig von der Boots- und Altersklasse sowie vom Geschlecht bekommt jedes Boot eine Startzeit zugewiesen: Als erstes starten die Einer, danach die Zweier, am Schluss die Achter. Frauen bekommen in den Bootsklassen einen Vorsprung vor den Männern, usw.; wer als erster das Ziel erreicht, gewinnt.
Auf zwei unterschiedlich langen Marathon-Strecken bleibt es für jeden Teilnehmer aber stets eine Herausforderung, das Ziel zu erreichen. Der Rundkurs um die Insel in der Innenstadt der Maas-Metropole ist etwa 8,7 Kilometer lang. Die Teilnehmer können wählen, ob sie ihn fünf oder sieben mal umrudern. Am Ende des Regattatages gibt es zwei siegreiche Boote: Eines hat 43 km gerudert, das andere 61 km.
1958 wurde diese Handicap-Regatta zum ersten Mal ausgetragen, in diesem Jahr war das 50. Jubiläum. In diesem Jahr verteilten sich 200 Teilnehmer bei diesen beiden Ruderregatten auf 70 Boote.
Im gemischten Zweier konnten Barbara und Thorsten Jonischkeit vom WSV Honnef bereits 2004 und 2006 die Langdistanz gewinnen. In diesem Jahr starten beide im Gig-Einer – aber nicht gegeneinander, sondern die Dame beim 5-Runden-Wettkampf, der Herr muss sieben Runden rudern. Am Ende stehen beide ganz oben auf dem Siegertreppchen.
Auf der „kurzen“ Strecke (43 km) siegt Barbara nach 3:37 Stunden mit deutlichem Abstand. Sie erreicht das Ziel fünf Minuten vor dem Riemenvierer der Altersklasse 50 Jahre der Renngemeinschaft WSH Honnef/RV Saarbrücken /RK am Baldeneysee Essen/Bonner RG.
Thorsten machte es spannender: Nach 4:50 Stunden hat er nach 61 km zwar den 27 Jahre alten Streckenrekord um satte sechs Minuten unterboten, aber nur eine halbe Minute nach ihm erreicht das zweite Boot das Ziel ein Renn-Einer mit einem belgischen Marathoni; weitere 35 Sekunden später folgt der dritte Einer: Helmut Wolber vom Bonner RV, der ehemalige Rekordhalter, der als mittlerweile 60-jähriger 43 Minuten vor Jonischkeit starten durfte. Dass es hier so knapp war, ist einerseits ein Beleg für das gute Handicap-System, andererseits liegt es sicherlich auch an dem wertvollen Sachpreis, den der schnellste Individualist auf der langen Strecke bekommt: Ein Paar Skulls.
Bei den anschließenden Feierlichkeiten wurden die Jonischkeits für diese Leistung – und für weitere Erfolge in den vergangenen Jahren – mit der Medaille des belgischen Königs geehrt. Gastgeber dieser Traditionsveranstaltung ist schließlich der „Royal Sport Nautique de la Meuse“. Bei der 51. Ausgabe im kommenden Jahr werden die beiden wohl wieder in einem Boot sitzen – welche Bootsklasse dies sein wird, hängt aber von taktischen Überlegungen ab, bzw. vom Start-Handicap, das jedes Jahr an die Leistungen angepasst wird.