Vom Leistungsabzeichen zur Breitensportehrung - Teil 3

70 Jahre Fahrtenabzeichen in Deutschland - Phase von 1952 bis 1990 im DRSV

von Dr. Wolfgang Krutzke
26.12.2007 - 00:01 Uhr
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Mit der Bildung des DRSV aus der Sektion Rudern des DTSB wurde auch die Wanderruderkommission gebildet, die für die Saison 1952 ebenfalls wieder das Fahrtenabzeichen ausschrieb. Die Bedingungen lehnten sich ebenfalls an das Vorbild der dreißiger Jahre und als Ehrung gab es ein Stoffabzeichen sowie eine Nadel in Silber am Anfang mit Jahreszahl.

Dann wurde für das erste Fahrtenabzeichen die Nadel in Bronze eingeführt, für fünf Erfüllungen gab es die Nadel in Silber und für zehn Erfüllungen die Nadel in Gold. Die Stoffabzeichen wurden zu dieser Zeit zwischen 1 und 5 verschiedenfarbig und zwischen 6 und 10 zweifarbig gestaltet.

Als diese Gestaltung nach 12 Jahren nicht mehr ausreichte, wurden die Nadeln mit Halb- und Vollkranz geschaffen und die Stoffabzeichen bekamen Sterne als Zusatz und wechselten alle fünf Erfüllungen die Farbe.

So erhielten die RuderInnen nach 20 Erfüllungen die Goldene Nadel und nach dreißig Erfüllungen die goldene Nadel mit Vollkranz.

In den achtziger Jahren reichte diese Logistik dann auch nicht mehr und die goldenen Nadeln wurden wie im DRV mit der Zahl der Erfüllungen versehen.

Die Erfüllerzahlen hat Heinz Kinzelmann (Berlin/Meissen) 1991 abschließend zusammengefasst :

                        Gesamt            1x        5x        10x      15x      20x      25x      30x      35x

1952                  151                151

1953                  492                413

1954                  618                410

1955                  641                325

1956                  686                384        34

1957                  678                317        41

1958                  854                482        35

1959                  829                372        35

1960                  814                366        44

1961                  843                361        48        15

1962                  798                332        39        13

1963                  692                283        33          9

1964                  702                291        36          3

1965                  749                340        35        14

1966                  791                380        40          8        4

1967                  830                370        42        10        5

1968                  846                378        28          9        5

1969                  855                379        25          3        4

1970                1063                509        41          6        5

1971                1105                445        41          9        6          3

1972                1071                424        48        19        3          4

1973                1058                381        46        12        6          4

1974                  943                382        45          7        2          3

1975                  944                380        49        11        4          3       

1976                  954                338        45        13        4          7        2

1977                  724                205        28          8      12          4        5

1978                  743                225        44        12      12          4        4

1979                  666                181        40        23        8          -        2

1980                  810                259        55        12        6          1        3

1981                  933                346        43        17      10          4        7         1

1982                  952                277        37        11        5          9        3         4

1983                1031                326        53        10      12        12        3         4

1984                  999                258        59        19      17          7        -         1

1985                  922                205        61        25        8          5        1         3

1986                  918                247        66        25      10          6        3         4          1

1987                  916                231        65        22        6          7        8         3          3

1988                  880                231        53        27        7          6        9         2          4

1989                  816                193        35        25      12        16        6         1          1

1990                  484                  67        21        15      16          6        4         1          3

Leider konnte der Autor keine Ausschreibung aus den Anfängen des Fahrtenwettbewerbs auftreiben.

Er war immer ein Sommerwettbwerb vom 1. April ( bzw. von Karfreitag an, wenn dieser vor dem 1. April lag) bis zum 31.10. jedes Jahres. Die Mindestkilometerzahlen waren konstant.

Bis 1965 wurde auch die bekannte Schwimmprüfung verlangt und bis 1976 gab es einen Zuschlag für den Erwerb des Sportabzeichens im laufenden Jahr. Ebenso wie im DRV durften nur ein Drittel der Mindestkilometerzahl gesteuert sein, dass hieß für die Rennsteuerleute viel neben dem Training zu rudern, wollten sie ein Fahrtenabzeichen erwerben.

Ein besonderes Problem in den DRSV-Vereinen waren offensichtlich die offiziellen An- und Abruderfahrten. Diese mussten in den Fahrtenheften gekennzeichnet sein und andere Fahrten wurden an diesen beiden Tagen nicht gewertet.

1976 für die Saison 1977 wurde die große Reform des DRSV-Fahrtenwettbewerbs beschlossen. Mit der Schaffung der Trainingszentren zog eine Riesenschar von Kindern in die Vereine ein. Diese konnten bis 1976 ohne spezifische Wanderruderaufgabe das Fahrtenabzeichen erwerben. Auch lag bis 1976 das Mindestalter bei 7 Jahren. Siehe Kinzelmann-Tabelle : Hochzeit der Erfüllerzahlen in den Jahren 1970 bis 1976.

Ab 1977 wurde das Mindestalter mit 12 Jahren festgelegt und auch die 12 bis 14 jährigen hatten nun 100 Km aus Wanderfahrten mit mindestens 20 Km pro Fahrt zu belegen. Die Beschränkung der Steuerkilometer entfiel, dafür kam die Unterscheidung von Gig und Rennbootkilometern, die aber nur für die Kilometermeisterwertung Bedeutung hatte. Für die Wanderfahrten war eine oder mehrere auswärtige Übernachtungen nicht mehr vorgeschrieben.

Im Jahre 1979 galt folgende Tabelle für den Nachweis der Ruderleistung:

Schüler

Jugend

Erwachsene

Altersklassen

II

III

Alter

12

15

19

32

40

50

bis Jahre

Jahre

14 Jahre

18 Jahre

31 Jahre

39 Jahre

49 Jahre

u. älter

weiblich

500 

700

800

700

600

500

männlich

500

800

1000

800

700

600

Für die Schüler und Altersklasse III wurden 100 Km in der Gig gefordert bei einer Mindestkilometerzahl pro Fahrt von 20.

Die übrigen Gruppen hatten 150 Km bei mindestens 30 Km in der Gig zu Rudern.

Irgendwann wurde den 70-jährigen Männern die Mindestkilometerzahl 500 offiziell gewährt und den gleichaltrigen Frauen bei 400 Km das Fahrtenabzeichen zuerkannt.

Ab 1977 wurden im DRSV wurden jährlich Kilometermeister geehrt, deren Kilometerzahl nur in der Gig gerudert sein durften. Ebenfalls wurde 1976 der Äquatorpreis geschaffen als einmalige Würdigung einer sportlichen Lebensleistung. Diesen Preis erwarben im DRSV bis 1990 vier Frauen und 22 Männer.

Erinnert sei an Hans Marcinkowski ( RG Grünau) der alle möglichen Fahrtenabzeichen des DRSV erwarb und an Günther Hartmann vom selben Verein, den ersten Äquatorpreisträger des DRSV.