Rudertag 2008: Bericht Ressort Wanderrudern und Breitensport

von Wolfgang David
09.02.2008 - 00:36 Uhr

Wanderrudern - Genießen und Wettbewerb
Knappe Finanzen und Fortschreibung der Wettbewerbsbedingungen

Das Ressort will Dienstleister bei der gemeinsamen Ausübung unseres Sports sein. Dies gilt für die Beratung aus dem umfangreichen Ruderarchiv, durch die Gestellung der Verbandsboote im In- und Ausland und im besonderen durch das Angebot der Verbandswanderfahrten sowie der Gemeinschaftswanderfahrten.

Wettbewerbe
Der Fahrtenwettbewerb feierte seinen 70. Geburtstag. Das erfolgsreichste Jahr war 2005. 4070 Ruderer und Ruderinnen aus 278 Vereinen erwarben das Fahrtenabzeichen, dazu noch 127 Kinder unter 13 Jahren. Renner im deutschen Rudersport bleibt der Äquatorpreis, den bisher 348 Ruderkameradinnen und Ruderkameraden erworben haben.
Wie immer bei einem Wettbewerb bemüht sich der eine oder andere, seinem Erfolg nachzuhelfen. Selbstverständlich hat der Ausschuss Wanderrudern das auch beim Fahrtenabzeichen-Wettbewerb bemerkt. Er hat deshalb ab dem Jahr 2007 die Möglichkeit von Tiefenkontrollen in die Ausschreibung aufgenommen.
Leider konnten diese Tiefenkontrollen wegen zu knapper personeller Ressourcen nur in sehr eingeschränktem Umfang wahrgenommen werden. Wir tun unser Bestes, um Unregelmäßigkeiten aufzudecken und die Bewerbungen zu korrigieren.
In dieser Vorstandslegislaturperiode ist nun das große Problem dazugekommen, dass die Vereine verstärkt angesichts der knappen Kassen überall nach Lösungen suchen, um die Beitragshöhe und andere Lasten zu minimieren. Eine Methode ist es, alle nicht mehr aktiv am Sport teilnehmenden Mitglieder in Fördervereine oder andere Vereinssparten umzugruppieren. Hier stehen eindeutig die Beitragsersparnis und andere Kostenvorteile im Vordergrund. Da diese Meldungen an die Landessportverbände als Körperschaften des Öffentlichen Rechts bei rein juristischer Betrachtung verbindlich sind, werden diese Mitgliederzahlen auch der DRV-Wanderruderpreis-Wertung zugrunde gelegt, ebenso wie vielleicht unrechtmäßige erworbene Fahrtenabzeichen für Erwachsene und Jugendliche.
Dass dies nicht dem Leitbild unseres Verbandes entspricht, hat der Ausschuss Wanderrudern durch die zuständige Referentin in einem Leitartikel im „Rudersport“ ebenso klar zum Ausdruck gebracht, wie auch ich mit eingehenden Ausführungen bei der Preisleihung auf dem Wanderrudertreffen in Bremen. Es darf kein Zweifel herrschen: Auch bei allen Wettbewerben im Breitensport und im Wanderrudern muss das Gebot der Fairness an erster Stelle stehen. Unter dieser Prämisse arbeitet der Ausschuss Wanderrudern, verstärkt um engagierte Ruderkameraden, an einer Fortschreibung der Wettbewerbsbedingungen.

Verbandswanderfahrten und -boote
Mit allem Nachdruck fördere ich die Möglichkeit des Wanderruderns für gehandicapte Sportler und Sportlerinnen. Die eigens dafür neu berufene Referentin im Ausschuss Wanderrudern hat eine Pilot-Wanderfahrt organisiert und wird intensiv in Zukunft in dieser Richtung tätig werden.
Die Situation bei den in Irland und Polen (Masuren) stationierten Booten ist nicht zufrieden stellend. In Irland fehlen Bootslagerplätze und Betreuer, damit geht einher eine starke Einschränkung beim Ausleihen der Boote. Eine Verlagerung wird mit großer Voraussicht erforderlich. Derzeit suchen wir in England einen Standort an der Themse. In den Masuren belasten uns erhebliche Reparaturaufwendungen an Booten und Hänger; trotz großer Verleihnachfrage ergibt sich jährlich ein Defizit von mehreren tausend Euro. Der Ausschuss Wanderrudern muss sich nach Auslaufen der Verträge (und Ablauf des Hänger-TÜV’s) dieses Problems unter Umständen mit einer unangenehmen Entscheidung stellen.

Finanzen
Bei Verabschiedung des Etats habe ich deutlich angemerkt, dass die Finanzausstattung ausschließlich eine Verwaltung des Ressorts und keinerlei wünschenswerte Maßnahmen ermöglicht.
Der Ausschuss Wanderrudern mit seinem Ausgabenpotential, insbesondere im Bereich der verbandseigenen Boote, „lebt“ nun seit Jahren durch die Unterstützung des Förderkreises Wanderrudern und durch die Stiftung Ruderclub Deutschland. Der Förderkreis Wanderrudern zahlt zu einem wesentlichen Teil die Reparaturkosten bei den Verbandsbooten. Die Stiftung Ruderclub Deutschland finanziert die Anschaffung einer Barke mit Transporthänger von ca. € 35.000,--; die Taufe wird anlässlich des Jubiläumsrudertages in Köln erfolgen. Das Dankeschön für diese Zuwendung vermag ich mit Worten kaum zum Ausdruck zu bringen.

Wanderrudertreffen
Nach dem wunderschönen Wanderrudertreffen in Berlin-Spandau hatten es die Ruderkameraden aus Köln-Porz und Bremen übernommen, die Wanderruderer 2006 bzw. 2007 einzuladen. Die Veranstalter beider Wanderrudertreffen finden meine Anerkennung, die Veranstaltungen waren wohlgelungen. Ich spreche allen Bewerbern für die Zukunft Mut zu und sage die Unterstützung durch den Ausschuss Wanderrudern zu.

Sicherheit
Der Deutsche Ruderverband beschäftigt sich verstärkt mit Sicherheitsfragen und damit der Vermeidung von Unfällen bei der Ausübung des Rudersports. Der Ressortvorsitzende ist zugleich Vorsitzender der Vorstandskommission Sicherheit. Bei der Neuauflage der Broschüre „Bootsobleute und Steuerleute“ wurde mit einem umfangreichen sicherheitsrelevanten Teil der sich fortlaufend stellenden Problematik entsprochen. Diese Broschüre dient der Ausbildung unserer Ruderinnen und Ruderern und soll auch in der Öffentlichkeit unser Sicherheitsbewusstsein dokumentieren.

International
Der Deutsche Ruderverband ist unverändert in der Organisation der Tour International Danubien eingebunden. In Planung ist bereits die Tagung der internationalen Wassersportfreunde im übernächsten Jahr in Köln mit Übernahme der Präsidentschaft durch den Deutschen Ruderverband.
Die Verbindung zur Breitensportkommission bei der FISA ist leider unverändert wenig ausgeprägt. Einige unserer Sportfreunde – das Kontingent ist in der Regel auf fünf bis sieben Personen beschränkt – nehmen auf den Wanderfahrten des Weltruderverbandes teil und repräsentieren den DRV in durchaus ansprechender Weise. Anlässlich des Jubiläums des Deutschen Ruderverbandes im Jahre 2008 wird der DRV eine FISA-Wanderfahrt auf Saar und Mosel ausrichten und damit hoffentlich wieder die Bande zwischen der wanderruderstärksten Nation und der entsprechenden Kommission im Weltruderverband stärken. Mittel- und langfristiges Ziel sollte sein, einen unserer Vertreter in diese Kommission zu entsenden.

Ziele und Dank
Für uns alle gilt es, die Vorteile unseres Sports in der Diskussion um Freizeit und Gesunderhaltung unverändert zu artikulieren. Wir brauchen uns im Vergleich mit anderen Gesundheitssportarten nicht zu verstecken. Nutzen wir alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, auf den Rudersport als Wanderruder- und Breitensport hinzuweisen. Meinen Mitstreitern im Ausschuss Wanderrudern und den Wanderruderwarten in den Landesruderverbänden danke ich für ihr Engagement ganz herzlich.