Universiade 2015: Hamburg schafft Strukturen
Bewerbungsvertrag unterzeichnet, Thomas Beyer Geschäftsführer
(DOSB Presse) Der Startschuss ist gefallen. Hamburgs Bewerbung für die Universiade 2015 gewinnt Strukturen: Die ersten Verträge sind unterschrieben, die erste Etappe nach der Kür der deutschen Bewerberstadt im November 2007 ist zurückgelegt. Der „Bewerbungsstadtvertrag“ wurde am 21. Februar in der Hansestadt unterzeichnet. Tags darauf wurde Thomas Beyer (55), langjähriger Leiter des Hochschulsports Hamburg, zum Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft ernannt, die sich in der ersten Märzwoche konstituiert. Bayer war unter anderem von 1993 bis 1999 Vorstandsvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) und kennt sich im Hochschulsport aus.
Die Zeit drängt bis zur Kür der Bewerberstadt am 31. Mai 2009 durch den Studenten-Weltverband Fisu. Hamburg hat einen vierköpfigen Planungsstab bestimmt, der die vier- bis siebenköpfige Bewerbungsgesellschaft unterstützt. Deren Gesellschafter sind ADH und Stadt. Diese möchte die einflussreiche Handelskammer mit ins Boot nehmen. ADH-Generalsekretär Olaf Tabor: „Für uns wäre es eine besondere Glückssituation, wenn die Hamburger Wirtschaft dabei wäre.“ Entscheidungen über einzelne Sportstätten und vor allem die Finanzierung der Studenten-Olympiade harren noch der Beschlüsse. Tabor: „Das wird sich erst im dritten Quartal 2008 klären.“
Unangenehme Überraschungen erwartet er nicht. Über alle Parteien hinweg stimmten Senat und Bürgerschaft (am 6./7. Februar) für das Mammut-Projekt. Auch die Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist eng und bis dato reibungslos. Mit der Beachvolleyball-WM am 5./6. Juli fällt der Startschuss zum Bewerbungs-Marathon. „Da wollen wir die Trümpfe Hamburgs deutlich machen“, unterstreicht Julia Beranek ADH-Pressesprecherin und zuständig für Marketing. Die Stadt am Wasser wirbt im Geiste der vielversprechenden, letztlich national bereits gescheiterten Olympia-Bewerbung für 2012 mit der Universiade am Wasser. Auch das Beach-WM-Turnier wird im Hafen ausgetragen.
Parallel startet die internationale Werbekampagne. Eine Liste von 70 großen Veranstaltungen in der Sportwelt - Olympia in Peking eingeschlossen - wird abgearbeitet, um mit dem Konzept zu überzeugen. Tabor: „Asien ist in der Fisu nach Europa eins sehr wichtiger Kontinent - auch was die Stimmen angeht.“ Alle ADH-Repräsentanten in internationalen Gremien, Türöffner im Weltsport und die nationale Sportpolitik bis hin zu DOSB-Präsident und IOC-Vizepräsident Thomas Bach werden einbezogen für das
Universiade-Projekt.
Für Münchens Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 bedeutet es keine Gefahr. Tabor: „Wir machen uns ja keine Konkurrenz. Man kann sicherlich die eine oder andere Synergie für die Bewerbung erzielen.“ Auch die Erfahrungen von Duisburg 1989, der einzigen Universiade bisher auf deutschem Boden, wollen die Organisatoren nutzen. Tabor: „Für uns heißt die Strategie: Alle Kräfte bündeln.“ Hierzulande fällt der Startschuss im April mit einem Informationstag (für Verbände, Hochschulgremien und Bildungseinrichtungen) in Frankfurt. Tabor: „Das machen wir mit dem DOSB.“
Maßhalten gehört zur Philosophie der Planer. Die Inflation an Demonstrations-Sportarten bei Universiaden neben den 13 Kerndisziplinen - bis 2011 in China steigen sie auf 15 - macht Hamburg nicht mit, aus Kosten- und Kapazitätsgründen. Tabor: „Unter die Anzahl von Bangkok 2007 (18/13 plus fünf) wird man nicht zurück können, wenn wir eine vernünftige Bewerbungschance haben wollen.“ Innovativ, nachhaltig, umweltverträglich und zentral (fußläufig) heißen die Parameter im Konzept. Die Mehrzahl der Wettkämpfe wird in den Messehallen ausgetragen. Olaf Tabor: „In Gehentfernung sind 60 Prozent der Sportstätten. Lediglich Rudern und Triathlon werden komplett ausgelagert.“ Diskutiert wird derzeit ein schwimmendes Universiade-Dorf auf Schiffen im Hafen oder eine Heimstatt in modularer Holzbauweise auf dem Heiligeistfeld, Dieses könnte zur Weiterverwendung an anderer Stelle neu aufgebaut werden - nachhaltig eben. Ein temporäres Leichtathletik-Stadion (10.000 Sitzplätze) als Teil der Weiterentwicklung des Volksparks ist eine andere Idee. Die Arena soll von der Drittliga-Mannschaft des Bundesligisten Hamburger SV weiter genutzt werden. Für die Schwimmwettbewerbe soll das marode Kaifubad hergerichtet und erweitert werden. Die Eröffnungsfeier würde in der Nordbank-Arena des HSV inszeniert.
Die Konkurrenz für Hamburg kristallisiert sich nach dem 31. Mai 2008, Vergabetermin für die Universiade 2013, heraus. Favorit ist für 2013 Russland (Kasan). Korea, Spanien, Kanada und Polen sind mit im Wettbewerb. Einige Verlierer, vor allem die starken Koreaner, werden wohl 2015 wieder antreten. Seit vier Jahren herrscht an Universiade-Kandidaten kein Mangel mehr und harter Wettbewerb. Die Erfahrung lehrt, dass der erste Anlauf meist misslingt. Obwohl Julia Beranek betont „ich bin sehr optimistisch, dass wir in der Lage sind, die Universiade zu holen“, reicht der Atem der deutschen Bewerbung länger. Olaf Tabor: „Der ganze Prozess ist angelegt mit dem Vorsatz, wenn wir es in 15 nicht schaffen, in 17 wieder anzutreten.“
Der ADH bezieht in den Räumen der Universiade-Regie in Hamburg ein Büro. Parallel dazu wurde in der Geschäftsstelle in Dieburg die Mannschaft in den Ressorts Generalsekretariat, Wettkampfsport sowie Presse/Marketing um eine Voll- und zwei Teilzeitstellen verstärkt. Diese sind befristet bis Juli 2009, nach der Kür der Universiade-Stadt 2015 durch den Weltverband Fisu Ende Mai 2009. Olaf Tabor: „Denn unsere Alltagsarbeit muss schließlich auch weitergehen.“
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