Fronleichnam in Kupferdreh am TVK - wo und was sonst?

Start zum Schlussachter: Vorn der spätere Sieger Münsteraner Regattaverein.

Dr. Michael Evers, Vorsitzender der Ruderriege TVK Essen, gratuliert dem Team vom Münsteraner Regattaverein zum Sieg im Harald-Freitag-Gedächtnis-Achter.

Überraschung für den NWRV-Vorsitzenden Eberhard Mogk: Regattaleiter Ulrich Bäumer überreichte ihm ein Regattaprogramm von 1956, das den Start von Mogk auf einer Schülerregatta auf dem Baldeneysee dokumentiert.
Großes Gedränge bei der 57. Ruderregatta am Fronleichnamstag
Rund 40 Vereine mit fast 300 Aktiven in 450 Booten auf gut 800 „Rollsitzen“ – dies war die Teinehmerbilanz beim diesjährigen Ruder-Höhepunkt in Essen-Kupferdreh: der Sprintregatta zwischen den Brücken auf dem oberen Baldeneysee. Hinzu kamen mehrere hundert Zuschauer, die sich aufgemacht hatten, das besondere Ereignis am Fronleichnamstag zu erleben.
Früh morgens fing die Regatta noch eher recht gemütlich und ruhig an. Die weitgereisten Ruderer aus Frankfurt hatten auf dem Vereinsgelände in Zelten übernachtet und wurden durch das vorbereitende Treiben der vielen Helfer des TVK gegen halb sieben aus dem Schlaf gerüttelt. Um 8.30 Uhr sollte schließlich alles gerüstet sein, um das erste Rennen – den Juniorinnen-Doppelzweier U17 – auf die präparierte Strecke zu schicken. Noch weiter als die Frankfurter hatten es der Stuttgart-Canstatter RC und der Flörsheimer RV, die zu nachtschlafener Zeit aufgestanden waren, um rechtzeitig in Kupferdreh sein.
Daneben war unter der Eisenbahnbrücke der Ruder-Salom aufgebaut. Ab 10 Uhr mussten hier die bis 14-jährigen Ruderinnen und Ruderer in ihrem Skiff nach dem Start zwei eng gesteckte Bojen durchstechen, dahinter eine Wende vollziehen, wieder durch die Bojen, sich leicht quer legen, um dann rückwärts „streichend“ diagonal hinter ein anderes Bojenpaar zu kommen, um dieses anschließend zu durchqueren und schließlich der Ziellinie entgegen zu spurten. Die Profis schafften dies in weniger als 1:30 Minuten – Anfänger hingegen benötigen 3 Minuten und länger. Gut vier Stunden waren deshalb erforderlich, um die 86 gemeldeten Boote durch den Parcours zu bringen.
Auf der Sprintstrecke ging es Schlag auf Schlag bis in die frühen Abendstunden, ehe gegen 18.00 Uhr das letzte Rennen gestartet wurde: der Männer-Achter. Drei Boote hatten sich eingerudert und lagen mit ihren Bugbällen auf einer Höhe, um auf die knapp 400-Meter-Strecke geschickt zu werden. „Achtung! … Los“ – auf dieses Kommando hin legten sich Recken in den Booten aus Münster und Stuttgart sowie aus Herdecke an der oberen Ruhr ordentlich in die Riemen. Schlagzahlen bis an die 50 Schläge pro Minute sind notwendig, um die Achter unter einer Minute über die Distanz zu treiben. In diesem Jahr setzte sich recht deutlich mit einer guten Länge Vorsprung der Sieger vom letzen Jahr erneut durch: die vom „Altinternationalen“ Manni Bayer betreuten Ruderer des Münsteraner Regattavereins. Den Wanderpokal nahmen sie entgegen – wohlverdient gefüllt mit frischem Gerstensaft (was er verständlicherweise nicht lange blieb).
Gute Resonanz hatten auch wieder die Rennen zum 2. Lauf West des Deutschen Ruderpokals gefunden. So hatten allein im Offenen Achter acht Boote gemeldet. Sieger wurde hier wie auch im späteren Schlussachter der Münsteraner Regattaverein vor RC Westfalen Herdecke und RV Rauxel (u.a. mit ZDF-Sportreporter Yorck Polus an Bord). Den Offenen Doppelvierer (sechs Boote) holte sich die Renn-Ruder-Gemeinschaft Mülheim vor der Bonner Ruder-Gesellschaft. Der Flörsheimer RV gewann deutlich das Rennen im Offenen Doppelzweier, in dem auch sechs Boote am Start waren.
Gut angekommen ist die Idee, ein frei vereinbartes Rennen „Familien-Gig-Doppelvierer“ auszuschreiben, in dem die Ruderer einer Familie angehören müssen. Drei Boote gingen hier an den Start. Sieger wurde der frühere erfolgreiche TVK-Ruderer Holger Piontek mit seinen Söhnen Timo und Patrick sowie Schwager Helmut Mazagg. Aber auch das wohl nur in Kupferdreh stattfindende Rennen im Offenen Gig-Doppeldreier für „Anfänger“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Sonne und Wolken wechselten sich tagsüber beständig ab, so dass nahezu ideale Bedingungen herrschten – sowohl aus sportlicher als auch kommunikativer Hinsicht. Ab 11 Uhr war der Vorplatz beständig gut gefüllt. Bekanntlich nutzen Anwohner wie auch ehemalige Aktive das gesellige Treiben, um sich nett zu unterhalten und dabei gut verpflegen zu lassen. In Zusammenarbeit mit Fleischerei Otto Velten waren Grill und Pommes Frites-Friteuse bestens vorbereitet, den Ansturm abzuwickeln. Daneben hatten die Ruder-Mütter wieder einen Pasta-Stand ins Leben gerufen, um auch den Sportler eine optimale Versorgung zukommen lassen zu können.
Rennkommentator Michael Hein nutzte die gute Übersicht aus dem Korb des erneut auf der Ziellinie positionierten Hebekrans, um die Rennen zu moderieren. Über den Laptop wurden ihm die gesetzten Rennen auf den Bildschirm geblendet, so dass es für ihn kein Vertun gab, in der hektischen Schlussphase der Rennen. Und das Organisationsteam nutze die gute Übersicht von dort oben, um am Ende des Tages die Aufräumarbeiten zu koordinieren – sowie um die fleißigsten Helfer mit einem „Höhenflug“ zu belohnen.
Dr. Michael Evers
- Links:
- www.fronleichnamsregatta.de