Rennberichte: Tag sechs der WM in Ottensheim, Finale der Senioren
Der letzte Regattatag in Österreich bringt endlich die Sonne zurück, ein leichter Wind weht über die Strecke, das Wasser ist aber glatt und die Bedingungen optimal.
Sieben deutsche Boote gehen heute an den Start, davon rudern drei um die Medaillen mit.
Die Tribüne ist heute nicht so voll wie am Vortag, jedoch gut gefüllt.
Leichtgewichts-Einer Frauen, C-Finale
Den Auftakt für Deutschland macht heute Anna Forberger aus Meißen. Auf Bahn zwei rudert sie mit um die Platzierungen 13 bis 18. Wie bereits im Hoffnungslauf kommt es bald nach dem Start zu einem Zweikampf zwischen dem deutschen und dem russischen Boot. Beide legen sich an die Spitze des Feldes vor die Boote aus Mexiko, Finnland, Norwegen und Tunesien. Bis zur 1500-Meter-Marke bleiben die Positionen stabil, dann setzt die Russin jedoch zum Spurt an. Sie zieht entscheidend davon und in ihrem Fahrwasser die Finnin gleich mit. Mit einem starken Endspurt gelingt es der Finnin, Anna Forberger noch auf den dritten Rang zu verdrängen. Platz 15 heißt es in der Endabrechnung also für Anna.
Zieleinlauf: RUS, FIN, GER, NOR, TUN, MEX
Das B-Finale gewinnt Österreich vor Italien, Großbritannien, Ungarn, Schweden und Dänemark.
Um die Medaillen in dieser Bootsklasse rudern die Frauen aus Kanada, Irland, der Schweiz, Amerika, Kroatien und Spanien. Über die gesamte Strecke liegen die favorisierten Boote aus Amerika und der Schweiz vorne. 700 Meter vor dem Ziel greift die Irin an und fliegt an die Führenden heran. Es wird eine heiße Schlussphase, denn auf den letzten 200 Metern sind es die Schweizerin und die Irin, die sich keinen Millimeter schenken. 2/100 Vorsprung sind es am Ende, die die Schweizerin Pamela Weisshaupt zur Weltmeisterin machen, Silber für Irland.
Zieleinlauf: SUI, IRL, CRO, USA, ESP, CAN
Leichtgewichts-Zweier-ohne Männer, C-Finale
Mit einer frühen Führung will der deutsche Zweier heute diesem Rennen seinen Stempel aufdrücken. Schnell gehen sie auf die ersten 1000 Meter und führen das Feld knapp vor Japan an. Auch die Tschechen wollen für sich die bestmögliche Platzierung herausholen und fahren knapp hinter der Spitze mit. Noch vor der Streckenhälfte machen die beiden Deutschen aber alles klar und fahren den Konkurrenten mit Entschlossenheit fast zwei Längen davon. Heute fahren die Zwei ihr bestes Rennen in Linz! Dahinter bleiben Japan und Tschechien ihre nächsten Verfolger. Als es auf die letzten 500 Meter geht, liegen Björn Steinfurth und Christian Scherhag bereits mehrere Längen vor dem Rest des Feldes. Mit kräftigen Schubschlägen gelingt ihnen ein toller Endspurt, mit dem sich die beiden Platz dreizehn sichern. Eine solche Leistung wäre den zwei Männern in den Vorentscheidungen zu wünschen gewesen, dann wäre das Finale sicher drin gewesen. Heute der Sieg im kleinen-kleinen Finale – Herzlichen Glückwunsch!
Zieleinlauf: GER, JPN, CZE, ESP
Das B-Finale gewinnt die Schweiz in einem spannenden Rennen vor Dänemark, Irland, Neuseeland, Amerika und Großbritannien.
Im A-Finale am Mittag geht es zwischen Russland, Italien, Serbien, Griechenland, Holland und Österreich um Gold, Silber und Bronze. Die Griechen dominieren dieses Rennen und werden Weltmeister vor Italien. Bronze geht an Serbien.
Zieleinlauf: GRE, ITA, SRB, NED, RUS, AUT
Vierer Frauen, B-Finale
Nur zwei Boote starten in diesem B-Finale, die Ukraine und Deutschland. Im deutschen Boot verläuft die erste Streckenhälfte nicht optimal, schon über drei Sekunden liegen die Frauen nach 500 Metern zurück. Doch sie wirken konzentriert und siegeswillig, geben sich zu keinem Zeitpunkt auf. Im Gegenteil! Im Rennverlauf kommen sie immer besser in Tritt und kämpfen sich wieder an die Ukraine heran. Schlag um Schlag holen sie auf und überholen ihre Gegner auf dem dritten Teilstück. Die Ukraine scheint alles gegeben zu haben, denn dem starken Auftritt der deutschen Frauen hat dieses Boot nichts mehr entgegenzusetzen. Souverän zieht der deutsche Vierer an der Ukraine vorbei und damit noch nicht genug. Bis zur Ziellinie bauen die deutschen Frauen den Vorsprung noch auf fast drei Längen aus und belegen mit diesem klaren Sieg den siebten Platz dieser Weltmeisterschaften.
Zieleinlauf: GER, UKR
Im Finale am Mittag gewinnt Weißrussland den Weltmeistertitel klar vor den Booten aus Amerika und Dänemark. Markant in diesem Rennen ist die Steuerleistung im russischen Boot, das zwei Mal in der Bahn der Däninnen rudert und dafür am Ende ausgeschlossen wird.
Leichtgewichts-Einer Männer, B-Finale
Nach seinem sechsten Platz im Halbfinale startet Jörg Lehnigk heute auf der Außenbahn gegen die Ruderer aus Serbien, Belgien, der Slowakei, Japan und Spanien. Bei den Leichtgewichten kommt es immer wieder zu spannenden Rennverläufen, so auch hier. Auf der ersten Streckenhälfte bestimmt der Slowake das Geschehen, aber ihm auf den Fersen ist Jörg Lehnigk auf Platz zwei! Dahinter die übrigen Ruderer. Um die Streckenhälfte herum können sich diese beiden Ruderer etwas vom Feld absetzen und Jörg Lehnigk setzt den Slowaken mächtig unter Druck. Doch er muss aufpassen, denn von hinten spurten der Serbe und der Japaner heran. So ist auch der Zwischenstand bei 1500 Metern. Der Endspurt naht und Jörg Lehnigk liefert sich einen packenden Bord an Bord Kampf mit dem Slowaken. Beide Boote gehen genau parallel über die letzten 200 Meter, leichte Vorteile für den Deutschen! Beide Ruderer haben nun das Schlagzahlmaximum erreicht. Etwa sieben Schläge vor dem Ziel sieht es aus, als ob der Slowake heute das größere Stehvermögen hat. Doch Jörg Lehnigk schlägt zurück und fightet über die Ziellinie hinaus! Für das bloße Auge ist nicht erkennbar, welcher Ruderer hier vorne ist. Das Zielfoto bringt die Erlösung: Sieg für Deutschland, 2/100 Sekunden vor dem Slowaken. Großer Applaus dafür für Jörg Lehnigk, der sich damit Platz sieben sichert. Die übrigen Ruderer kommen mit deutlichem Abstand dahinter ins Ziel.
Zieleinlauf: GER, SVK, JPN, BEL, SRB, ESP
Im großen Finale fahren Österreich, Neuseeland, Italien, Holland, der Iran und Griechenland um den Sieg. Der Neuseeländer führt vom Start weg das Feld an, dahinter die übrigen Boote. Bereits 600 Meter vor dem Ziel beginnt der Holländer, den Neuseeländer unter Druck zu setzen. Seine Führung schmilzt. Es wird eine heiße Schlussphase im leichten Einer, der Neuseeländer behält denkbar knapp mit einer halben Sekunde die Oberhand und wird Weltmeister vor dem völlig ausgepumpten Holländer. Im Feld wird der Skuller aus dem Iran, der schon in Brandenburg bei der U-23-WM auftrumpfte fünfter vor dem Österreicher
Leichtgewichts-Doppelvierer Frauen
Gegen die Boote aus Dänemark, Großbritannien, Australien, Polen und Amerika geht es für die deutschen Frauen heute um die Medaillen. Die vier Leichtgewichte fahren prima vom Start weg und sind anfangs gut im Feld mit dabei. Nach der Startphase sind es die Polinnen, die das Tempo konstant hochhalten und die Spitze des Feldes übernehmen. Dicht dahinter sind Amerika und Australien. Doch je weiter das Rennen fährt, desto mehr Federn müssen die Polinnen lassen. Möglich, dass sie ei den heute heißen Temperaturen zu früh zu viel investiert haben. Denn die Amerikanerinnen schieben sich erst an die Führenden heran und dann vorbei. Die Australierinnen springen auf diesen Zug mit auf und nehmen nun ebenfalls das Überholmanöver in Angriff. Amerika liegt nach der Streckenhälfte klar in Führung, die Polinnen kämpfen gegen die Australierinnen. Hinter diesem Kampf an der Spitze liegen die vier Deutschen immer auf dem fünften Platz vor Dänemark. Vorne wechseln im Endspurt jedoch noch mal die Positionen. Die Australierinnen spurten im Endspurt am stärksten und ziehen sogar noch an den Amerikanerinnen vorbei. Die wieder erstarkten Polinnen retten die Silbermedaille vor den USA. Die deutschen Ruderinnen halten bis zum Ziel ihren fünften Platz.
Zieleinlauf: AUS, POL, USA, GBR, GER, DEN
Am Vormittag kommt im B-Finale Russland vor Ungarn ins Ziel.
Leichtgewichts-Doppelvierer Männer
Auf der Außenbahn treten die deutschen Männer heute gegen die Boote aus der Türkei, Amerika, Frankreich, Italien und der Tschechei an. Die Favoritenrolle liegt bei Italien und Frankreich. Doch zu Beginn des Rennens sind es die Franzosen und die Amerikaner, die am besten aus den Startblöcken kommen. Wie der Blitz gehen diese beiden Boote auf die Strecke und übernehmen früh die Führung. Doch die Italiener wollen ihre Vormachtstellung in dieser Bootsklasse behalten und übernehmen nach 500 geruderten Metern wieder die Führung. Doch alle Vierer bleiben innerhalb von zwei Bootslängen, als es auf die 1000-Meter-Marke zugeht und das deutsche Boot liegt in Schlagdistanz zu den Führenden. An der Spitze wechselt die Führung ständig zwischen Frankreich und Italien hin und her. „Aber auch die Deutschen sind vorne mit dabei und das auf der Bahn sechs!“, vermeldet der Streckensprecher. Während die Franzosen auf dem dritten Teilstück Platz um Platz davonziehen, greift der deutsche Vierer die Italiener an. Einer dreiviertel Länge liegen die deutschen Männer hinter Italien. So sein spannendes Rennen gab es in dieser Bootsklasse wahrscheinlich noch nie! Italien, Frankreich und Deutschland – alle drei fahren um den Sieg, als es auf die letzten 250 Meter geht! Schlagzahlerhöhung in allen Booten, Italien und Frankreich, im Kampf um Platz eins, ziehen auf den letzten 15 Schlägen davon. Weniger als einen Luftkasten Führung retten die Italiener ins Ziel und werden Weltmeister. Aber Bronze geht in diesem Spitzenrennen an Deutschland – riesig ist die Freude bei den Deutschen! WOW!
Zieleinlauf: ITA, FRA, GER, CZE, TUR, USA
Leichtgewichts-Achter mit Steuermann Männer
Durch die Vorentscheidungen erruderte der deutsche Achter einen Platz auf der Außenbahn in diesem Finale. Auf den anderen Bahnen starten die Boote aus Kanada, Polen, Holland, Amerika und Italien. Im letzten Rennen dieser WM gehen die Holländer am stärksten ins Rennen, gefolgt von Italien und Amerika. Deutschland beginnt auf dem fünften Platz. Die Amerikaner kämpfen sich bei 600 Metern auf den zweiten Platz vor, die Holländer behaupten ihre Führung. Italien komplettiert das Führungstrio. Deutschland rudert sich vor auf Platz vier, Kanada und Polen hinter sich. Doch die Kanadier wollen hier nach vorne und um die Medaillen mitfahren. Die Amerikaner spurten zur Rennhälfte und greifen die Holländer an, Italien bleibt mit dabei. Jetzt kommt auch der deutsche Achter ins Rollen und kämpft sich an die Führenden heran! Eine tolle kämpferische Leistung, die die deutschen Männer hier abliefern. Es folgt der Endspurt und das Feld schiebt sich wieder zusammen! Zwischen Platz zwei und fünf ist jetzt alles drin für Deutschland! Die Amerikaner vorneweg! Die acht Deutschen quetschen die letzten Reserven aus ihren Körpern heraus! Amerika ist weg, aber Deutschland ist an Italien vorbei! Vorbei! Sie schlagen auch noch die Holländer, der deutsche Achter gewinnt zur großen Freude aller Fans heute die Silbermedaille! Italien wird nur Vierter vor Polen und Kanada. Was für ein Rennen dieses deutschen Achters zum Abschluss der WM! Nach den Vorentscheidungen, in denen die Mannschaft verkrampft wirkte, nun dieses entfesselte Rennen! Die Freude im deutschen Boot ist riesig und das völlig zu Recht! Gratulation an die neun Männer zu dieser beeindruckenden Leistung!
Zieleinlauf: USA, GER, NED, ITA, POL, CAN
Im B-Finale am Morgen errudert die Mannschaft aus Österreich den Sieg und wird damit siebter vor Australien und Ungarn.
Zweier-mit Männer, Finale
Das einzige Rennen in Ottensheim, das ganz ohne deutsche Beteiligung blieb, sieht im Finale die Boote aus Polen, Frankreich, Kanada, Italien, Australien und der Ukraine. Die Polen führen bis 1500 Meter das Feld an, bevor die Kanadier zum Endspurt ansetzen. Diese beiden Boote machen den Weltmeistertitel unter sich aus. In einem fulminanten Endspurt rauschen die Kanadier noch an den Polen vorbei und werden Weltmeister! Riesig ist ihre Freude darüber, die sie im Ziel lauthals herausschreien.

