Mit 100 Booten durchs Berliner Stadtzentrum Tagesfahrt des 43. Wanderrudertreffens

  • Die Teilnehmer suchen ihr Boot
... noch kurz zuvor
Molecule Man
In der Mühlendamm-Schleuse
Rudern mit Blick auf den Berliner Dom
Kurz vor dem Ziel

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von Detlef D. Pries
14.09.2008 - 00:15 Uhr

Es ist nicht überliefert, ob der Schuster Wilhelm Voigt, der 1906 als Hauptmann von Köpenick berühmt wurde, jemals die Grünauer Regattastrecke besucht hat. Möglich wäre es immerhin, denn die Grünauer Anlage ist die älteste noch heute genutzte Sportstätte Berlins: Bereits 1880 fanden dort die ersten Regatten statt. Als am Morgen des 13. September 2008 (Samstag) rund 500 Ruderinnen und Ruderer aus ganz Deutschland in Grünau zur Tagesfahrt des 43. DRV-Wanderrudertreffens starteten, war ein Doppelgänger des Hauptmanns jedenfalls dabei – und erfreute sich an der nahezu militärisch exakten Ausrichtung von 100 Booten auf dem Sattelplatz.

Bald darauf aber geriet die Ordnung durcheinander, denn wie immer wollten möglichst alle Besatzungen ihre Schiffe gleichzeitig zu Wasser bringen. Wer das geschafft hatte, vor dem lag eine fast 40 Kilometer lange Rudertour. Von Grünau führte sie zunächst nach Alt-Köpenick, vorbei am Köpenicker Schloss und am einstigen „Tatort“ des Hauptmanns, dem Rathaus. Die Flotte passierte die Wuhlheide, das frühere Industriegebiet von Schöneweide, den Plänterwald und die Halbinsel Stralau, bevor sie Berlins prächtigste Brücke – die Oberbaumbrücke – durchfuhr.

Das Sperrschild, das muskelbetriebenen Booten die Weiterfahrt verbietet, durfte dank einer Ausnahmegenehmigung ignoriert werden. So konnten die Ruderer die Mühlendammschleuse nutzen, um anschließend das Berliner Zentrum mit Dom, Reichstagsgebäude und Bundeskanzleramt vom Wasser aus zu besichtigen. Die rege Berufsschifffahrt war gehalten, Rücksicht auf die „Kleinen“ zu nehmen. Wer sich durch wen ärger behindert fühlte, mag dahingestellt bleiben. Für die Passagiere der Fahrgastschiffe war die Begegnung mit den Ruderern gewiss ein zusätzliches Erlebnis, die Ruderer hätten sich vielleicht mehr Muße für das Betrachten der Sehenswürdigkeiten gewünscht.

Am Haus der Kulturen der Welt – der „Schwangeren Auster“ – war nach 24 Ruderkilometern zur Mittagspause angerichtet. Dort legten auch die nichtrudernden Teilnehmer des Treffens eine Pause in ihrem Landprogramm ein. Nach dem Boxenstopp wurden das Ruderleistungszentrum am Hohenzollernkanal in Charlottenburg und die nächstgelegenen Bootshäuser angesteuert.

Der Vorsitzende des Deutschen Ruderverbandes, Siegfried Kaidel, begrüßte die Teilnehmer zum „Berliner Abend“ auf dem Gelände des Landesruderverbandes Berlin: Gelegenheit, nicht nur auf das Gelingen der Fahrt anzustoßen, sondern auch Erinnerungen aufzufrischen, neue Fahrtenpläne zu besprechen und sich bei Musik von den Anstrengungen des Tages zu erholen.

Eine erfreuliche Tatsache sei nicht verschwiegen: Nach wie vor überwiegen die Älteren unter den Teilnehmern des Wanderrudertreffens, immerhin aber sind in diesem Jahr mehr als 30 Unter-30-Jährige dabei – langsam steigende Tendenz, melden die Organisatoren.