Interview mit Annekatrin Thiele, Silber OS 2008

Interview mit Annekatrin Thiele, Silbermedaillengewinnerin im Doppelzweier bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, das Interview wird geführt von Andrea Lange.

  • Annekatrin Thiele, Christiane Huth

    Annekatrin Thiele, Christiane Huth

von Andrea Lange
11.10.2008 - 00:01 Uhr

Annekatrin, herzlichen Glückwunsch zur Silbermedaille im Doppelzweier. Können Sie uns den Rennverlauf beschreiben, welche Kontrahentinnen waren für Sie am schwierigsten zu bezwingen?

Als wir zum Start gefahren sind, waren Christiane und ich uns einig. Es gibt nix zu verlieren. Unsere Taktik lautete somit auf Sieg fahren. Wir begangen offensiv. Wir wollten unser Rennen fahren und erstmal nicht auf die Konkurrenz achten. Im Rennverlauf habe ich nicht so viel mitgekriegt. Bei ca.1000 m habe ich kurz geschaut, an welcher Position wir liegen. Wir lagen vorn und ich dachte nur weiter weiter. Die letzten Meter waren wie in einem Tunnel. Ich habe nichts mehr mitgekriegt. Und dann begann das Warten.

Welchen Stellenwert hat für Sie diese Medaille in Ihrer bisherigen sportlichen Laufbahn?

Die Medaille hat bisher den höchsten Stellenwert und sie kam doch recht unerwartet. Ich hoffe es war nur der Anfang für weitere große Erfolge.


In einem Mannschaftsboot wie dem Doppelzweier ist „Teamwork“ der entscheidende Faktor, können Sie uns etwas über Ihre Mannschaftskameradin Christiane Huth und über die Vorbereitungsphase zu den Olympischen Spielen erzählen?

Christiane ist vom Typ anders als ich. Sie ist eine Perfektionistin im positiven Sinne. Wenn sie was macht, dann richtig. Wir ergänzen uns sehr gut. Die Vorbereitung verlief ohne größere Trainingsausfälle aufgrund von Krankheiten. Wir konnten nach Luzern auf unser gemeinsames Ziel hin arbeiten. Das war sehr gut. Trotz des harten Trainings kam der Spaß nicht zu kurz. Wir sind zu einem Team zusammen gewachsen.

Welchen Anteil hat Ihre Trainerin Angelika Noack an Ihrem Erfolg?

Frau Noack hat mich zu der Sportlerin gemacht, die ich heute bin. Sie hat mich immer wieder motiviert und mich angespornt, nicht aufzugeben, auch wenn es mal nicht so läuft wie es soll. Sie hat immer an mich geglaubt und gesagt, dass meine Zeit kommen wird.
Dafür sag ich an dieser Stelle Dankeschön.


Das Urteil der Medien über das Abschneiden der Ruder-Nationalmannschaft zur Olympiade fiel sehr kritisch aus. Wie ist Ihre Einschätzung, wo sehen Sie persönlich Ansatzpunkte zur Verbesserung?

Es ist einfach, die Leistung zu kritisieren, wenn man nur zuschaut. Sollen die Kritiker es erstmal besser machen.
Ich glaube, dass es für die Zukunft wichtig ist, dass man in der gesamten Rudermannschaft auch als diese auftritt. Man sollte voneinander profitieren und sich gegenseitig fordern (z.B. gemeinsame Trainingslager).
Des Weiteren soll das Leistungsprinzip eingehalten werden und jeder die Chance auf die Nationalmannschaft bekommen. Es sollten vor Saisonbeginn eindeutige Nominierungskriterien ausgegeben werden. So weiß jeder, worauf es ankommt.


Wann und wie sind Sie zum Rudersport gekommen, gibt es eine/n „Entdecker/in“?

Meine Freundin hat mich mit zum Tag der offenen Tür ins Bootshaus des Ruderclubs Rossleben genommen. Das war 1994 und da saß ich nun im Ruderkasten und hatte Spaß. So habe ich den Weg ins Boot gefunden, bis heute. Einen Entdecker gab es nicht wirklich. Ich bewarb mich von mir aus in Leipzig  und wurde genommen. Dank der Unterstützung von der Familie, Freunden und den Trainern stehe ich jetzt dort, wo ich jetzt bin.


Welche/n Ausbildung/ Beruf haben Sie erlernt bzw. üben Sie aus, wird Ihre leistungssportliche Laufbahn dort unterstützt?

Ich habe bei der Landespolizei Sachsen meine Ausbildung zur Polizeimeisterin abgeschlossen und bin seit Oktober 2007 bei der Bundespolizei angestellt. Dort bin ich in einer Sportfördergruppe integriert und kann mein Training ausüben.


Ein paar Worte zu Ihrer Familie, Ihrem persönlichem Umfeld...

Ohne Ihre Unterstützung wäre ich nie soweit gekommen.


Welche Ziele steuern Sie sportlich oder persönlich an?

Im kommenden Jahr möchte ich zur A-WM mitfahren und auf dem Podest stehen. Und im Hinterkopf habe ich natürlich London 2012. Aber bis dahin ist noch soviel Zeit und man weiß nie, was bis dahin alles passiert.
Zum jetzigen Zeitpunkt reicht es mir, glücklich zu sein und gesund zu bleiben. Später will ich, was alle Frauen wollen, einen netten Freund, eine Familie und Erfolg im Beruf.


Ein paar Worte zu Ihrer Ruderheimat, der RG Wiking Leipzig, haben Sie gute Trainingsbedingungen?

Wir haben am Stützpunkt in Leipzig gute Bedingungen.

Möchten Sie uns noch etwas erzählen?

Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren.


Vielen Dank für das Interview, ich wünsche Ihnen noch viele Erfolge im Rudersport und alles Gute im persönlichen Leben!