Bernd Nennhaus im Interview
Deutsche Ruderjugend (DRJ): Lieber Bernd Nennhaus, erst mal herzlichen Glückwunsch zur Verteidigung des Weltmeister-Titels der Junioren im Achter. Das haben in der Königsklasse Achter zuvor noch nicht einmal der DRV mit seinem bekannt starken Rudernachwuchs, geschweige denn andere Nationen, jemals in der Geschichte der Junioren-WM geschafft.
Bernd Nennhaus: Ja, das ist in der Tat korrekt und ein kleines Stück Ruder-Historie an der wir uns sehr erfreuen und was eine neue Messlatte für die kommenden internationalen Achter ist. Aber bei aller Freude müssen wir zusehen, dass wir unser Niveau auch angesichts neuer Hindernisse halten und verfeinern können.
DRJ: Sie deuten da schon ein wenig die G-8-Problematik an den Schulen an. In wiefern merken sie schon die Folgen der Unterrichtsstraffung beim Rudernachwuchs?
Bernd Nennhaus: Wir registrieren die ersten Ausläufer durchaus, der Druck von Schulen auf Ruderer und deren Eltern steigt an. Die bereits vorhandenen Athleten sind schon eingeschränkt - und wir haben es etwas schwerer bei der Gewinnung von Neueinsteigern, weil die Gesamtbelastung zunimmt.
DRJ: Wie gehen Sie die G-8-Problematik an, um den Schülern den Rudersport doch noch zu ermöglichen?
Bernd Nennhaus: Nun ja, wir müssen über unsere reine Funktion als Sport-Übungsleiter hinauswachsen und ähnlich wie die Lehrer an den Schulen ein ganzheitlicher Lebensabschnittsgefährte unserer schutzbefohlenen Sportler werden. Das heißt wir sind Tagesplaner, Organisator, Erzieher, Elternersatz, Lehrer und Übungsleiter in einem für die Zeit, wo uns die Sportler von den Eltern anvertraut werden. Wir bieten in Hamburg z. B. Hausaufgabenhilfe an für die Aufgaben, die unterhalb der Woche nicht geschafft wurden - und passen auch mit den strengen Augen der sorgsamen Eltern darauf auf, dass diese auch erledigt werden. Denn wenn unsere Schüler Probleme an der Schule bekommen, kostet das Energie und Nerven für den Sport. Daher sind wir da stark hinterher, dass alles ein wenig in der Balance bleibt. Das wissen die Eltern auch, vertrauen uns ihre Kinder gerne an, weil sie sich darauf verlassen können, dass wir uns kümmern.
DRJ: Bei den DRV-Junioren gibt es das so genannte Regionalgruppen-Konzept (Nord-Ost, Süd, West). Ist dieses Konzept der Schlüssel zum Erfolg der Junioren?
Bernd Nennhaus: Ob es der Schlüssel ist, kann ich so nicht sagen, da ja bekanntermaßen viele Wege nach Rom führen. Aber zugegebenermaßen haben wir sehr gute Erfahrungen mit diesem regionalen Ansatz gemacht, so dass wir auch auf unbestimmte Zeit angesichts der Erfolge da keinen Veränderungsbedarf sehen. Die Vorteile sind ein gesunder Konkurrenzkampf und ein sehr transparenter Selektionsprozess für die Junioren-WM. Wenn einzelne Ruderer aus Bayern dieses Jahr im Juniorenachter oder anderen Bootsklassen rudern wollen, gibt es gewisse Grundanforderungen, die bekannt sind und auf die sie sich schon seit den letzten Jahren einstellen konnten. Außerdem haben wir festgestellt, dass je stärker die Regionalgruppen in Nord-Ost, West oder Süd sind, bzw. je ausgewogener, desto erfolgreicher konnte sich auch die gesamte Nationalmannschaft in Szene setzen. Kurzum, wir sind da sehr zufrieden, wobei ich auch gleich mal die Erwartungshaltung dämpfen möchte für die Zukunft. Angesichts der bereits erwähnten G‑8‑Neustrukturierung werden andere Nationen vielleicht ein wenig mehr aufschließen und Erfolgsjahre wie 1993 (12 Goldmedaillen) oder gerade 2008 (8 Goldmedaillen) sind dann keineswegs mehr selbstverständlich. Die Luft wird dünner, und wir müssen noch effizienter werden, um das gleiche Ergebnis zu erreichen.
DRJ: Der DRV ist ja gerade dabei, das erfolgreiche System der Junioren Nationalmannschaft „zu kopieren“: Stärkung der regionalen Stützpunkte, gemeinsame Trainingslager in der Saison und gemeinsame UWV. Ist dieses System überhaupt „kopierbar“?
Bernd Nennhaus: Also 1 zu 1 kann man sicherlich nicht einfach ein System auf das andere übertragen. Aber wenn man es den Bedingungen anpasst und sich die positiven Seiten herauspickt und an den unrunden Enden etwas feilt, wäre es durchaus vorstellbar, warum nicht?! Ein gesunder Konkurrenzkampf unter den einzelnen Regionen und Stützpunkten sowie ein absolut transparentes und für alle Sportler nachvollziehbares Nominierungssystem können eigentlich dem deutschen Erfolgsrudern nicht zum Nachteil gereichen.
DRJ: Warum sind Sie seit 15 Jahren Trainer bei den Junioren? Keine Lust auf höhere Aufgaben?
Bernd Nennhaus: Jeder Trainer der Welt will doch auch gerne mal Olympioniken zu den Spielen begleiten. Das ist doch der Traum von Sportlern wie Trainern. Und ich freue mich riesig, wenn ich vor dem Fernseher die Olympischen Finals in Peking sehe und einen Zweier mit Tom Lehmann und Felix Drahotta als Olympiavierten im Finale erblicke. Das erfüllt einen echten Sporttrainer mit Stolz, und ich bin wirklich froh, dass ich diese beiden Talente in meinem Juniorenachter in den Jahren zuvor mitentwickeln durfte. Aber das sind die Früchte der Arbeit, die einem handfeste Ergebnisse aufzeigen, dass man mit seiner Arbeit zu etwas Großem beiträgt.
Außerdem gefällt mir der Mix an Arbeit in Hamburg richtig gut. Das komplexe Team aus Schülern, Eltern, Lehrer und Trainerkollegen zu koordinieren ist Jahr für Jahr eine neue tolle Aufgabe. Ich kann sogar soweit gehen und sagen, dass es oft richtig Spaß macht. Außerdem kommen in meiner Funktion als Bundestrainer alle zwei Jahre neue Leute auf den Hof, die ich auf die JWM führen und einen Teil zu ihrer Entwicklung beitragen darf. Es wird also nie so richtig langweilig. Sicherlich besteht ein großer Teil meiner Arbeit auch aus Verwaltung am Schreibtisch, aber dafür freue ich mich umso mehr, wenn ich mit meinen Hamburger Kollegen dann zum Wassertraining auf die Alster fahre oder bei DRV-Lehrgängen direkt einwirken kann.
DRJ: Wir wünschen dem neuen Rekord-Doppel-Weltmeister-Trainer im Juniorenachter eine ebenso gute Saison wie 2008, auch wenn dies schwer werden wird. Vielen Dank für dieses Interview.






