Bericht von der Tagung des Ausschusses Ruderreviere und Umwelt
Dr. Harald Seiler ist in den Ruhestand gewechselt
Ein immer agiler Mann hat am 28. Februar seine letzte Beratung als berufenes Mitglied eines DRV-Ausschusses durchgeführt, Dr. Harald Seiler. Er hatte sich durch sein extrem hohes Fachwissen, sein Engagement im Wassersport und die Art, schwierige Zusammenhänge und Regelungen allen verständlich zu machen, große Achtung erworben. Auch durch Witz und Kultur ist er sehr beliebt und wurde daher von allen 17 Anwesenden am Abend feierlich in gemütlicher Runde verabschiedet. Am Vormittag aber hatte er seinem Tagesordnungspunkt „Bericht aus der Tätigkeit des Wassersportbeauftragten des DOSB (der er bis Ende 2008 war)“ noch einmal alle Ehre gemacht und zu 15 Einzelpunkten viel Wissenswertes geboten. Hauptpunkt war das Nutzungsentgelt (siehe Rudersport 3/09, S. 42), das ihn nach 1990 sehr intensiv beschäftigt hatte. Er machte darauf aufmerksam, dass mit dieser schönen generellen Regelung aber nicht alle Ungereimtheiten in vielen einzelnen Nutzungsverträgen beseitigt sind.
Ein anderer immer sehr widersprüchlich diskutierter Themenkomplex war die Sicherheit auf dem Wasser. Er vertritt hier konsequent die Meinung, dass sich die Vereine niemals den Möglichkeiten einer umfassenden Vorbeugung durch Belehrungen und technische Instrumentarien, die überall auf den Markt drängen, verschließen dürfen, aber dass letztlich die Fähigkeiten der Sportler selbst entscheidend sind, Gefahren wahrzunehmen, Vorsicht walten zu lassen und elementare Fehler auch bei starker Gruppendynamik einfach nicht zu begehen. Es sind viele Erfahrungen vorhanden, die uns helfen werden, auch weiterhin eine recht sichere Sportart zu sein. Man muss diese Erfahrungen und echtes Faktenwissen aber an den Mann (Frau, Kind) bringen. Durch viele hundert Textseiten zu Fragen der Sicherheit und durch unzählige Hilfsmittel, dürfen wir aber weder die Leute abschrecken, die mit uns neu ins Boot steigen wollen noch die in eine scheinbar vorhandene Sicherheit wiegen, die schon Jahrzehnte lang mitfahren.
In einem speziellen Tagesordnungspunkt wurde später nochmals über Rückspiegel, Brillen, Schwimmwesten usw. diskutiert, die von einem Teil der Ruderer auch sehr geschätzt werden. Die Bedingungen auf dem Wasser haben sich im Allgemeinen aber nicht so verändert, dass man es nicht jeder einzelnen Person und jeder Gruppe selbst überlassen kann, diese Dinge anzuschaffen, einsatzbereit zu halten und auch zu nutzen.
Erinnern musste Harald Seiler auch daran, dass die meist praktizierte Befreiung unserer Boote von Schleusengebühren keinesfalls überall gilt. An solchen Landesgewässern wie der Ruhr werden sie noch erhoben. An der Mosel als internationaler Wasserstraße sind sie aber seit dem 01.01.2009 weggefallen. Problematisch kann es weiterhin sein, unsere relativ kleinen Boote in großen französischen Anlagen zu schleusen. Offensichtlich keine Probleme bereitet es dagegen mehr, tschechische Straßen mit Bootsanhängern zu befahren, wenn deren Beschaffenheit allgemein gültigen Regeln entspricht. Fälle, bei denen nach Genehmigungen gefragt wird, sind nicht mehr bekannt geworden.
Die Berichte von den einzelnen Landesvertretern zeigten Licht und Schattenseiten. Es gibt zwar auf der Bleilochtalsperre in Thüringen zeitweise störende Motorbootwellen, im Berliner Zentrum Sperrungen wegen Baumaßnahmen, in Hamburg störenden Barkassenverkehr in der Speicherstadt und in Bremen stärkere Tideströmungen, aber an vielen Stellen gibt es auch Erweiterungen und neue Ruderreviere. So konnte Gunter Blasberg vom weiteren Ausbau neuer Seengebiete (ehemals Tagebaurestseen) südlich von Leipzig und in der Lausitz berichten. Weiterhin wies er auf eine sehr nützliche neue Marina an einem von der Elbe aus zugängigen Baggersee im böhmischen Bereich hin. Werner Rudolph pries den bisher wenig genutzten Schluchsee im Schwarzwald an und die Lobensteiner Ruderer werben mit einem Faltblatt für den Besuch der Saaletalsperren. Eike Wolff bietet den Gästen des RC Saar das Außenquartier Dreisbach in unmittelbarer Nähe der Saarschleife an. Von der Baustelle einer modernen Schleuse an der Kreuzung des Mittellandkanals mit der Weser bei Minden war zu hören, dass die ehrwürdige Schachtschleuse langfristig für den Wassertourismus erhalten bleibt. Umfangreiche Sanierungsarbeiten laufen zur Zeit am Wehr Märkisch Buchholz (Spree-Dahme-Umflutkanal). Wer vor Mitte Mai hier passieren will, fragt besser beim Wasser- und Bodenverband (033764 20 346) nach. Bei der Passage von Baustellen am Oberrhein (Kraftwerke) wird geraten, sich ebenfalls telefonisch vom WSA beraten zu lassen.
Einen größeren Raum nahm wiederum die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung des ökologischen Zustandes der Gewässer ein.
Zur Zeit liegen die Entwürfe zu den Maßnahme- und Bewirtschaftungsplänen in den unteren Wasserbehörden öffentlich zur Stellungnahme aus (siehe auch www.wasserblick.net). Die lineare Durchgängigkeit von Querbauwerken ist für uns hier von besonderem Interesse und wenn alles klappt, könnte der muskelbetriebene Wassersport vor allem durch eine breite Anwendung kombinierter Fisch-Boots-Pässe stark profitieren. Viele Anlagen sind bereits für Kanus gebaut worden, die mit der Berührung der rund 5 mm starken und bis zu 50 cm langen Borsten allgemein keine Probleme haben, selbst wenn die diese noch etliche Zentimeter weit aus dem Wasser herausstehen und kräftig an der Bootshaut schleifen. Für unsere lackierten Holzboote und edel gefärbten Plasteboote stehen entsprechende Untersuchungen zur Verträglichkeit noch aus. Theo aus Rüdersdorf wird hierzu einige Labor“-Versuche im Kalksee durchführen. Dort, wo es bereits Anlagen in den Flüssen gibt, wäre es in diesem Zusammenhang sehr zu begrüßen, wenn Boote vielleicht noch vor dem Anschleifen für die nächste routinemäßige Lackierung einem systematischen Test dienen könnten. Es gibt zur Zeit leider erst eine einzige Anlage (Schwentine-Mündung in Kiel), über die Ruderboote getreidelt werden können. Alle anderen sind so schmal, dass die Ausleger demontiert werden müssten. Jürgen Faltin, der als Gast des Kanuverbandes sehr konstruktiv mitdiskutierte, stellte uns natürlich auch die Frage, warum wir nicht so wie die Wanderkanuten mit strapazierfähigen und leicht verkratzten Außenflächen unserer Boote zufrieden sein können. Das würde die Probleme deutlich reduzieren, zumal auch noch nicht alle Anforderungen der Fischökologie als abgesichert angesehen werden können. Wer bei der Lösung der Kratzerproblematik mithelfen kann, melde sich möglichst bei Dr. Kozerski (033 66 26 365 oder h.p.kozerski(at)t-online.de).
Zur Zeit bestehen Hoffnungen, dass im Land Brandenburg eine Anlage geplant werden kann, die unseren Vorstellungen voll entsprechen wird. Dort aber, wo es die Bedingungen zulassen und entsprechende Traditionen vorhanden sind, wird auch die Universal-Bootsgasse neben anderen Fischaufstiegshilfen angewandt. Die Vorbereitungen für die Ruhr bei Blankenstein gehen ihrem erfolgreichen Ende entgegen.
Den Abschluss der siebenstündigen Sitzung bildete wie immer ein Blick auf unsere Informationsmaterialien. Der Limpertverlag wird das Handbuch für das Wanderrudern weiterführen und würde sich auch über erstmalige Beschreibungen der noch ausstehenden Gewässer wie zum Beispiel der Oder, der Regnitz und des Starnberger Sees freuen. Der Gewässerkatalog in der Internetpräsentation des DRV (www.rudern.de) ist bereits gut ausgebaut und wird weiter vervollständigt Der Ausschuss dankt ausdrücklich allen Mitwirkenden.


