Geburtstags-Interview mit dem Deutschen Einer-Meister Marcel Hacker
Arne Simann spach am vergangenen Mittwoch mit Marcel Hacker, Deutschlands zur Zeit schnellstem Einerfahrer, über seine neue Heimat, das Engagement abseits des Einers, seine leistungssportlichen Ziele für die kommenden Jahre und natürlich auch über die RBL.
RBL: Marcel, als allererstes vorweg, wünschen wir Dir Alles Gute zum 32. Geburtstag, eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison 2009. Läuft an Deinem Ehrentag alles nach Wunsch?
Hacker: Naja, im Grunde schon. Ich habe mir trotz der geringen Vorbereitungszeit von nur gut 3 Monaten erneut die Meisterkette bei den Deutschen Meisterschaften am Sonntag in Brandenburg erkämpfen können, bin damit seit 1999 national über 2000 Meter ungeschlagen und war heute morgen mit meiner neuen Trainingsgruppe schon um 7:30 Uhr Hanteln. Alles in allem, kein schlechter Tag.
RBL: Wer ist Deine neue Trainingsgruppe?
Hacker: Nach den Olympischen Spielen von Peking habe ich mir mal Gedanken gemacht, ob ich vielleicht an den grundsätzlichen Rahmenbedingungen, also den Großen Stellschrauben meines Sportlerlebens etwas verändern müsste, um frischen Wind und neue Reize reinzubringen. Und nach reiflichen Überlegungen habe ich mich entschlossen die langjährigen sehr gute Zusammenarbeit mit meinem Trainer Andres Maul zu beenden und mich auch räumlich in Deutschland zu verändern. Daher werde ich jetzt nach Frankfurt zu meinem Heimatverein Germania ziehen und in der Trainingsgruppe meines neuen Heimtrainers Ralf Hollmann mittrainieren. Wir sind jetzt eine richtig starke Truppe mit Sportlern wie Ivan Saric, Sebastian Baus, Michael Wieler oder Maximilian Hinkel und ich merke selbst wie gut mir der Tapetenwechsel tut und wie sehr ich von der Gruppendynamik profitiere.
RBL: Wie sieht bei Dir die Internationale Planung nach dem Einersieg von Brandenburg aus? Setzt Du nach dem 7. Platz von Peking erneut auf die einsamste aller Bootsklassen, den Einer?
Hacker: Nein, das ist derzeit nicht geplant. Ich werde fleißig in meinem neuen Umfeld trainieren, meine Leistung bringen und dann sehen in welchem Mannschaftsboot der neue Bundestrainer Hartmut Buschbacher mich am besten einsetzen kann. Ich gehe völlig offen an die Sache ran und integriere mich völlig in das Team. Die ersten Gespräche mit Bundestrainer Buschbacher waren sehr gut, die Chemie stimmt. Und wenn ich mich sonst alleine auf die Weltmeisterschaften vorbereitet habe, kam nun die Erkenntnis, dass ich gerne Teil eines Teams sein möchte. Die ersten Erfahrungen in meiner Frankfurter Trainingsgruppe und im Trainingslager in Sabaudia bestätigen mich, dass die Zeit der Eigenbrötlerei erstmal passé zu sein scheint und ich Spaß daran habe ein Teil des Ruderteams Deutschland und der Frankfurter RG zu sein. Ich habe festgestellt, dass ich das Team unterstützen möchte und dass es auch mir gut tut, wenn ich eine Mannschaft um mich herum habe.
RBL: In Deinem Heimatverein FRG am Frankfurter Schaumainkai hast Du Dich ja dann schon ganz gut integriert. Wie stets mit den Kollegen aus der Nationalmannschaft des DRV?
Hacker: Auch da habe ich durchweg positive Erkenntnisse. Wir verstehen uns gut, ich habe mittlerweile sogar schon fast den Spaß am Ergofahren entdeckt, was sich sonst eher schwierig gestaltete und spüre, dass ich als Teil des Teams Deutschland neue Kraft und Stärke gewinnen könnte.
RBL: Die Du dann im Großboot einbringen möchtest?
Hacker: Diese Saison auf der WM in Posen (Polen) Ende August auf jeden Fall. Da könnte ich mir gut vorstellen in einem Doppelvierer oder auch Zweier zu sitzen. Sogar den Spaß am Achterfahren habe ich entdeckt, seit wir im März auf der Londoner Themse im „Great Eight“ mit den weltbesten acht Skullern der letzten Jahre das berühmte „Head of the river Race“ gegen 420 andere Achter gewonnen haben. Auch das war eine tolle Erfahrung mit so einer Mannschaft aus Hochkarätern eine Woche lang im Maschinenraum eines Achters zu sitzen. Aber grundsätzlich denke ich doch, dass meine Stärke eher im Skullbereich liegt. Und in Richtung Olympische Spiele 2012 in London will ich dann doch noch mal im Einer angreifen.
RBL: Apropos Achter, gut dass Du das Thema ansprichst. Einen größeren Unterschied zwischen Deinem bisher geliebten Einer und dem Achter könnte es ja kaum geben. Was hältst Du denn von der neuen Ruder-Bundesliga, nur für Achter auf der Sprint-Distanz?
Hacker: Ja, den Veranstaltern erstmal Glückwunsch zum gelungenen Auftakt. Die sind da schon auf dem ganz richtigen Weg in die Zukunft. Ich finde, es ist eine absolut geile Idee, um neuen Schwung in den Sport zu bringen und auch Zuschauern an die Strecken zu locken. Ich habe ja wie, oben bereits erwähnt, selbst dieses Jahr Erfahrungen im Achter in London gesammelt, war sonst auch mal beim Städteduell Magdeburg-Halle dabei und bin so langsam auf den Geschmack des Achterfahrens gekommen. Ich würde sicherlich auch gerne mal beim Frankfurt-Achter der Germania an einem Bundesliga-Wochenende mit dabei sein, wenn die Jungs mich überhaupt mitnehmen wollen. Schließlich sind die ja alle schon eingefahren. Aber wenn das Bundesliga-Team aus Frankfurt sagt: „Marcel fahr mit uns“ und mein neuer Coach Ralf Hollmann mir grünes Licht gibt, bzw. das Rennen in meinen Saisonaufbau passt, wäre es mir eine Ehre für Frankfurt zu sprinten.
RBL: Marcel, vielen Dank für dieses Interview. Mehr Zeit wollen wir Dir wirklich an Deinem Geburtstag nicht stehlen. Was machst Du noch mit der verbleibenden Zeit an Deinem Ehrentag?
Hacker: Tja, so die ganz große Feier läuft heute nicht, ich war heute morgen schon hanteln, fahre gleich noch zwei Stunden nach Dortmund um den Doppelzweier für Karsten Brodowski und mich abzuholen, dann juckel ich wieder zwei Stunden über die Autobahn zurück nach Frankfurt, werde heute um 16 Uhr meine zweite Trainingseinheit absolvieren und heute Abend ein wenig entspannen. Am Wochenende testen wir dann in Berlin den Doppelzweier. Aber in Sabaudia in den ruhigen Frequenzbereichen hat das schon ganz gut gepasst.
