Premiere: Äquatorpreis für den blinden Ruderer
Herausragende Leistungen verdienen eine besondere Anerkennung. Erich Scheiffert (Stuttgart-Cannstatter Ruderclub) ist der erste blinde Ruderer, der die Bedingungen für den Äquatorpreis erfüllte. Er ist zugleich der erste Äquatorpreisträger, der die 40.077 ausschließlich rudernd zurückgelegt hat und das – eine weitere Besonderheit - stets im Mannschaftsboot. Da es ihm nicht möglich ist, zum Wanderrudertreffen nach Magdeburg zu kommen und den Preis dort entgegenzunehmen, bekam er die Auszeichnung im Rahmen der DRV-Altherrenwanderfahrt, der „Argonautenfahrt“, überreicht. Die führte in diesem Jahr von Kassel nach Minden, und in Rinteln, wo die Gruppe einige Tage Station machte, hatte Vize-Fahrtleiter Fred Hoppe für einen würdigen Rahmen gesorgt. Die feierliche Übergabe von Preis, Urkunde und Nadel nahm der Vorsitzende des Ausschusses Wanderrudern, Prof. Dr. Arnim Nethe, gemeinsam mit den AW-Mitgliedern Barbara Leibelt-Menzel (zuständig für DRV-Wettbewerbe und Statistik) und Anne Schneller (zuständig für DRV-Wanderfahrten und Gemeinschaftswanderfahrten) vor.
Es war eine geglückte Überraschung. Etwas „läuten gehört“ hätte er schon, bekannte der frischgebackene Preisträger, „aber nicht daran geglaubt - geredet wird ja viel.“ Mit dem Äquatorpreis sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen; er empfinde Freude und Genugtuung, diese Kilometerzahl erreicht zu haben. „Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe, und ich habe es nur mit der Unterstützung vieler anderer, Nicht-Blinder geschafft. Ich bin ja auf eine Mannschaft angewiesen und kann mir nicht einfach einen Einer nehmen.“ Mannschaften und Unterstützung fand er auch und gerade auf DRV-Wanderfahrten, an denen nimmt er schon seit den 70-er Jahren teilnimmt. Sie verhalfen ihm zu vielen Kilometern für das Fahrtenabzeichen – das er bisher 26 Mal errang – und natürlich auch für den Äquatorpreis.
Der 81-jährige, der in Bietigheim-Bissingen lebt, war von Geburt an stark sehbehindert und erblindete, als er sieben Jahre alt war. Zu rudern begann er 1962 beim Behindertensportverein Stuttgart; als die dortige Ruderriege aufgelöst wurde, schloss er sich dem Stuttgart-Cannstatter Ruderclub an. Dort sitzt er jede Woche zwei, drei Mal im Boot. „Präzise wie ein Uhrwerk“ ziehe er als Schlagmann die Blätter durchs Wasser, hieß es aus dem Kreis der Argonauten. Mit denen war er jetzt das 13. Mal unterwegs, wie immer begleitet von seiner Frau Lore. „Solange ich gut beieinander bin, möchte ich dabei bleiben“ sagt er. Und meint damit nicht nur die Argonauten, sondern den Rudersport.



