10. Dezember 1949: Wiedergründung des DRV
(DOSB Presse)
Auch im Dezember 1949 mehrere Gründungen - Rudern, Hockey, Boxen: Die Zahl bundesdeutscher Spitzenverbände wächst
Mit den Wiedergründungen weiterer Bundesfachverbände auch im Dezember 1949 wuchs die Zahl der Mitgliedsorganisationen des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) bis zum Jahresende auf eine zweistellige Zahl an. Dabei handelte es sich allesamt um Wiedergründungen von bereits traditionsreichen Verbänden, die während des Dritten Reiches im Rahmen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) als gleichgeschaltete Fachämter geführt und verwaltet wurden.
Alle drei Verbände, Deutscher Ruder-Verband, Deutscher Hockey-Bund und Deutscher Amateur-Box-Verband, wurden am 10. Dezember 1949 gegründet, auf den Tag genau ein Jahr vor dem Deutschen Sportbund (1950 in Hannover). Nachzutragen ist der Deutsche Golf-Verband, der sich als „Arbeitsausschuss Golf“ bereits am 12. März in Wiesbaden konstituierte und sich dann durch einen Präsidiumsbeschluss am 18. Oktober ohne weitere Mitgliederversammlung die Verbandsform gab.
Vorbilder waren englische Kaufleute in Hamburg
Der 5. Juni 1836 gilt als der Geburtstag des organisierten Rudersports in Deutschland. An diesem Tag vor fast 175 Jahren gründeten junge Hamburger Kaufleute mit dem Hamburger Ruder-Club den ersten deutschen Ruderverein. Vorbild waren in Hamburg beruflich tätige Engländer, die den aus ihrer Heimat gewohnten Sport auf der Alster einführten. Bereits 1844 wurde in der Hansestadt die erste Regatta ausgetragen und als Regattaverein der Allgemeine Alster-Club aus der Taufe gehoben. Erst nach 1865 entstanden in Frankfurt, Mannheim und Berlin weitere Zentren des Rudersports. Das deutsche Kaiserhaus förderte die Einführung von Schüler-Ruderriegen an den höheren Lehranstalten überall im Lande.
Nachdem es bereits 1882 auf Initiative der Frankfurter Rudergesellschaft Germania einen ersten Ruderkongress in Frankfurt gegeben hatte, trafen sich Vertreter von 34 Ruderclubs am 18. März 1883 im Kölner Gürzenich zur Gründung des Deutschen Ruderverbandes, der damit der älteste deutsche Sportverband ist. Als Vorsitzender des Verbandes wurde Adolf Burmester (Hamburg) gewählt. In einem „Grundgesetz“ wurden Zweck und Aufgaben des DRV festgelegt. Durch diesen Zusammenschluss der Rudervereine in einem nationalen Verband wurden nicht nur die Grundlagen für verbindliche Wettkampfregeln, nationale Wettkämpfe und Kontakte zum Ausland geschaffen, sondern auch Beispiele für andere Sportarten gegeben, sich ebenfalls auf nationaler Ebene zusammenzuschließen. Im Gegensatz zu anderen sportlichen Gruppen handelte es sich bei den Ruderklubs damals um sehr exklusive Vereinigungen, in denen nach eng ausgelegten Amateurregeln Handwerker und Arbeiter keine Mitglieder werden konnten und durften. Erst später wurde diese Distanz überwunden und Rudern immer mehr zu einem Volkssport.
Bereits 1900 nahmen deutsche Klubs an den ersten olympischen Ruderregatten in Paris teil, wo der Germania RC Hamburg im Vierer mit Steuermann die Goldmedaille gewann. War der DRV zunächst vor allem an leistungssportlichen Prinzipien orientiert, so wurde doch nach einem Vierteljahrhundert (1908) auch das Wanderrudern offiziell anerkannt. Bis in die 30er Jahre musste das Frauenrudern um seine Anerkennung kämpfen, obwohl bereits 1901 in Berlin der erste Frauen-Ruderverein gegründet worden war, der Friedrichshagener Damen RC . Im Frauenrudern - hier gab es seit 1919 einen eigenen Deutschen Damen-Ruder-Verband (DDRV), der 1927 in der DRV aufgenommen wurde und sich 1933 auflöste - stand über Jahrzehnte das Stilrudern im Vordergrund. 1939 gab es die ersten Deutschen Frauenmeisterschaften im Rennrudern. Ab 1971 wurden keine Wettbewerbe im Stilrudern mehr ausgeschrieben.
Aus politischen Gründen boykottierte der DRV zunächst den bereits 1892 in Turin gegründeten Internationalen Ruderverband FISA (Fédération Internationale des Sociétés d'Aviron) und auch die seit 1893 durchgeführten Europameisterschaften wegen der französisch-belgischen Vorherrschaft im Weltverband. Erst 1912 schloss sich der DRV der FISA an und führte 1936 erstmalig in Berlin-Grünau Europameisterschaften durch. Auf dieser Olympiastrecke gab es 1936 mit fünf Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille in den sieben olympischen Bootsklassen den bisher größten Triumph für den deutschen Rudersport. Im selben Jahr wurde im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der DRV aufgelöst und in den NS-Reichsbund für Leibesübungen übernommen, wo der Rudersport im Rahmen eines Fachamtes geführt und verwaltet wurde. Ein entsprechender Beschluss wurde vom 25. Deutschen Rudertag am 3. Juli 1936 in Hamburg gefasst.
Die Wiedergründung des Deutschen Ruderverbandes nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am 10. Dezember 1949 in Wetzlar. Mit Dr. Walter Wülfing (Hannover) wählten die Vertreter der Rudervereine einen Präsidenten an die Spitze ihres Verbandes, der sich großartige Verdienste um den deutschen und internationalen Rudersport und um den deutschen Sport insgesamt erwarb. Wülfing führte den DRV bis 1966 und gab dann das Ruder an den heutigen Ehrenpräsidenten Dr. Claus Heß (Würzburg) ab.
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