Skyline der Hamburger Binnenalster war eine hervorragende Kulisse für die Bundesliga

von Arne Simann
25.07.2010 - 21:46 Uhr
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10.000 Zuschauer bejubeln Hamburger Sieg in der 2. Bundesliga vom RC Favorite Hammonia Hamburg

Die berühmte Skyline der Hamburger Binnenalster war eine hervorragende Kulisse für die 45 besten Clubachter Deutschlands. Auf der 4. Etappe der „Deutschland-Tournee“ waren die Bundesliga-Achter zum ersten Mal Gast im Herzen der Hansemetropole. Auf diesem zuschauerattraktiv gelegenen Innenstadtkurs wurde das Tableau gehörig durcheinandergebracht und einige Favoriten taten sich sehr schwer.

Diese absolute Sprintdistanz von nur 270m zwischen Lombardsbrücke und Jungfernstieg lockte in der Hamburger City über 10.000 Zuschauer als Zaungäste der RBL. In über 120 Achtersprints in der Königsklasse bekam das sportbegeisterte Publikum packende KO-Duelle des modernen Rudersports im Hundertstel-Sekundenbereich zu sehen.

In der 2. Bundesliga der Herren verlor der gefürchtete Tabellenführer aus Karlsruhe durch ein nicht optimal gerudertes Achtelfinale die Spitzenposition an die Heimmannschaft des RC Favorite Hammonia Hamburg. Das Hamburger Boot von Trainer Kai von Warburg übernimmt zum ersten Mal mit einem Punkt Vorsprung die Tabellenspitze vor Karlsruhe und dem RV Weser Hameln. „Wer am Ende der Saison aufsteigen will, muss auch zeigen, dass er mal eine Etappe gewinnen kann. Diese haben wir heute hier in unserem Wohnzimmer mit den Fans, dem zehnten Mann, am Ufer getan und als neuer Tabellenführer zwei Etappen vor Schluss jetzt gute Karten für den Aufstieg auf der Hand“, freut sich Fari-Coach und immer noch amtierender Achter-Weltrekordler Kai von Warburg über den Heimsieg seiner Achtercrew.

Noch dran an den drei Aufstiegsplätzen sind auch die Boote aus Rüdersdorf, Dortmund und München. Die „Alster-Arena“ war zudem unter den Top 4 eine absolute Domäne der Nord-Klubs. Hinter dem RC Favorite Hammonia wurde die Lübecker RG nach einem schwachen Saisonstart Überraschungs-Zweiter und verdrängte den RC Allemannia Hamburg auf die Bronzeposition. Knapp am Treppchen vorbei schrammte mit der RG Hansa Hamburg der dritte Club von der Außenalster.

In der 1. Bundesliga der Damen meldete sich der Deutsche Meister vom Crefelder RC mit einem Paukenschlag zurück. Nach der Platz-4-Blamage auf der eigenen Hausstrecke am Niederrhein, fassten sich die Frauen um Schlagfrau Melanie Staelberg ein Herz und rangen im Halbfinale den Tabellenführer von der RG Hansa Hamburg nieder. Dadurch deutet sich an, dass es „zuhause“ unter dem Erwartungsdruck des Heimpublikums doch oftmals schwieriger für die Teams wird und sie „auswärts“ viel befreiter aufrudern können. Denn im A-Finale zur abendlichen „Primetime“ bezwangen die Frauen von Trainer Christoph Lüke schließlich den Zeitfahrsieger aus Berlin und durften auf der anschließenden Siegerehrung von ganz oben jubeln. Dritter und Sieger im B-Finale wurden dann doch die „Hausdamen“ des Alsterachters die damit ihr gelbes Trikot und die Tabellenführung verteidigten. Der „Hamburg-Achter“ schlug den Ruhrachter aus Essen, die sich aber auch über eine Top-4-Platzierung freuten.

In der 1. Bundesliga der Herren gab es dann eine echte Überraschung. Dem Crefelder RC gelang ein taktischer Husarenritt. In Anbetracht der Führung des Hamburger und Germania Ruderclubs im Oberhaus und der schwierigen Aussichten unter „normalen“ Bedingungen noch am „Club“ vorbeizuziehen, setzte das Team von Bootstrainer Stefan Lier alles auf eine Karte und probierte eine Variante aus, die sich nur wenige Teams trauen würden. Der „Niederrhein-Achter“ ließ sich im Zeitfahren überraschend zurückfallen, um als 16. und letzter der 1. Liga automatisch im Achtelfinale gegen den Zeitfahrsieger gesetzt zu werden.

Immer in der Hoffnung, dass Hamburg Vollgas fährt und das „Time-trial“ gewinnt. So trat es dann auch ein und es kam im Achtelfinale dadurch zu einem Duell, welches die Meisterschaft entscheiden kann. Der Tabellenerste aus Hamburg gegen den Tabellenzweiten aus Krefeld. Der Verlierer rutscht automatisch in die untere Tabellenhälfte der Plätze 9-16 und verliert acht wichtige Punkte im Kampf um den Titel. Unter dem Druck dieser heiklen Rennsituation und den Buh-Rufen des Hamburger Publikums gelang es dem Crefelder RC dann schließlich das Hamburger Paradeboot mit einer Zehntel Vorsprung  zu bezwingen. Damit führt fortan wieder der deutsche Sprintmeister mit sechs Punkten vor Hamburg und sogar 12 Punkten vor dem Drittplatzierten „Artland-Achter“ aus Osnabrück. Gegner Krefelds im A-Finale war der neu erstarkte „Emscher Hammer“ um das Schlagduo Falk und Jan Müller, die zum zweiten Mal in Folge die Silbermedaille gewannen und sich in der Tabelle damit auf Rang vier vorschoben. Nur einen Punkt hinter Osnabrück.

Während die Hamburger Ruderfans aller Alstervereine geschlossen dem Crefelder RC ihre Unsympathie gegenüber dieser unerwarteten, aber regelkonformen taktischen Maßnahme durch Buhrufe signalisierten, sprachen viele Ruder-Insider von einem mutigen und genialen Schachzug. „Diesen Schneid muss ein Achter erst einmal haben, um sich so etwas gegen den Tabellenführer in dessen eigenem Stadion zu trauen“, „dieser Coup wird für reichlich Gesprächsstoff in den Vereinen sorgen“ und „die Krefelder haben ein neues taktisches Moment eiskalt ausgenutzt, dass den Rudersport durchaus spannender, taktischer und interessanter machen kann“, waren Zitate, die man besonders oft am Ufer der „Alster-Arena“ gehört hat.

Am Ende feierten die Sieger ausgelassen auf dem flyeralarm-Siegerpodest in der stimmungsvollen Abendsonne am berühmten Jungfernstieg. Die Vorsitzenden der Alstervereine waren unisono stolz auf die Leistungen ihrer Clubs und sowohl Vertreter der Stadt, als auch des AAC waren sich einig, dass die Bundesliga in Hamburg eine absolute Bereicherung für die Sportstadt Hamburg ist. „Wir haben eine wunderbare Rudersportveranstaltung erlebt, Hamburgs Flaggschiffe haben sich mit tollen Leistungen dem Heimpublikum in der Hamburger City präsentiert und wir haben Werbung für unseren schönen Natursport gemacht“, freute sich AAC-Vorsitzender Jürgen Warner über die Premiere der RBL in der Hansestadt.

Am 14. August geht es in die 5. Etappe während des bekannten Hannoveraner Maschseefestes, welches der Bundesliga vergangene Saison immerhin 50.000 feierwütige und sportbegeisterte Zuschauer bescherte, bevor beim Saisonfinale auf dem Münsteraner Aasee am 4. September der Deutsche Ligachampion gekürt wird.

Dateien:
2010-07-24-gesamtergebnis-1.liga-frauen.pdf35 K
2010-07-24-gesamtergebnis-1.liga-maenner.pdf37 K
2010-07-24-gesamtergebnis-2.liga-maenner.pdf39 K
2010-07-24-Tagesklassementes.pdf57 K
2010-07-24-Tabellenstaende.pdf51 K