Favoritensterben in der Ruder-Bundesliga

von Thomas Bode
26.07.2010 - 00:00 Uhr

Am vergangenen Wochenende wurde auf der Hamburger Binnenalster der vierte Renntag der Ruder-Bundesliga ausgetragen. Vor einer atemberaubenden Kulisse trafen sich die besten 45 Klubachter Deutschlands im Kampf um wichtige Punkte für die Tabelle.

Rüdersdorfer Achter mit großem Rückhalt

Mit einem extra gemieteten Reisebus, der von der Sparkasse Märkisch-Oderland gesponsert wurde, starteten im Morgengrauen die rund 60 Fans ihren ereignisreichen Tagesausflug nach Hamburg. Trotz der frühen Morgenstunde war von Müdigkeit im Bus nichts zu spüren und die Stimmung war ausgelassen. Pünktlich zum ersten Start des Rüdersdorfer Achters war die Vereinsflagge gehisst und die Fangesänge hallten über die Binnenalster. Ein dritter Platz im Zeitfahren ließ die Anhänger auf einen erfolgreichen Regattatag hoffen. Die Mannschaft jedoch war noch nicht zufrieden. „Technisch war das gar nichts. Da steckt noch unglaublich viel Potential drin“ , so der Kapitän des Teams, Olympiasieger Frank Klawonn nach dem Zeitfahren.

Schock im Achtelfinale

Höchst motiviert gingen Achter und Fans in das Achtelfinale gegen Dortmund. Vielleicht etwas übermotiviert. Trotz tatkräftiger Unterstützung von Start bis Ziel funktionierte dieses Mal überhaupt nichts mehr und das, was auf keinen Fall passieren darf, passierte: eine Niederlage bescherte den Rüdersdorfern das Aus. Dortmund gewann äußerst knapp mit 40,62 Sekunden vor dem Rüdersdorfer Boot (40,66). Damit hat keiner gerechnet. Die Lucky Looser Wertung gab noch einmal Hoffnung. Die zwei Zeitschnellsten Verlierer der Achtelfinals kommen, wie die Sieger, in die weiteren Rennen um die Plätze eins bis acht. Nutzen konnte der Achter diese Chance leider nicht und unterlag Lübeck in einem ebenfalls unheimlich knappen Rennen im Viertelfinale. „So fühlt sich also ein Fußballer, wenn er einen Elfmeter verschießt“, so die treffenden Worte von Mannschaftsmitglied Benjamin Kawalle. Das Rüdersdorfer Team konnte nach dieser Niederlage jetzt nur noch Platz fünf erreichen. Auch wenn der Traum vom Podest in Hamburg plötzlich platzte, gab es immer noch Hoffnung im Kampf um den Aufstieg. So hat der bis dato drittplatzierte Achter aus München einen wirklich schlechten Tag erwischt und zeigte sich weit unter seinen Möglichkeiten Die Konkurrenten aus Hameln waren nun die Gegner im Halbfinale. Eine einfache Rechnung: Sieg gegen den Achter von der Weser und Platz drei in der Tabelle wäre zurückerobert, Niederlage und der Rückstand auf den Aufstieg wird größer. Letzteres trat leider ein. Schon wieder ein Rennen mit Photofinish. Diese Zielentscheidungen sind immer mit Glück verbunden. Mal hat mans und hat seinen Bug leicht vorn und manchmal nicht. Glück war an diesem Rennwochenende wahrscheinlich das, was die Rüdersdorfer am wenigsten hatten. Jedes Mal, wenn das Zielfoto entschied, waren es die Gegner die jubeln durften.
Nun hieß es Finale um Platz sieben. Mit jeder Menge Wut im Bauch und dem Bedürfnis, sich bei den so großartigen Fans für die Unterstützung zu bedanken, hatten die Männer mit den blau-weißen Einteilern noch einmal die Chance einen versöhnlichen Abschluss zu finden. Und da war es: diesmal hat fast alles funktioniert. Vom Start weg konnte man sich deutlich absetzen und dann mit einem endlich sauberen Rennen das zeigen was vorher permanent fehlte: einfach nur Rudern. Endlich konnten die Männer aus Rüdersdorf ihre wahre Stärke zeigen. Leider nur viel zu spät.
Woran das mittelmäßige Abschneiden nun lag wird noch zu klären sein. Eins steht zumindest fest: an fehlender Unterstützung vom Ufer kann es nicht gelegen haben. Das bemerkte auch Regatta-Sprecher Arne Simann nicht selten. Dieser unerwartete siebente Platz hat aber auch eine gute Seite, das Rüdersdorfer Team ist durch das ebenfalls nicht optimale Abschneiden vieler Favoriten nun auf Tabellenplatz vier. 
Dafür Team bedankt sich der an dieser Stelle noch einmal ganz besonders bei allen mitgereisten Fans!