JWM 2010: Rennberichte Samstag - Halbfinals

von Tanja Günder
07.08.2010 - 16:51 Uhr

Der Vormittag ist ausgefüllt mit Entscheidungen rund um die C- und D-Finals, in denen kein deutsches Boot vertreten ist. Für das deutsche Team beginnt der heutige Renntag erst um 13.30 Uhr mit den ersten Halbfinals. Alle sieben Halbfinal-Läufe finden mit deutscher Beteiligung statt, ebenso die fünf A-Finals. Strömender Regen und herbstliche Kühle begleiten die heutigen Rennen. Teilweise ist der Regen so stark, dass der Startbereich durch die Regenwand nicht mehr zu erkennen war. Die Zuschauer auf der Tribüne frieren nass vor sich hin und feuern dennoch ihre Mannschaften enthusiastisch an. Die Aktiven auf der Strecke sind nach wenigen Schlägen völlig durchnässt. Wahrlich kein großer Spaß für alle Beteiligten.

Junioren-Vierer mit Steuermann

Nach Vor- und Hoffnungslauf ist dieses Halbfinale bereits das dritte Rennen für den deutschen Vierer. Die vier Jungs mit Steuermann Lucas kommen gut aus den Startblöcken und fahren beherzt an der Spitze des Feldes mit. Hinter Italien und vor den USA läuft bis zur 1500-Meter-Marke alles nach Plan. Hier setzen alle Mannschaften schon zu einem frühen Endspurt an. Vor allem die Ukrainer auf Bahn fünf rudern nach dem Motte „Alles oder nichts“ und spurten wie im ungesteuerten Boot in Richtung Ziellinie. Sie werden auf den letzten Metern die härtesten Konkurrenten für die Deutschen. Bugspitze an Bugspitze geht es um Platz drei und damit den Platz im morgigen A-Finale. Doch die Ukrainer sind heute einfach stärker und verweisen Deutschland auf Platz vier. Somit rudert der Vierer-mit morgen im B-Finale um Platz sieben. Das sollte ein erreichbares Ziel sein.

Juniorinnen-Einer

Gleich im ersten Halbfinale tritt Judith Sievers auf der Mittelbahn an. Mit dabei auch Annick Taselaar aus den Niederlanden, die Anfang Mai in München für die einzige Niederlage von Judith sorgte. Doch heute startet Judith offensiver und bleibt vom Start weg dran. Nach 600 Metern übernimmt sie die Führung und liegt zwischenzeitlich mehrere Längen vor ihren Gegnerinnen. Auf den letzten 300 Metern dreht dann aber die Griechin enorm auf und rudert sich noch einmal bis auf eine halbe Länge an Judith heran. Doch die deutsche Skullerin bleibt cool und erhöht einfach den Druck. So gelingt es ihr, ihre Bugspitze immer in Führung zu halten.  Knapp aber vor der Griechin überquert sie die Ziellinie und sichert sich damit die Mittelbahn für das Finale morgen. Die Art und Weise wie Judith dieses Halbfinale gewonnen hat, lässt durchaus Goldhoffnungen für morgen zu.

Junioren-Einer

Die geballte Siegerfaust von Felix Bach ist im Ziel zu sehen. Wenige Augenblicke zuvor fuhr er 2000 Meter lang seinen Kontrahenten davon. Die Ruderer aus Irland, USA, Tschechien, Estland und Kroatien haben von Anfang an wenig Chancen auf den Sieg, zu stark tritt Felix in diesem Halbfinale auf. Durch Felix’ hohes Tempo zieht sich das Feld über die Strecke auch recht weit auseinander, im Ziel trennen den Sieger und die Platzierten bis zu 150 Meter. Um dieses Rennen so zu gestalten erhöht Felix heute auch die Schlagzahl und zieht somit verdient als Favorit auf den Titel ins A-Finale ein.

Junioren-Zweier

Bodo Schacher und Tobias Oppermann bekommen es in ihrem Lauf mit den Booten aus Ungarn, Bulgarien, der Türkei, Aserbaidschan und Kroatien zu tun. Die beiden Deutschen verlassen die Startzone als Führende und verteidigen diese Position bis zur Streckenhälfte. Vier Boote sind es nach 1000 Metern, die noch aussichtsreich im Rennen liegen, nämlich Deutschland, die Türkei, Aserbaidschan und Bulgarien. Die Entscheidung fällt in der zweiten Hälfte des Rennens. Das türkische Boot kann dem hohen Tempo nicht mehr folgen  und fällt zurück. Dafür setzen die Aserbaidschaner und die Bulgaren das deutsche Duo mächtig unter Druck. Vor allem die Aserbaidschaner bestechen durch lange druckvolle Schläge und ziehen auf den letzten 500 Metern an den Deutschen vorbei. Eine Länge dahinter sichert der deutsche Zweier Platz zwei und damit die Finalteilnahme vor den Bulgaren. Im Rennen um die Medaillen sollte der deutsche Zweier ein Wörtchen mitzureden haben.

Juniorinnnen-Doppelzweier

Nach dem Sieg im Hoffnungslauf starten die zwei deutschen Mädels hoch motiviert in ihr Halbfinale. Gemeinsam mit Italien bewältigen Saskia Nitzschke und Shirin Brockmann das Renen an der Spitze des Feldes. 500 Meter vor dem Ziel greifen die Rumäninnen auf der Nebenbahn an und spurten an das deutsche Boot heran. In ihrem Fahrwasser ziehen auch die Französinnen mit, so dass drei Boote um die Plätze zwei und drei kämpfen. Italien behauptet die Führungsposition, doch dahinter sind die drei Boote Bug an Bug. Die letzten Schläge werden zäh im deutschen Boot, aber die beiden Ruderinnen beißen sich am Finalplatz fest und sichern sich auf der Ziellinie den zweiten Rang. Im Finale heißt es, noch mal alle Kräfte zu mobilisieren, dann sollte eine Medaille greifbar sein.

Junioren-Doppelzweier

Souverän waren die Auftritte von Timo Piontek und Stefan Riemekasten in den bisherigen Vorentscheidungen. Im Halbfinale gegen Ungarn, Slowenien, Frankreich, Griechenland und die Schweiz wird es heute schon ernster. Doch die Mischung aus Kraft und Spritzigkeit rudert ihren Weg unbeirrt weiter, übernimmt schon früh die Führung und gestaltet das Halbfinale nach ihren Spielregeln. Ihnen auf den Fersen bleiben Ungarn und Frankreich, doch spätestens nach 1500 Metern gibt es keinen Zweifel mehr am deutschen Halbfinal-Sieg. Im Endspurt muss das deutsche Team nicht alle Karten auf den Tisch legen und beendet das Rennen kontrolliert. Zwei offene Bootslängen vor Frankreich überqueren Stefan und Timo die Ziellinie und rudern sich damit in die Favoritenrolle für das Finale.

Junior-Doppelvierer

Im letzten aller Halbfinale trifft der deutsche Doppelvierer auf Griechenland, Russland, Großbritannien, Polen und die Ukraine. Patrick Leineweber, Dennis Sittel, Ruben Steinhardt, und Florian Eidam lassen ihren Gegnern keine Chance auf den Sieg. Auf der ersten Streckenhälfte schieben sie ihre Bugspitze in Führung vor die der Briten und die der Polen. Diese Führung bauen sie konsequent aus. Das Quartett errudert sich so viel Vorsprung, dass es auf den letzten 500 Metern nicht an seine Grenzen gehen muss, um sich den Sieg und damit die Mittelbahn im Finale zu sichern. In der direkten Auseinandersetzung mit dem italienischen Doppelvierer wird sich im Finale zeigen, wer den längsten Atem auf dem Weg zur Goldmedaille hat.