RBL-Gesamtsieg 2010 für den Hamburger Alsterachter/Zweiter Platz für den Der Hamburger und Germania RC

von Christian Ulrich
07.09.2010 - 16:05 Uhr
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Hamburger Damen gewinnen vor Krefeld/DHuGRC Herren holen sich in Münster den Tagessieg und sichern im Gesamtklassement den 2. Rang

Spannender hätte eine letzte Saisonetappe kaum sein können. Von Platz 1 bis 4 war eigentlich alles möglich für den Alsterachter. In der Tabelle lagen die Frauen aus Hamburg auf Platz 2, nur einen Punkt vor Berlin auf Platz drei und einen Punkt hinter Krefeld an der Tabellenspitze. Am Ende gelang den Frauen nicht nur der Etappensieg, sondern damit auch der Gewinn der Gesamtwertung.

Dabei hatte so manch einer nicht mehr mit den Hamburgerinnen gerechnet. Sie waren zwar als Titelverteidiger in die Saison gestartet und konnten auch die ersten beiden Etappen gewinnen. Doch dann folgten ein zweiter, ein dritter und ein fünfter Platz und damit der Verlust der Tabellenführung. "Im Nachhinein war das natürlich gar nicht so schlecht, denn das hat die Liga sehr spannend gemacht - aber uns ging das natürlich auch an die Nerven", resümiert Pressesprecherin Juliane Möcklinghoff. Doch die Hamburgerinnen bewiesen Nervenstärke und trumpften am letzten Saisontag in Münster noch einmal richtig auf. Vom Vorlauf bis zum Finale konnten sie jedes Rennen souverän für sich entscheiden - am Ende lagen sie sogar fast eine Bootslänge vor der starken Konkurrenz aus Krefeld. "Diesmal hat wirklich alles gepasst - wir sind in jedes Rennen hochkonzentriert gegangen - da hat es immer mehr Spaß gemacht, zu zeigen, dass wir doch wieder vorne fahren können", freut sich Schlagfrau und Teamchefin Sina Ingber. Entscheidend dafür, dass alles passte, waren mehrere Faktoren: Unter anderem konnten sie auf geballte Trainerkompetenz zurückgreifen. Hatte in den ersten Ligawochen noch Ralf Bockelmann die Damen alleine betreut, wurde er zum Ende der Saison noch von seinem Kollegen Michael Spörke unterstützt. Hinzu kam, dass diesmal der Fokus der Vorbereitung ausschließlich auf der Sprintdistanz lag (zuvor hatten die Studentinnen an Bord sich noch auf die 2000Meter-Europameisterschaft vorbereitet). "Am Ende war es einfach toll, dass wir uns selbst nochmal so ein schönes Geschenk gemacht haben. Die Rennen in Münster haben einfach nur Spaß gemacht - auch, aber nicht nur, weil wir gewonnen haben", blicken die Ruderinnen zurück.

Die Saison ist mit dem Sieg in der Bundesliga aber noch lange nicht vorbei. Jetzt wollen die Frauen noch bei der Norddeutschen Meisterschaft und bei der Sprintmeisterschaft antreten - nicht nur im Achter sondern auch in kleineren Bootsklassen.

Vom ersten Rennen an lief es ebenfalls für die Herren des Der Hamburger und Germania RC richtig rund. Platz 3 im Zeitfahren hinter dem Lokalmatador aus Münster und dem Crefelder RC verhieß eine gute Ausgangsbasis für die Zwischenläufen, die klar genutzt wurde. Das Achtelfinale wurde souverän gewonnen und im anschließenden Viertelfinale konnte unter anderem dem Achter vom RV Münster gezeigt werden, dass sich die Hamburger mit nichts geringerem als dem Sieg in jedem Rennen der Regatta zufrieden geben würden.

Durch eine souveräne Mannschaftsleistung wurden die Ergebnisse der Zwischenläufe dann auch ins Halbfinale übertragen. Als Joker konnte Coach Ralf Bockelmann dabei noch Ole, Kai und Martin Rückbrodt sowie Darg Ingber einsetzen, um für die wichtigsten Rennen des Tages frisches Blut und geballte Ruderkompetenz ins Boot zu bringen. Das Halbfinale gegen Leverkusen/Essen verlief dann auch wie geplant als echte Machtdemonstration: Die Crew um Schlagmann Richard Nagel führte im Ziel mit einem guten Luftkasten Vorsprung – für die Sprintdistanz also ein üppiger Abstand zum Gegner. Das zweite Halbfinale mit Münster und Krefeld war hingegen alles andere als eindeutig. Bis auf die Tausendstelsekunde gleichzeitig kamen beide Teams über die Ziellinie und das Rennen musste als „totes Rennen“ gewertet werden. Laut Regelwerk musste dieses Rennen sofort wiederholt werden, wie auch Regattasprecher Arne Siemann sofort anmerkte. Das Schiedsrichterteam entschied dennoch für eine Sonderlösung und die Durchführung eines Finales mit vier Booten – sportlich sicherlich eine sehr faire Entscheidung. Dieses Viererfinale ging dann auch für die Hamburger perfekt aus: Platz 1 für den DHuGRC, Platz 2 für Münster (+0.6 sec), Platz 3 für Krefeld (+0.97 sec) und Platz 4 für Essen/Leverkusen (+1.9 sec).

Nach einer Saison, in der nicht immer alles rund lief war diese letzte RBL-Regatta in Münster ein guter und sehr versöhnlicher Abschluss für die Männer vom Club. Platz 2 in der Gesamtwertung aus dem Vorjahr zu halten war längst nicht selbstverständlich. Dass sich die Herren bei zwei Regatten den 9. Platz leisten konnten, ohne in der Tabelle durchgereicht zu werden, spricht für eine gute Mannschaftsleistungsfähigkeit, die manchen anderen RBL-Teams auch im zweiten Jahr noch fehlt.

Die Ruder-Bundesliga blickt jetzt auf zwei Saisons zurück. Die perfekt durchgeführte Abschlussregatte in Münster hat gezeigt, dass es im Rahmen der RBL möglich ist, publikumswirksame und emotionsgeladene Wettbewerbe auf sportlich hohem Niveau durchzuführen. Führt man sich vor Augen, dass es dieses Regattaformat vor zwei Jahren noch nicht gegeben hat, ist es umso beeindruckender, was die Veranstalter und die beteiligten Teams auf die Beine gestellt haben. Ein hohes, sehr homogenes Leistungsbild in den ersten Ligen, gut besuchte Regatten und eine gelungene Weiterentwicklung des Unterhaltungsprogramms haben die Saison 2010 geprägt. Die Ruder-Bundesliga ist damit nahe an ihre sehr hoch gesteckten Ziele herangekommen. Für die kommen Saison bleibt zu hoffen, dass insbesondere der sportliche Teil der Veranstaltungen perfektioniert wird; bestehende Regeln, wie das Finale in Münster, spontan zu ändern ist z.B. sehr fragwürdig, sei es auch im Namen der sportlichen Fairness.