Vereinsservice im Deutschen Ruderverband
Das Ressort Vereinsservice ist ein Angebot des DRV an die Vereine, Fragen zu vereinsspezifischen Themen zu beantworten und Anregungen aus der Basis aufzunehmen und im Verband zu thematisieren. Die Hauptschwerpunkte sind aktuell das Handicaprudern, der Gesundheitssport Rudern sowie die Qualität in Sportverbänden. Die Themen sind ressortübergreifend und bringen den Verband zukunftsweisend und strategisch nach vorn.
1. Bereich Vereinsservice
Zunächst wollte ich wissen, was die Vereine unter Vereinsservice verstehen. Dazu wurde im Rahmen einer Masterarbeit ein Fragebogen zu Themen im DRV erarbeitet und in 2008 alle Vereinsvorsitzenden um Antworten gebeten.
Es zeigte sich, dass unter Vereinsservice eine Antwortstelle zu allen Fragen der Vereine verstanden wird. Das wurde bisher und wird auch weiterhin sehr gut über die Geschäftsstelle abgedeckt. Sie beantwortet direkt oder recherchiert selbst mit besten Kräften.
Neu erstellt wurden die "FAQ - Fragen, Antworten, Quintessenzen" im Internet zum Vereinsservice, die auf häufige Fragen erste Antworten und weiterführende Hinweise geben. Standardanfragen können so auch unabhängig von den Arbeitszeiten der Geschäftsstelle beantwortet werden.
Aus der Fragebogenaktion ergaben sich weitere Aufgabenpakete, die vom Vorstand bewertet wurden und in den entsprechenden Ressorts weiterbearbeitet werden, wie bspw. Verbesserungen im Leistungssport und in der Öffentlichkeitsarbeit.
2. Bereich Handicaprudern
Das Handicaprudern hat im DRV eine turbulente Zeit hinter sich. Seit vielen Jahren ist das Handicaprudern in Deutschland Teil der Ruderszene. Im Rennrudern ist es der Öffentlichkeit bekannter als im Breitensport, wo es in einzelnen Vereinen unterstützt und von persönlich Engagierten betrieben wird. Nach einem ersten Treffen aller bisher im Handicaprudern Beteiligten im Januar 2009 und der ersten Herbstsitzung im gleichen Jahr gelang es, eine verbindliche Struktur aufzubauen, in der die beteiligten Ressorts mit dem jeweiligen Vorsitzenden sowie Koordinator für das Handicaprudern vertreten sind. Die Ansprechpartner sind nun untereinander bekannt, wissen um ihre Aufgaben und agieren gemeinsam, um das Handicaprudern in Deutschland zu festigen. Es gibt für den Leistungssport jeweils einen festen Ansprechpartner im DRV für die Trainer sowie zum Deutschen Behinderten Sportbund (DBS). Für den Breitensport haben wir eine sehr aktive Koordinatorin benannt, die als Ansprechpartnerin für Breitensportregatten und Wanderfahrten in der Szene bekannt ist. Im Ressort Bildung und Wissenschaft wurde für den Trainer C-Lehrgang ein umfassendes Theoriekonzept erarbeitet, um angehende Trainer mit dem Thema Handicaprudern überhaupt einmal in Kontakt zu bringen und Berührungsängste abzubauen. Dieses Konzept ist jetzt fester Bestandteil aller Trainer C-Lehrgänge. Die Grundlagen sind auf einer CD für die Lehrgangsleiter kostenlos zu erhalten.
Hier ist der DRV durch den Vereinsservice mit einem runden Paket auf einem sehr guten Weg. Es wird erstmals über Ressortgrenzen miteinander kommuniziert und es finden regelmäßige Abstimmungen statt.
Die Herbstsitzung mit den Koordinatoren im Handicaprudern für 2010 ist in Vorbereitung.
3. Bereich Gesundheit im Rudersport
Gesundheit ist ein Kernkomplex der Zukunft, der neben dem Leistungs- und Breitensport in Ruderdeutschland gleichberechtigt zu etablieren ist. Gesundheit und Fitness sind hochaktuelle Aufgabenbereiche für die Mitgliederbindung in den Vereinen. Das Thema muss vom DRV stärker verfolgt und mit Konzepten gestützt werden als bisher.
* Das Siegel "Sport pro Gesundheit" des DOSB
Der Nutzen, die Verpflichtungen und der Aufwand, das Siegel für den DRV zu erwerben wurden herausgearbeitet.
Der DRV kann sich für das Siegel für ein Präventionsprogramm "Rudern" zertifizieren lassen. Hierzu sind Bedingungen vom DRV zu erfüllen, die auf den Internetseiten des DOSB ausführlich beschrieben sind. Dr. Danzglock hat sie im Rudersportheft 6/2010 zusätzlich aufgeführt. Hat der DRV das Siegel erworben, ist er befugt, es an diejenigen Vereine zu vergeben, die ebenfalls die geforderten Bedingungen erfüllen.
Vorteil für die Vereine ist, dass sie für jeden Kurs über die Teilnehmer von den Krankenkassen einen bestimmten Betrag in Euro erhalten.
Um das Siegel folglich an die Vereine vergeben zu können müsste der DRV erstens ein eigenes ruderspezifisches Programm ausarbeiten und zweitens die strukturellen Bedingungen im Hauptamt erfüllen.
Beide Punkte stehen für den DRV bisher nicht im Fokus.
Für viele Vereine besteht jedoch jetzt bereits ein akuter Bedarf nach dem Siegel "Sport pro Gesundheit". Für diese besteht die folgende Möglichkeit:
Die Landessportbünde (LSB) haben sich für unterschiedliche Präventivprogramme beim DOSB mit dem Siegel zertifiziert. Bei den jeweiligen Landessportbünden kann für diese Programme von allen Mitgliedsvereinen, also auch Rudervereinen, das Siegel beantragt werden. Das hat zwar im allgemeinen nichts mit dem Rudern zu tun, jedoch bpsw. für rückenstärkende Maßnahmen, die auch viele Rudervereine jetzt schon für ihre Mitglieder anbieten, ist das Siegel bei Erfüllung der Bedingungen zu erhalten. Für die Vereine heißt das, dass hier potentielle Mitglieder den Verein kennenlernen und sich für das Rudern sowie eine Vereinsbindung über den Gesundheitssport hinaus interessieren.
Das Siegel des DOSB ist folglich die einzige Möglichkeit für den DRV und die Vereine, qualitativ hochwertig Gesundheitssport im Rudern zu etablieren.
4. Bereich Qualität in Sportverbänden
Dieses Projekt wird an der Universität Jena am Institut für Sportwissenschaft im Rahmen einer Doktorarbeit durchgeführt, die vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) in Bonn gefördert wird. Der DRV sowie vier weitere Spitzensportverbände sind Teilnehmer und geben mithilfe von Interviews Auskunft über die bestehenden Strukturen im Haupt- und Ehrenamt, im Leistungs- und im Breitensport. Es geht darum, die in der Wirtschaft bekannten Qualitätsstandards auf Sportverbände anzupassen, zu übertragen und weiterzuentwickeln.
Der Vereinsservice koordiniert die Tätigkeiten innerhalb des DRV und stimmt sie mit der Projektleitung ab. Wir erwarten, mit diesem Projekt eine Entscheidungsgrundlage in bezug auf die Einführung eines Qualitätsmanagements im DRV zu erhalten.
Das Ende des Projekts ist für Mitte 2011 avisier.
Diese drei Projekte zeigen die Vielschichtigkeit, mit denen ein Verband noch zu tun hat, wenn nicht von klaren und bisher bekannten Aufgabengebieten wie Finanzen, Leistungssport, usw. gesprochen wird.
Das Ressort Vereinsservice zeigt sich also als Innovationsgebiet, das neue Bereiche identifiziert, auslotet und in die bestehende Verbandsstruktur einbringt. Wie eine Vorentwicklung werden hier Themen aufgegriffen, geprüft und - wenn für gut befunden - auf den Weg gebracht, wenn sie für den Verband und damit Ruderdeutschland umsetzbar, vernünftig und zukunftsweisend sind.
Eine neue Bezeichnung für das bisherige Ressort Vereinsservice, der diese Aktivitäten abbildet, ist notwendig.

