WM 2010: Munski/Adamski qualifizieren sich für "Zweier-mit"
Max Munski, der Lübecker U23-Weltmeister im Achter, fand im US-Trainingslager Zeit für ein Interview mit der flyeralarm Ruder-Bundesliga und erzählt über das Ausscheidungsrennen, das „Wassertaxi“ Zweier-mit, die Straßen von San Francisco und Thrombosespritzen im Flugzeug
RBL: Max, Herzlichen Glückwunsch zum WM-Ticket. Wie kommt es, dass Du jetzt doch noch einen WM-Startplatz ergattert hast?
Munski: Danke, wir sind selbst noch ganz begeistert. Eigentlich bin ich ja sowieso nur als Ersatzmann nachnominiert worden. Seit den Europameisterschaften fahre ich mit dem Mannheimer Filip Adamski im Zweier, der letztes Jahr Weltmeister mit dem Deutschlandachter geworden ist. Und Bundestrainer Hartmut Buschbacher hat im Vorfeld angekündigt, dass wir in Sacramento ein Ausscheidungsrennen mit drei Zweiern fahren, um zu klären, wer den Zweier-ohne, wer den Zweier-mit fährt und wer Ersatz ist.
RBL: Wie war dann der Rennverlauf für Euch?
Munski: Insgesamt haben wir ja erst hier in den USA angefangen strukturiert Zweier zu fahren und unsere Ruderstile aneinander anzupassen. Dann sind wir das Rennen letzte Woche voll aus dem Training heraus gefahren und auch sehr gut rausgekommen. Der Streckenschlag lief sehr gut zusammen und wir haben zur Hälfte bei 1000 Metern eine gute Länge Vorsprung gehabt. Bei 1250 Meter sind wir allerdings etwas aus dem Rhythmus gekommen und konnten die Erschöpfung nicht mehr so gut kompensieren. Am Ende mussten wir die Überraschungskombination mit Skullersatzmann Eric Johannesen (Bergedorf) und Andreas Kuffner (Berliner RC) ziehen lassen, die sich damit das Ticket für den ungesteuerten Zweier gesichert haben. Wir konnten jedoch den dritten Zweier mit Neumann/Nahruhn (Magdeburg/Halle) auf Platz drei verweisen und sind glücklich über die Nominierung für den nichtolympischen Zweier mit Steuermann.
RBL: Ist es ein Vorteil im vergleichsweise nostalgischen „Wassertaxi“ Zweier-mit auf der WM in Neuseeland anzutreten?
Munski: Auf jeden Fall. Ein aktiver Startplatz bei einer Weltmeisterschaft bringt schon einmal unheimlich viel Erfahrung für die nächsten Jahre. Und wenn wir uns ranhalten können wir sicherlich auch um Edelmetall mitrudern. Das ist zumindest unser Anspruch. Tendenziell ist es leichter im Zweier-mit eine Medaille zu gewinnen, als im Zweier-ohne.
RBL: Insbesondere Ihr beiden seid mit drahtigen 85 kg (Filip) bzw. 88 kg (Max) ja nicht die lehrbuchmäßigen Zweier-mit-„Bulliden“. Stellt das ein Problem für Euch dar?
Munski: Ja, wir sind in der Tat nicht so die Brecher, aber wir können das Boot auch mit Gefühl schnell machen und die fehlende Körpermasse mit Dynamik, Technik und Feingefühl wettmachen. Kraft ist genügend da, um die zusätzlichen 55kg unseres Steuermanns Albert Kowert über die 2000 Meter-Distanz zu ziehen. Und wir haben uns natürlich ausgiebig informiert. Wer einen schnellen Zweier-ohne fahren kann, kann auch den Zweier-mit flottbekommen. Und genau das ist unser Ziel.
RBL: Seid Ihr denn schon mal im sogenannten „Wassertaxi“ aufs Wasser gegangen?
Munski: Nein, bisher noch nicht. Hier in Sacramento trainieren wir weiterhin im Zweier ohne Steuermann. Unser Boot ist per Überseecontainer direkt unterwegs nach Neuseeland, genau wie unser Steuermann Albert Kowert, der natürlich nicht im Container, sondern im Flieger direkt anreist.
RBL: Stellen die langen Flugreisen Probleme für Euch dar?
Munski: Richtig viel Spaß machen die langen Touren natürlich nicht, aber besonders problematisch sind sie auch nicht. Wir haben gelernt uns selbst Thrombosespritzen zu geben, so dass wir durch die lange Sitzerei keine Blutgerinnsel entwickeln. Diesen Freitag geht es übrigens schon wieder weiter. Abends um 20 Uhr Ortszeit fliegen wir von San Francisco 13 Stunden über Nacht nach Neuseeland.
RBL: Wie ist das Trainingslager sonst für Euch gelaufen? Habt Ihr innerhalb des 70-köpfigen DRV-Trosses schon einen Lagerkoller entwickelt?
Munski: Nein, einen Lagerkoller haben wir glücklicherweise noch nicht. Ich bin mit meinem Schlagmann Filip auf einem Doppelzimmer in einem sehr guten Hotel und wir sind trotz Belastungen und Klimaanlagen gesund geblieben und haben sogar mal im Deutschlandachter im Training ausgeholfen. Das Rahmenprogramm ist hier auch sehr gut. Wir haben ein Outlet Store zum Shoppen direkt nebenan und auch Tagesausflüge nach San Francisco sind sehr attraktiv.
Zudem ist hier Sommer mit Temperaturen um die 30 Grad Celsius und die klassischen Touristenpunkte wie Golden Gate Bridge, Alcatraz, Cablecar fahren in den Straßen von San Francisco und der Besuch eines typisch US Football-Spiels mit Volksfestcharakter sind eine sinnvolle Abwechslung zu den täglichen Einheiten.
RBL: Wie bist Du insgesamt im Kreise der A-Nationalmannschaft aufgenommen worden?
Munski: Ach, das hat wunderbar geklappt. Die meisten kenne ich ja alle aus der Saison oder den vergangenen Jahren und ich bin da sehr gut aufgenommen worden und fühle mich als Teil der Gruppe.
RBL: Hast Du denn schon Heimweh nach Schleswig-Holstein und Freundin Kathrein?
Munski: Ja, also diese Saison ist mit U23-WM, Europameisterschaft und WM in Neuseeland schon ungewöhnlich lang, aber eben auch eine tolle Chance. Und da bin ich natürlich froh, dass meine Freundin Kathrein als ehemalige U19-WM-Ruderin großes Verständnis für den Rudersport mitbringt. Außerdem können wir via Skype ja wunderbar telefonieren. Ich muss immer nur aufpassen, dass alle anderen deutschen Sportler nicht auch gleichzeitig im Internet sind, sonst wird die Leitung schon mal sehr schwach, aber mittlerweile hat das Hotel das ganz gut im Griff. In den ersten Tagen hab ich auch mal direkt über das Hoteltelefon telefoniert, da haben mich dann 90 min gleich 100 Dollar gekostet und seitdem bin ich dann doch auf Skype umgestiegen. Aber das Gespräch hat sich auch gelohnt.
RBL: Lieber Max, vielen Dank für dieses Gespräch und Euch „Dreien“ viel Erfolg auf der WM!
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