Wanderruderregatta in Finnland

von Rüdiger Fraatz, ARV Hanseat
26.11.2010 - 00:00 Uhr

Die Karelia-Regatta ist die älteste Wanderruderregatta in Finnland. Sie findet seit 25 Jahren statt und hat jedes Jahr über 2000 Teilnehmer. Die Route verläuft durch die Seenlandschaft des nordkarelischen Seengebiets.

Die Karelia-Regatta dauert eine Woche. Sie ist offen für alle Interessenten und ist kein Wettkampf. Die komplette Versorgung wird von den Veranstaltern organisiert, sodass die Ruderer sich aufs Rudern konzentrieren und die schönen Landschaften voll genießen können. Jede Tagesfahrt ist in kleinere Abschnitte geteilt, die einige Stunden dauern. In den Pausen werden Mahlzeiten und andere Erfrischungen von Dorfvereinen oder Unternehmern serviert. In den Übernachtungsunterkünften stehen Saunen zur Verfügung. Abends gibt es Tanz und ein buntes Programm. Alle Teilnehmer der Hamburger Gruppe lobten die Organisation!

Rudern ist in folgenden Kombinationen möglich: einzeln, zu zweit, als Familie oder als Team. Es sind zwei verschiedene Routen, eine für kleine Ruderboote (Ilomantsi-Liperi, 249 km) und eine für die sog. Kirchboote (Lieksa-Liperi, 205 km), die eine Mannschaft von 14 Ruderern und einem Steuermann erfordern.

Wir waren nach 2007 zum zweiten Mal mit einer Mannschaft dabei und wurden schon fast wie Freunde aufgenommen. Die Finnen freuen sich über auswärtigen Besuch und helfen, wo sie können. Immer wieder gab es Kontakte zwischen den Booten, da doch viele ältere Finnen in der Schule Deutsch gelernt haben. Das Rudern im Kirchboot als solches macht Spaß und in der Gesellschaft der noch viel mehr. Die beiden Schleusen mit neun und zwölf Metern Hub waren Höhepunkte, die zweiunddreißig Boote lagen in Kurna dicht an dicht. Als Probleme mit dem Wetter auftraten und die Kirchboote bei seitlichem Wellengang Wasser übernahmen wurde die Fahrt abgebrochen und die Boote zum nächsten Startpunkt gebracht, während sich die Teilnehmer beim restlichen Programm (Essen, Musik, Sauna) vergnügten.

Es lohnt sich mitzumachen. Da die Teilnehmerzahl so offen ist, kann man vorweg im Rahmen eines Urlaubs einzelne Abschnitte und das ganze Drumherum schon mal mit erleben, bevor man die Fahrt für eine ganze Mannschaft in die Wege leitet.

Unsere Kosten vor Ort mit Boot, Versicherung, Verpflegung, DZ in einfachen Hotels mit einem Verlängerungstag auf 595,00 €

Der Startort Lieksa ist von Helsinki aus gut mit der Bahn zu erreichen.

Am 26. Juli 2010 ging die Fahrt los. Wir – siebzehn Ruderinnen und Ruderer aus Norddeutschland - trafen uns abends im Hotel Puustelli in Lieksa, wo wir die ersten beiden Tage wohnen würden. Das Hotel liegt direkt am Wasser, was bei hochsommerlichen Temperaturen sofort zum Baden einlud. Am Strand lagen auch schon die ersten Kirchboote bereit, eines davon, die Nummer 40, stellte sich als unseres heraus. Den Abend nutzten wir, um uns erst einmal kennen zu lernen. Unser „Team Rüdiger“, wurde so genannt nach unserem Fahrtenleiter Rüdiger Fraatz vom ARV Hanseat.

Am Abend wurde es dann ernst. Drei Boote lagen am Start, laut Programm sollten wir einmal um die Insel Mönninsaari fahren, eine Tour von etwa 18 km. Inzwischen war aber offenbar das Programm geändert worden, denn mitten auf dem See lag ein Boot als Wendemarke, und nach einer halben Stunde waren wir schon wieder im Ziel. Es folgte die Siegerehrung, bei der wir jeder einen kleinen Pokal für den dritten Platz bekamen.

Die erste Etappe führte uns hinaus auf den Pielinen und nach Vuonislahti. Dort erwartete uns auf einem Campingplatz eine Kaffeepause mit Kuchen. Zum Mittagessen ging es weiter nach Kelvänsaari, einer Insel im Pielinen. Dort machten wir in einer Siedlung Pause, die sehr an ein Freilichtmuseum erinnerte. Es war sehr gemütlich, die Badestelle lud zum Erfrischen ein, doch es blieb noch eine weitere Etappe unter sengender Sonne bis zu unserem Tagesziel Haapalahti, das nach insgesamt 50 km erreicht war. Wie wir erfuhren, war es mit 37,2° Celsius der heißeste Tag, der in Finnland je gemessen wurde. In Haapalahti wurden, wie an jedem Tagesziel, die Namen aller ankommenden Mannschaften verlesen.

Die Unterkunft in Haapalahti hatte viel Ähnlichkeit mit Astrid Lindgrens Bullerbü. Unsere gesamte Mannschaft war in einem Holzhaus mit mehreren Doppelzimmern untergebracht, in der Mitte des Hauses gab es eine Küche mit Aufenthaltsraum, und die Zimmer waren skandinavisch gemütlich eingerichtet. Abends gab es auf einer Terrasse am See Live-Musik zum Tanzen.

Die nächste Etappe von Eno nach Jakokoski enthielt die erste Schleuse. Da alle Boote zusammen geschleust werden sollten, mussten wir eine Weile warten, bis alle an der Schleuse angekommen waren. Dann ging es neun Meter in die Tiefe und von dort weiter zum Museumskanal von Jakokoski. Dort gibt es ein kleines Museum und ein paar alte Schiffe zu sehen.

Am 30. Juli wurden wir morgens mit dem Bus abgeholt, der alle Teilnehmer, die nun in Joensuu wohnten, wieder nach Jakokoski brachte. Diese Tour wurde von einem breiten Teilnehmerfeld bestritten, insgesamt waren 32 Boote unterwegs. Hatten wir bislang hauptsächlich große Seen befahren, waren wir nun auf breiteren Flüssen unterwegs. Auch hier sahen wir jedoch hauptsächlich Bäume am Ufer, die gesamte Gegend ist nur sehr spärlich besiedelt. Da wir keinen Landdienst benötigten, konnten wir zwei Ruderer an eine Mannschaft abgeben, die unterbesetzt war.

Unterwegs gab es wieder eine kleine Pause, und vor dem Mittagessen stand eine weitere Schleuse auf dem Programm, dieses Mal mit einem Höhenunterschied von 12 Metern. Wieder waren bei guter Stimmung alle gemeinsam in der Schleuse.

Nach dem Mittagessen gab es auf der letzten Etappe eine Langstreckenregatta über 10 km, die Teilnahme daran war jedoch nicht verpflichtend. Wir beließen es bei unserem bereits gewonnenen Pokal und absolvierten die Strecke in aller Ruhe. Ziel war Joensuu, so dass wir nach dem Essen zu Fuß ins Hotel zurücklaufen konnten. Wir wurden von Jana der finnischen Organisatorin und Sirpa empfangen, die uns mit Kuchen und Beerenwein begrüßte.

Am nächsten Morgen waren nur noch acht Boote am Start, wenn auch nicht dieselben acht, mit denen wir angefangen hatten. Der Wind, der am Vorabend schon aufgekommen war, machte uns zwar einige Sorgen, doch anfangs war es noch nicht so schlimm. Wir kamen zügig voran, bis wir kurz hinter Joensuu auf den Pyhäselkä hinausfuhren. Der Wind kam von vorn, die Wellen auch, und entgegen aller früheren Aussagen sind Kirchboote sehr wohl in der Lage, eine Menge Wasser zu übernehmen. Schnell wurde klar, dass wir ohne Schöpfen nicht lange klarkommen würden. Also wurde eine Reihe dauerhaft zum Schöpfen eingeteilt. Immer, wenn der Wasserstand ein erträgliches Maß erreicht hatte, kam eine neue große Welle, durchnässte den nächstsitzenden Ruderer und brachte neues Treibgut aus den Tiefen des Bootes zum Vorschein.

Die Veranstalter zogen sich zur Beratung zurück und entschieden dann, die Tour hier abzubrechen. Wer wollte, konnte mit dem Bus zurück nach Joensuu zurückfahren, die übrigen wurden nach Rääkkylä gebracht, dem eigentlichen Tagesziel. Dort warteten das Abendessen, die obligatorische Sauna und ein buntes Programm auf uns, schließlich war es der letzte gemeinsame Abend. Es waren ein paar Spiele vorbereitet worden, die mit finnischen und deutschen Teams zu bewältigen waren. Hinterher gab es auch für uns einen Bus nach Joensuu.

Am letzten Morgen wurden wir wieder vom Bus abgeholt und nach Rääkkylä gefahren. Dabei konnten wir schon mal einen Blick auf unser Ruderrevier werfen und feststellen, dass die Wetterlage voraussichtlich deutlich besser werden würde als am Vortag.

Zwischenstation war Liperinsalo, dann ging es auf die letzte Etappe nach Liperi. Viel zu schnell war der Rudertag vorbei. In Liperi verließen wir das Boot, ungewohnt war, dass eine Wanderfahrt nicht damit endete, das Boot erst einmal gründlich zu putzen. So blieb nur noch die Siegerehrung, bei der wir unsere Ruderdiplome erhielten, die beschreiben, welche Leistung wir auf Flüssen, Seen und in Schleusen zusammen mit vielen anderen erbracht haben.

Julia Johansson, Hamburger Ruderinnen

Rüdiger Fraatz, ARV Hanseat