Rudersymposium 2010 - Konsequenter Athleten ernst nehmen

Das Organisationsteam des Rudersymposiums 2010: Rolf M. Kilzer, Volker Grabow und Ulrich Hartmann (von links)

Im Audimax der TU Dortmund

Rolf M. Kilzer moderierte u. a. bei der Eröffnung

Prof. Dr. Henry Schulz (Universität Chemnitz) zum Thema „Regeneration und mögliche Determinanten im Leistungssport“

Kabarettistische Einlage mit Willi Knebel

Gute Stimmung beim Dortmunder Abend mit Currywurst satt

Die Podiumsdiskussion „Auf dem Weg nach London 2012“ (alle Fotos: A. König)
Über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet waren beim Rudersymposium in Dortmund vom 3. bis 5. Dezember 2010 dabei. Auch Gäste aus den Niederlanden, Dänemark und Polen nahmen daran teil. Mit dieser siebten Veranstaltung wurde die erfolgreiche Reihe, zuletzt 2006 in Berlin, fortgeführt.
Das Rudersymposium gehört mit den Aus- und Fortbildungen sowie dem Leistungssportsymposium im olympischen Zyklus zu den Angeboten des Fachressorts Bildung, Wissenschaft und Forschung. Es ist ein Forum für alle Interessierten des Rudersports.
Mit der Technischen Universität Dortmund und dem Institut für Sport und Sportwissenschaft der TU Dortmund ist genau der richtige Ausrichter gefunden worden. Die zentrale Lage der Stadt Dortmund und die kurzen Wege in der TU Dortmund um das Audimax – mit der für diese Veranstaltungsform erforderlichen guten Ausstattung – erwiesen sich als sehr gute Wahl. Volker Grabow, Fachleiter Rudern des Sportinstituts, Jan-Philipp Müller, Leiter des Hochschulsports, und die Studierenden des Spezialfachs Rudern sorgten vor Ort für einen reibungslosen Ablauf. Die Studierenden hatten sichtlich Freude an diesem arbeitsreichen Wochenende und sahen es nicht als lästige Pflichtveranstaltung an, konnten sie sich doch weiter über den Rudersport informieren. Ihnen sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Das gilt auch für Kerstin Rapp und Cornelia Stampnik von der Geschäftsstelle des DRV. Dortmund ist auch Standort eines erfolgreichen Bundesstützpunkts Rudern. Die Bundestrainer Thomas Affeldt, Ralf Holtmeyer und Christian Viedt nahmen natürlich teil sowie weitere Stützpunkttrainer.
Eröffnet wurde das Rudersymposium vom Vorsitzenden des Fachressorts Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. Ulrich Hartmann, gefolgt von Grußworten von Prof. Dr. Jörg Thiele vom Sportinstitut der TU Dortmund. Dr. Dag Danzglock, stellvertretender Vorsitzender des DRV, entschuldigte in seinen Worten den Vorsitzenden Siegfried Kaidel. Er vertrat den DRV bei der Mitgliederversammlung des DOSB. Dr. Andrea Horn vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) begrüßte als wichtiger und langjähriger Partner des DRV. Das BISp ist seit dem ersten Rudersymposium verläßlicher und gern gesehener Partner für den DRV.
Fünf Hauptvorträge, sechs Arbeitskreise und drei Foren umfasste das umfangreiche Programm.
Hauptvorträge
Prof. Dr. Walter Krämer vom Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik der TU Dortmund machte den gelungenen Anfang. Er ist Dekan der einzigen deutschen Fakultät für Statistik. Launig unterhielt und informierte er zum Thema „So lügt man mit Statistik“. Er klärte über verzerrte Stichproben als „ewige Quelle von Missverständnissen“, manipulative Fragebögen, bedingte Wahrscheinlichen und fehlende Kausalbeziehungen auf. Er gab Tipps zur „Grafikmanipulation für Anfänger und Fortgeschrittene“.
Prof. Dr. Jörg Thiele vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der TU Dortmund fragte nach der heutigen Jugend, ob sie fett, faul, frech und fernsehsüchtig ist. Er gab einen Einblick in den aktuellen Stand der sozialwissenschaftlichen und sportsoziologischen Forschungen. Die Problemkonstellation aus Übergewicht, Bewegungsmangel und Lebensstil ist bedeutsam und fordert daher notwendige Interventionen.
Prof. Dr. Henry Schulz vom Institut für Sportmedizin und Sportbiologie der Technischen Universität Chemnitz referierte zur „Regeneration und mögliche Determinanten im Leistungssport“. Hohe Trainingsintensitäten und -umfänge, vor allem während des wettkampfvorbereitenden Trainings sowie Wettkämpfe selbst, führen dazu, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen von Sportlern im Spitzensport deutlich zugenommen haben. Als wesentliche Ursachen werden neben der Zunahme der Wettkampfhäufigkeit nicht ausreichende Regenerationszeiten bzw. eine mangelnde Belastungsverträglichkeit von Athleten angesehen.
„Gesundheitliche Aspekte des Ruderns“ lautete der Titel von Prof. Dr. Klaus Völker vom Institut für Sportmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er baute zunächst einen Spannungsbogen auf mit der These „Sport ist Mord und Breitensport ist Massenmord“ und belegte das auch eindrucksvoll mit Daten und Fakten. Doch die Frage der Dosis ist von entscheidender Bedeutung. „Nachdem regelmäßige körperliche Aktivität zum Schutz vor kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus, Krebs, Osteoporose und zu einem verbesserten psychischen Wohlbefinden nachweisbar beiträgt, ist es in unserer Gesellschaft schon fast fahrlässig, keinen Gesundheitssport zu treiben.“ Er schloss daher seinen Vortrag mit dem Ausspruch ab: „Kein Sport ist Selbstmord auf Raten.“
Prof. Dr. Eike Emrich, Leiter des Arbeitsbereiches Sportökonomie und Sportsoziologie am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes betrachtete die „Nachhaltigkeit der Sportförderung“. So wird die Nachhaltigkeit eines einzelnen Sportlers untersucht: „Dabei wird davon ausgegangen, dass die große Zahl der Ruderinnen und Ruderer von ihrem Sportengagement nicht leben wollen und/oder können und deshalb konsequent ihre schulische und berufliche Karriere parallel betreiben wollen bzw. müssen. Daraus resultiert ein Optimierungsproblem derart, dass es darum geht, die Opportunitätskosten der sportlichen Karriere für den schulisch-beruflichen Bereich zu berücksichtigen und unter deren Berücksichtigung die sportliche Leistung zu optimieren.“ Er fordert am Ende deutlich und verständlich: „konsequenter Athleten ernst zu nehmen.“
Arbeitskreise und Foren
In 30 Beiträgen in sechs Arbeitskreisen zeigte sich am zweiten Tag die Vielfalt des Rudersports. Der Aufruf im Frühjahr, sich aktiv in das Symposium einzubringen, wurde somit umgesetzt. Bewusst wurde neben den klassischen Themen Rudertechnik, Trainingswissenschaft und Trainingsphysiologie am Vormittag das Themenfeld zur Vereins- und Verbandsentwicklung und am Nachmittag Gesundheit gesetzt. Dieses Angebot richtete sich an alle Interessierten von Vereinen, Verbänden, Schulen und anderen Sporteinrichtungen, das auch gut angenommen worden ist.
Die drei zeitgleich angebotenen Foren waren offener gestaltet als die Arbeitskreise. Hier gab es mehr Raum für Diskussionen, zum Ausprobieren und praktisches Anwenden.
Die Zusammenfassungen der einzelnen Beiträge der Arbeitskreise und Foren können nachgelesen werden unter www.rudersymposium2010.de.
Podiumsdiskussion
Den Abschluss des Rudersymposiums bildete die Podiumsdiskussion „Auf dem Weg nach London 2012“. Mit dem Moderator Rolf M. Kilzer diskutierten die Mitglieder des Wissenschaftsrats Prof. Dr. Ulrich Hartmann, Prof. Dr. Klaus Mattes und Prof. Dr. Jürgen M. Steinacker sowie Cheftrainer Hartmut Buschbacher, Bundestrainer Ralf Holmeyer und Prof. Dr. Eike Emrich. Hartmut Buschbacher steckte einen Rahmen ab, wie die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele aussehen, wie Boote zusammengestellt werden und wie die zumeist studierenden Athleten die Doppelbelastung aus Hochleistungssport und Studium meistern. „Wichtig ist für uns alle, dass wir auch Erfolg haben“, lautet die Botschaft des Cheftrainers.
So spannend und interessant die inhaltlichen Themen für die Teilnehmer sein mögen, so wichtig ist auch der informelle Austausch zwischen Trainerkollegen und Vertretern der Vereine und Verbände. Dafür bot das Ausrichterteam um Volker Grabow und Jan-Philipp Müller einen angenehmen und passenden Rahmen. Mit der kabarettistischen Einlage eines Willi Knebel mit einem gehörigen Schuss Lokalkolorit und mit Currywurst war der „Dortmunder Abend“ mehr als gelungen.
Dem Organisationsteam mit Ulrich Hartmann, Volker Grabow und Rolf M. Kilzer gebührt großer Dank für das Rudersymposium 2010. Ulrich Hartmann, DRV-Präsidiumsmitglied, rief zum Abschluss bereits zum Rudersymposium 2014 auf.
Andreas König
- Links:
- www.rudersymposium2010.de