Urban hört auf - „Motivation war nicht mehr da“

von Carsten Oberhagemann
15.04.2011 - 09:00 Uhr

Die Bewerberliste für den Deutschland-Achter ist lang, wenn am Wochenende auf dem Fühlinger See in Köln beim DRV-Frühtest die Ausscheidung im Zweier ohne Steuermann ansteht. Ein Name taucht auf der Starterliste nicht auf. Jochen Urban hat seine Ruderkarriere beendet. Nachdem er 2009 ein Jahr Pause eingelegt hat, wird er nicht mehr zurückkommen, wie der 27-Jährige im Interview erklärte.

Warum hast Du nach der WM in Neuseeland aufgehört?

Jochen Urban: Primär wegen der Uni. In meinem Medizin-Studium an der Ruhr-Universität Bochum muss ich viele Praktika absolvieren, und ich habe gemerkt, dass mir das Studium zu viel Spaß macht, um es mit einer Doppelbelastung bis zu den Olympischen Spielen 2012 schleifen zu lassen. Ich habe in dem einem Jahr nach der Pause zuvor aber auch gespürt, dass die Leidenschaft fürs Rudern nicht mehr so groß war wie früher. Ich hätte schon die gleiche Motivation gebraucht, um ganz vorne mitzufahren. Die Uni macht mir einfach mehr Spaß als das Rudern. Da war der Schlussstrich die logische Konsequenz.

Wenn Du auf Deine Ruderer-Karriere zurückblickst: Was waren die Highlights und was hat der Rudersport Dir persönlich gebracht?

Jochen Urban: Die Olympischen Spiele in Athen waren schon sehr cool, eine super Sache. Auch die Trainingslager waren etwas Besonderes, weil man gemeinsam am besten auf ein Ziel hinarbeiten kann. Und genau das habe ich gelernt: Zielgerichtet mit aller Konsequenz etwas vorzubereiten, mit Disziplin und gutem Zeitmanagement. Der Rudersport hat mich geprägt wie nichts anderes. Ohne Rudern hätte ich das Medizinstudium bislang nicht so gut geschafft. Im Studium bin ich nicht unbedingt der Fleißigste, aber wenn es darauf ankommt, arbeite ich zielgerichtet auf Klausuren hin. Das kann ich gut. Dann lass ich alles andere weg und konzentriere mich nur auf die Uni.

Wann bist Du mit Deinem Studium fertig?

Jochen Urban: Ich hoffe, dass ich im August 2012 mein Praktisches Jahr beginnen und anschließend 2013 mein Examen machen kann. Und dann bin ich fertig. Einen Teil meines Praktischen Jahres werde ich übrigens in einem Krankenhaus in Luzern verbringen, wo auch Sebastian Thormann arbeitet, mit dem ich ja 2004 in Athen im Vierer gefahren bin. Einen anderen Teil würde ich gerne in Neuseeland absolvieren. Das Land hat mir bei der WM so sehr gefallen.

Dieses Jahr passiert aber noch etwas. Du heiratest Deine Freundin, die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin Anne Poleska...

Jochen Urban: Ja, im Juli standesamtlich und im September dann auch kirchlich. Und Gregor Hauffe wird mein Trauzeuge sein.

Und wie sieht es mit dem Rudern aus?

Jochen Urban: Ich rudere noch für meinen Klub, den Crefelder Ruder Club. Wir haben am Head of the River teilgenommen und sind 18. geworden. Auch in der Ruder-Bundesliga will ich mitfahren. Hier merke ich, dass Rudern Spaß macht, wenn man es etwas zwangloser betreiben kann.