Rekordverdächtiger Saisonstart im Kölner RV

  • Fotos: Ulli Durand, Kölner Ruderverein von 1877

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von Ulli Durand, Kölner Ruderverein von 1877
30.04.2011 - 14:33 Uhr

163 (einhundertdreiundsechzig!) Teilnehmer - das hatte der Kölner Ruderverein von 1877 trotz üblicherweise äußerst reger Beteiligung bei Veranstaltungen dieser Art bisher noch nicht geschafft. An 100 bis 120 Anruder-Aktive hat man sich als „77er“ ja mit den Jahren gewöhnt, wenngleich diese Zahl für ein reines Vereinsevent erstaunlich und alles andere als selbstverständlich ist.

141 Ruderer und 22 Landgänger - ein Drittel aller Vereinsmitglieder hatte Ruderwart Hans-Jürgen Keens am zweiten April-Sonntag aufs Wasser locken können, um die Rudersaison 2011 offiziell einzuläuten. Denn auf dem Wasser starteten sie alle, trennten sich auch später am Tag ihre Wege, wenn die Radfahrer und Kulturinteressierten festen Boden unter den Füßen beziehungsweise Reifen bevorzugten.

Pünktlich um neun Uhr morgens machte die „MS Rheinland“ am KD-Schiffsanleger in Rodenkirchen fest. Bevor es an Bord ging, wollte man das obligatorische Gruppenfoto in den Kasten bekommen. Gar kein leichtes Unterfangen, die Horde fröhlich schnatternder 77er vor der Linse der Fotografen zu platzieren, ständig kamen noch Seesackträger und Kinderwagenschieber nach. Doch der Fahrtenleiter hatte seine Schäfchen im Griff. So wie er auch bei Absagern, Zuspätkommern und Bootetauschern nie den Überblick verlieren sollte.

Auf der gut dreistündigen Fahrt Richtung Bonn machte man angesichts des  großartigen Sonnenscheins, der die Anruderer und Radler den ganzen Tag begleiten sollte, von der umsichtig an Deck bereitgelegten Sonnencreme Gebrauch, ließ sich das üppige Frühstücksbuffet schmecken, plauderte, lachte, und es floss das ein oder andere Kölsch. So waren die Stimmen gut geölt, als die 77er bei Rhein-Kilometer 666 ihrem ersten Vorsitzenden Karl-Jürgen Klipper zum 66. Geburtstag ein Ständchen brachten - zur Melodie von „Flipper“ und wie es sich für Wassersportler gehört zünftig begleitet vom Schifferklavier: „…Wir gratulier‘n Klipper, Klipper… il Presidente aus Leidenschaft!“

Die 77er tranken auf ihr Geburtstagskind, das in niegelnagelneuer Ruder-Weste mit Emblem des Kölner Rudervereins von 1877 an der Reling stand, und nachdem noch zweimal Flipper-Klipper erklungen war und die Akkordeonspieler auch für Kölsche Tön gesorgt hatten, ging die äußerst kurzweilige Anruder-Anreise in Bad Godesberg zu Ende. 29 Boote, darunter zwei Achter, waren zum dortigen Ruderverein gebracht worden, die meisten zu Lande per Bootshänger, einige auch auf dem Wasserweg (ein paar 77er hatten die Gelegenheit am Vortag für eine Tour stromauf genutzt) - und warteten darauf, die knapp vierzig Kilometer lange Strecke nach Köln gerudert zu werden. Man machte sich ans Riggern, derweil die Radler zu ihrer Tour entlang des Rheins starteten und der Rest der Gruppe sich aufmachte, die Bonner Museumslandschaft zu erkunden. Unterwegs kehrten die Bootsmannschaften je nach Gusto in den Lokalitäten entlang des Rheins ein, beispielsweise im Mondorfer „Hafenschlösschen“ und im „Strandbad“ in Langel, oder pausierten – sich von der Strömung treiben lassend – im Boot. War auch manchmal der Steuermann auf zügigeres Fortkommen eingestellt, so bestimmten die Ruderer den Rhythmus. Das überwiegende Motto des Tages lautete Entspannung, nur vereinzelte Mannschaften nutzen die Ausfahrt zu Marathon-Trainingszwecken.

Obwohl die seetaugliche „Magellan“, in der 77er schon ferne Gewässer wie den Orinoco berudert haben, mit ihrem Außenbordgrill diesmal nicht mit von der Partie war, herrschte dennoch unterwegs kein kulinarischer Mangel. So war es denn auch weniger Hunger als Appetit, der die 77er am Grill vor dem heimischen Bootshaus zusammenbrachte, wo sie den herrlichen Anruder-/Radel/Kultur-Tag gesellig ausklingen ließen.