Interview mit der Fan-Beauftragten des DRC Hannover, Navina Schilling

Wie eine junge Frau ein Rudel Ruderfans zur RBL koordiniert

von Arne Simann
02.08.2011 - 00:00 Uhr

RBL: Liebe Navina, die RBL-Etappe zum Maschseefest in Hannover steht vor der Tür. Wir hören ja immer viel von den Sportlern im Vorfeld, jetzt wollen wir auch mal eine Fanbeauftragte zu Wort kommen lassen.

Navina Schilling: Hallo, ja in der Tat bin ich beim DRC verantwortlich für die Koordination und Organisation der Mitglieder, Fans, Eltern und Freunde. Normalerweise schaut sich jede Familie oder Gruppe für sich ganz in Ruhe eine Regatta an. Aber zu Zeiten der RBL und public viewing beim Fussball haben wir festgestellt, dass auch Ruderer Sport gerne zusammen, sozusagen im „Rudel“ schauen. Und genau das umzusetzen, dass sich alle finden und ein wenig koordiniert werden, ist meine Aufgabe in der DRC-Mannschaft

RBL: Wie laufen die Planungen bisher?

Navina Schilling: die Planungen laufen bisher ganz gut und sind ja auch seit Wochen vorbereitet. Vor allem, wenn man hört, dass aus Pirna ein ganzer Reisebus „Auswärtsfans“ in Hannover anrückt, müssen wir natürlich Heimstärke beweisen und auch am „Nordufer“ zeigen, dass der Maschsee unser Revier ist und wir wenn möglich am lautesten für Stimmung sorgen wollen. Wir haben über das Internet alle Mitglieder und Freunde informiert, haben Banner und Vereinsfahne im Gepäck und werden dann gezielt ab dem Nachmittag einen tollen Sporttag zur RBL in Hannover erleben.

RBL: Wie nehmt Ihr Vereinsmitglieder mit, die sonst nicht so einen engen Kontakt zu den RBL-Teams haben?

Navina Schilling: für uns ist es schon sehr wichtig, dass wir auch unsere älteren Mitglieder im Verein mit dem relativ jungen RBL-Konzept erreichen. Viele sind ja schon einige Jahrzehnte im Rudergeschäft und trauen dieser jungen und modernen Variante des Achtersprints noch nicht so richtig über den Weg. Aber seit wir über ein „Generationen-Rudern“ im Frühjahr zusammen mit unseren Alten Herren trainiert haben und gerudert sind, haben wir festgestellt, dass wir alle in einem Boot sitzen und auch gemeinsam viel Spaß beim Rudersport haben. Deswegen freuen wir uns auch wenn unsere langjährigen Mitglieder live dabei sind und uns anfeuern. Wenn wir dann ein Rennen gewinnen, sind die schon stolz auf Ihre Bundesligamannschaft und das tut auch dem Verein sehr gut. Man kann sagen, dass über das Bundesligarudern die Gruppen etwas mehr zusammenrücken.

RBL: Ist das auch so bei den Sportlern auf der olympischen Mitteldistanz von 2000m? In vielen Vereinen herrscht ja noch die Angst, dass die Bundesliga mit den Sprintsportlern den Nationalmannschaftsanwärtern wichtige Mittel wegnimmt.

Navina Schilling: Nein, ganz im Gegenteil. Der DRC Hannover ist doch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass alles unter einen Hut passt und sich gegenseitig positiv verstärkt. Wir RBL-Teams haben mit unseren Top-Sportlern gejubelt, die jetzt bei der U23-WM in der Nationalmannschaft abgeräumt haben. Alexander Egler hat Gold und U23-Weltrekord im Vierer geholt. Und Clemens Hübler ist Vizeweltmeister im Doppelzweier geworden. Die beiden unterstützen jetzt auch wieder unseren Bundesliga-Achter. Olympischer Sport und Bundesliga schließt sich also überhaupt nicht aus. Vielmehr ist es so, dass wir eine so große Trainingsgruppe bei den Frauen haben, dass einige gar nicht eingesetzt werden können und nur als Fans die sprichwörtliche Hannover-Fahne am Ufer hochhalten. Und das ist doch ein Merkmal eines vermeintlich erfolgreichen Ruderclubs. Die haben Sportler sowohl in der Nationalmannschaft, als auch in der Bundesliga. Denn ohne die Breite sinkt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit mehr Leute in die nationale Spitze durchzubringen. Schaut Euch doch die Topclubs in Krefeld, Hamburg, Dresden oder Berlin und viele andere an. Und die Breite erreichen wir eben besser mit dem Bundesligarudern über Sprints und im Achter, als mit Ergometertests über 2000m.

RBL:Hast Du als Fanbeauftragte der Bundesligateams denn auch Zeit selbst ins Boot zu steigen?

Navina Schilling: Aber selbstverständlich. Wir haben alle Aufgaben gleichmäßig verteilt, so dass jeder ein bisschen zum Gesamterfolg einer funktionierenden RBL-Crew beitragen muss. Ich werde aber, so viel sei zur Wechselstrategie verraten, vermutlich von unserer Spielertrainierin Katja Schindler im Achtel- und Viertelfinale eingesetzt werden, so dass dann eine Bootskameradin die Fankoordination übernimmt und die gemeinsamen Gesänge vorgeben kann. Ganz ohne Rudern kann ich ja auch nicht.

RBL: Wie ist die Rivalität mit dem HRC einzuschätzen? Normalerweise kann es ja nur immer einen Platzhirschen am Ort geben.

Navina Schilling: ich denke die sportliche Wertigkeit kann man an der Klasse ausmachen. Unser Männer-Achter ist schließlich von Anfang an erstklassig, auch wenn wir einiges tun müssen, um dieses Jahr die Klasse zu halten. Die Qualität und der Konkurrenzdruck nimmt schon zu. Aber wir haben ja auch noch einiges zuzusetzen mit Alexander Egler, Milan Dzambasevic, Clemens Hübler, Nils-Rüdiger Baade oder Birger und Thorsten Schmidt, die uns auch letzte Saison schon wichtige Punkte gerettet haben. Und der HRC ist ja nun mal schon immer in der 2. Liga. Auch wenn sie die wohl heimstärkste Mannschaft aller Bundesligisten sind. Auf dem Maschsee waren sie 2010 beim Qualifying sogar schneller als die komplette 1. Liga. Und bei den Frauen haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und kooperieren mit dem HRC, so dass da überhaupt kein Konkurrenzdenken aufkommt und wir alle für Hannover jubeln werden.

RBL: Liebe Navina, vielen Dank für das Gespräch und viel Spaß bei den letzten Tagen in der Vorbereitung und natürlich viel Erfolg beim Heimspiel in der Maschsee-Arena am 6. August.