Marcel Hacker: Vom OP-Tisch auf die WM-Bühne

Vor sechs Wochen lag Marcel Hacker noch auf dem Operationstisch, nun sitzt er bei der WM im slowenischen Bled wieder im Einer. Sein starker Auftritt im Vorlauf weckt sogar Medaillenhoffnungen.

von Oliver Mucha
01.09.2011 - 22:36 Uhr

Der Schmerz ist vergessen, die Ungewissheit verflogen, der steinige Weg vom OP-Tisch auf die WM-Bühne vollzogen: Nur sechs Wochen nach einem Eingriff an der Bandscheibe hat Marcel Hacker bei der ersten echten Belastungsprobe mächtig Eindruck bei den Konkurrenten hinterlassen und sogar Cheftrainer Hartmut Buschbacher überrascht. "Das war ein beeindruckendes Rennen von Hacker", sagte Buschbacher nach dem souveränen Vorlaufsieg bei den Ruder-Weltmeisterschaften im slowenischen Bled.

Der 34-Jährige erinnerte sich im Moment des geglückten Comebacks an die bittere Diagnose Bandscheiben-OP. "Der Arzt hat gefragt, wann das nächste Event ist. Ich habe gesagt: In sechs Wochen, mach heile", erzählte Hacker nach dem Viertelfinaleinzug. Der Arzt ist der unmissverständlichen Aufforderung nachgekommen, der Einer-Weltmeister von 2002 ist wieder in seinem Element.

Dementsprechend locker und gelöst gibt sich Hacker am Rande der Regattastrecke. Mal hüpft er in den 22 Grad kühlen idyllischen Bleder See, dann flachst er mit den Mannschaftskollegen herum. "Die Stimmung im Team ist gut und ausgelassen, sodass man sich gut aufgehoben fühlt", sagte der Olympiadritte von 2000.

Auch wenn er nach einem zwischenzeitlichen Ausflug vor zwei Jahren in den Doppelvierer wieder in den Einer zurückgekehrt ist, den Eigenbrötler Hacker gibt es nicht mehr. Der Skuller von der Frankfurter RG Germania ist ein Teamplayer geworden und will aus dieser Rolle heraus sein letztes großes Karriereziel angehen: Den Olympiasieg 2012 in London.

Um die Goldmedaille am 4. August aus dem Dorney Lake zu fischen, muss sich Hacker in Bled erst einmal das Olympia-Ticket sichern. Platz elf ist daher das Minimalziel, aber Buschbacher traut dem dominierenden deutschen Einer-Fahrer des vergangenen Jahrzehnts sogar noch mehr zu. "Wir müssen Schritt für Schritt gehen. Wenn er das Finale erreicht, hat er eine super Leistung vollbracht. Wenn man aber im Finale ist, dann kann man auch um die Medaillen mitfahren", sagte Buschbacher.

Hacker denkt bei seinem ersten großen Einzelwettkampf seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking nur von Rennen zu Rennen. Er habe die erste Aufgabe gelöst. Es sei gut gewesen, dass Körper und Kopf gefordert worden seien, so Hacker, der sein Viertelfinale am Mittwoch bestreitet.

Richtung London will er dann wieder voll angreifen. Neben der Unterstützung durch seine Familie und die Deutsche Bahn kann Hacker auch auf die Deutsche Sporthilfe (DSH) bauen. Dank des neuen Stipendiums "Elite Plus" hat Hacker bis London monatlich 1500 Euro sicher. So kann er sich ganz auf den Sport konzentrieren. Ohne Schmerzen.