FISA-Congress 2011 wählt Lenka Wech
Im Rahmen der Weltmeisterschaften führt der Weltruderverband FISA jährlich seine Vollversammlung durch. In diesem Jahr war daher Bled in Slowenien der Tagungsort und für den DRV gestaltete sich die Sitzung in personeller Hinsicht positiv. Mit Lenka Wech, die sich gegen ihren Kollegen aus der Athletenkommission, den Kanadier Iain Brambell, in einer Kampfabstimmung um den freigewordenen Vorsitz mit gut 75 % der Stimmen durchsetzte, ist der DRV wieder im FISA-Council vertreten. Die Medizinerin Lenka Wech, die auf drei Teilnahmen an Olympischen Spielen zurückblicken kann, wird nun die Interessen der Aktiven verfolgen. „Wenngleich Lenka Wech dem Weltverband verpflichtet ist, sind wir doch froh, eine direkte Ansprechpartnerin in diesem Gremium zu haben“, sagte DRV-Vorsitzender Siegfried Kaidel nach der Sitzung. „Das Ergebnis zeigt, dass wir gut vernetzt und erfolgreich sind, wenn es gilt, eines unserer Mitglieder in den Gremien zu platzieren. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen und der Vorschlag aufgrund seiner Qualität überzeugen“.
Zuvor hatte das Council Sebastian Franke aus Hamburg als neues Mitglied der MASTERS-Commission berufen. Damit ist der DRV mit Ausnahme zweier Kommissionen in den Gremien der FISA vertreten.
In den weiteren zur Wahl stehenden Kommissionsvorsitze (Material, Sportmedizin, Jugend, Breitensport) wurden die Vorsitzenden per Akklamation im Amt bestätigt.
Mit Spannung wurde die Vergabe der WM 2015 erwartet. Hier hatte sich der DRV mit Brandenburg aus dem Bewerbungsverfahren verabschiedet, da die Anforderungen ständig stiegen. Die Versammlung folgte dem Vorschlag des Councils und somit ist Aiguebelette (Frankreich) Austragungsort dieser olympischen Qualifikationsregatta. Seitens des französischen Bewerbungsteams wurde hinter vorgehaltener Hand deutlich gemacht, dass dieser klare Erfolg gegen eine Bewerbung aus Brandenburg wohl nicht möglich gewesen wäre. Das Nachsehen hatten Strathclyde (Schottland) und Varese, allerdings gehen die U 23- Weltmeisterschaften 2014 nach Italien. Die Masters-Regatta 2014 wird in Australien (Ballarat) ausgetragen, sodass für die Teilnehmer eine zwar aufwändige, aber interessante Reise ansteht. Wer in Europa bleiben möchte, erhält mit der EURO-Masters-Regatta in München ein interessantes Angebot in der Region.
Ab 2013 wird ein World-Cup Ende März in Australien ausgetragen. FISA will Rudern weltweit platzieren und dürfte im Kern den Forderungen des Hauptsponsors folgen. Damit ist das letzte Wochenende im Mai frei, um dort die Europameisterschaft auszutragen. Ein entsprechender Beschluss dürfte am Rande der EM in Plovdiv fallen. Ergänzend plant der Weltverband einige Sprintwettbewerbe, die nach dem diesjährigen Vorbild St. Petersburg in Städten ausgetragen werden.
Der Zeitplan der WM, der in diesem Jahr vier Finaltage vorsah, wurde durch den DRV angesprochen. Aktive, Zuschauer und das deutsche Fernsehen sehen das Konzept kritisch. FISA wird das Thema in den Gremien erörtern, zumal es bis zur nächsten WM noch zwei Jahre dauert. In diesem Rahmen wies der DRV auch auf das Vergabeverfahren zur WM hin, in dem jährlich die Anforderungen erhöht wurden. Zudem legt die FISA unterschiedliche Maßstäbe an. So erwartet man prinzipiell voll funktionsfähige Strecken und erfahrene Organisationsteams, während in Korea die Bauarbeiten erst im nächsten Jahr abgeschlossen sein werden und das OK über keinerlei Erfahrung mit derartigen Events verfügt. „Wir haben Verständnis, dass die Anforderungen an solche Spitzen-Events nicht mehr mit denen vor 20 Jahren vergleichbar sind. Fairness ist aber ein hohes und bewährtes Prinzip im Rudersport und das sollte auch weiterhin gelten“, so Siegfried Kaidel.
Am Rande der Vollversammlung kam auf Vermittlung des DRV eine Delegation aus Brandenburg an der Havel unter Leitung der Oberbürgermeisterin Frau Dr. Tiemann mit dem FISA-Vorsitzenden Denis Oswald und Generalsekretär Matt Smith zusammen. Gemeinsam mit dem Chef der Bewerbung Hartmut Duif, Jürgen Dabrat und DRV-Sportdirektor Mario Woldt nutzte sie die Gelegenheit, um unmittelbar auf die fragwürdige Vorgehensweise der FISA im Bewerbungsverfahren hinzuweisen. Zudem machte die „deutsche Seite“ deutlich, dass Brandenburg an der Havel insgesamt gut aufgestellt ist und die Regattastrecke „Beetzsee“ aufgrund großer Investitionen alle Anforderungen an Spitzen-Events der FISA erfüllt. In der Absicht, sich auch zukünftig für internationale Events bewerben zu wollen, wurden sie durch Denis Oswald ausdrücklich bestärkt.
Der nächste Congress findet im Rahmen der Junioren-WM 2012 in Plovdiv statt. Statuten und Wettkampfregeln sind dem außerordentlichen Congress vorbehalten, der 2013 in Kopenhagen zusammenkommen wird.
