Kristof Wilke sitzt im Gold-Achter auf dem Spitzenplatz

WM-Hattrick in Bled perfekt gemacht/Enttäuschung von Peking bewältigt/„Manchmal fast schon ein schlechtes Gewissen“

  • Deutschlandachter bei der WM 2011

    Deutschlandachter bei der WM 2011

von Andreas Müller
09.09.2011 - 12:17 Uhr

Mit dem Deutschland-Achter bei den Sommerspielen 2008 in Peking in Vor- und Hoffnungs-Lauf sowie im B-Finale unter der Wasserlinie jedes Mal Letzter und am Ende Platz acht, anschließend 2009, 2010 und gerade 2011 im slowenischen Bled mit dem weltmeisterlichen „Hattrick“: Ruderer Kristof Wilke durfte  in den vergangenen Jahren die Gefühlsskala zwischen Null und 100 komplett auskosten. In dieser Saison wurde der 26-Jährige von Trainer Ralf Holtmeyer im deutschen Paradeboot, das seinem Namen wieder alle Ehre macht und beim jüngsten WM-Sieg den 27. großen Regatta-Sieg in Folge einfuhr, sogar zum Schlagmann berufen.

Die Frage, ob dies die beste Position überhaupt im deutschen Rudersport bedeutet, entlockt Kristof Wilke ein leichtes Lächeln. „Natürlich bin ich froh über dieses Vertrauen“, berichtet der 1,90-Meter-Mann. „Andererseits sehe ich das relativ nüchtern. Ohne die anderen Sieben im Boot, den Steuermann und eine gute Truppe geht nichts. Alle müssen mitziehen, ich bin auf die Anderen angewiesen. Mein primäres Ziel ist es, überhaupt einen Platz in diesem Achter zu behaupten – egal auf welcher Position.“

Damit bei ihm selbst und seiner Crew am Stützpunkt in Dortmund in Richtung Olympia 2012 in London bei jeder Trainingseinheit möglichst viel Zug drin ist, hat sich der Takt- und Rhythmus-Geber, der an der Ruhr-Universität in Bochum im sechsten Semester Biologie und Sport auf Lehramt studiert, für die neue Fördervariante „Elite Plus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) entschieden. „So kann ich mich voll auf den Sport konzentrieren und die Uni runterschrauben“, sagt Kristof Wilke mit Blick auf das erstmals vergebene Stipendium, das 18 Monate lang 1.500 Euro zusätzlich zur normalen Sporthilfe-Förderung garantiert.

Die langfristige Vorbereitung sei gerade im Rudersport eines der obersten Gebote, weiß die Konstante im vielfach umbesetzten Achter aus leidiger Erfahrung. „Vor Peking hatten wir es dann mit Hau-Ruck-Aktionen probiert. Das ging gründlich schief.“ Er ist der Sporthilfe nicht nur wegen der olympischen Weitsicht dankbar, sondern ebenfalls für „zig andere Beispiele“, seitdem er Anfang 2004 gleich nach seiner ersten Junioren-WM in die Förderung aufgenommen wurde. Besonders eng wurde das Verhältnis im vorigen Jahr, als die Stiftung unmittelbar nach Begründung ihrer neuen Spenden-Kampagne „Dein Name für Deutschland“ eben diesen Schriftzug am Bug des Achters platzierte und de facto als Hauptsponsor des Großschiffes auftrat.

„Manchmal hat man fast schon ein schlechtes Gewissen und weiß gar nicht, wie man das alles wieder gutmachen soll“, gesteht Kristof Wilke und hat noch eine ganz junge Episode parat. Als ihm seine Ärzte rieten, schleunigst die Weisheitszähne entfernen zu lassen, er aber gerade das 26. Lebensjahr vollendet hatte und nicht mehr beim Vater mitversichert war, geriet er kurzzeitig in die Bredouille. „Der OP-Termin stand fest und ich wusste nicht, wie ich’s finanzieren sollte. Da sprang völlig unkompliziert die Sporthilfe ein, obwohl ich das Problem da nur mal in einem Nebensatz erwähnt hatte.“

Der aus Radolfzell am Bodensee stammende Kristof Wilke ist heilfroh, dass er 2005 nach seinem Zivildienst-Jahr nicht in die badische Heimat zurückkehrte, sondern den Ruf nach Dortmund  folgte. Zuhause wäre er vermutlich zum „Einzelkämpfer“ mutiert. Im Ruhrpott hat er täglich Kontakt zu seinen starken, ehrgeizigen Riemenruder-Kameraden. „So pushen wir uns gegenseitig.“ Mit Erfolg, wie sich beim dritten WM-Gold in Folge gerade eindrucksvoll zeigte.