Berlin ist immer eine Reise wert
Das Leistungszentrum am Jungfernheideweg bot gute Rahmenbedingungen für die 360. Sitzung des DRV-Präsidiums. „Berlin ist gut zu erreichen und bietet kostengünstige Rahmenbedingungen“ lautete die Begründung des DRV-Vorsitzenden Siegfried Kaidel zur Wahl des Tagungsortes. „Außerdem freuen wir uns über jeden engen Kontakt zur Basis und der ist in einem Leistungszentrum gut möglich“.
Die Begrüßung des Gremiums übernahm der Vorsitzende des LRV-Berlin, Werner Stahr, persönlich, der dabei ein neues Mitglied seiner Familie vorstellte. Den zweijährigen Hund hat er aus einem Tierheim aufgenommen.
Mit 12 Punkten war die Tagesordnung umfangreich, dennoch konnten alle Punkte ausführlich und mit der gebotenen Tiefe erörtert werden. Siegfried Kaidel: „Dank monatlicher Telefonkonferenzen sind viele Einzelfragen geklärt, sodass eher grundsätzliche Aspekte Gegenstand der Sitzung sein können.“
Prävention und Schutz vor sexueller Gewalt stehen auf der politischen Agenda und das Thema hat auch den Sport erreicht. Immer wieder wird von Einzelfällen berichtet, wonach der Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht im erforderlichen Umfang gewährleistet ist. Zwar wurden Übergriffe auch in der Vergangenheit sanktioniert, aber es erscheint geboten, das Thema offensiv anzugehen. Im Bereich des DRV ist die Ruder-Union Arkona Berlin einer der Vorreiter auf diesem Gebiet. Der Verein hat umfangreiche Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen ergriffen. Mit einem Handlungsleitfaden und einer Ehrenerklärung, die sich eng an Vorschlägen des DOSB und der DRJ orientiert, wollen DRV und DRJ das Thema angehen. Beide Texte werden nach Zustimmung beider Gremien noch in diesem Jahr veröffentlicht.
Mit der Bestätigung der Geschäftsordnungen der Ressorts ist ein rund fünfjähriger Prozess der Verbandsentwicklung nun abgeschlossen. Das neue Grundgesetz, das auf dem Rudertag 2009 in Oldenburg verabschiedet wurde, war der erste große Meilenstein und hat die Ausrichtung des DRV an modernen gesellschaftlichen und rechtlichen Erfordernissen ermöglicht. Die erforderlichen Ordnungen sind nun erstellt und füllen die Rahmenbedingungen mit Leben. Der Projektmotor Reinhard Grahn dankte „Dr. Bernd Müller, der den Prozess intensiv unterstützt hat, für die Zusammenarbeit“.
Die Ordnungen werden noch in diesem Jahr auf rudern.de eingestellt und stehen dann zum kostenfreien Herunterladen zur Verfügung.
Der Umgang mit historischem Material ist ein Evergreen der Präsidiumsarbeit. Er steht seit Jahrzehnten auf der Agenda, ohne dass bisher eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden konnte. Nun steht ein neuer Anlauf an, zu dem der DRV-Vorstand mit der Materie vertraute Persönlichkeiten zu einem Gespräch einladen wird.
Ein weiterer Dauerbrenner ist das Deutsche Meisterschaftsrudern. Zwar wurde das durch den Rudertag 2010 verabschiedete Konzept umgesetzt und die Meldezahlen entsprachen dem 10jährigen Mittel, aber insgesamt wird allgemein Handlungsbedarf konstatiert. Das Thema dürfte daher den kommenden Rudertag beschäftigen, wobei das Präsidium grundsätzlich die Aufteilung in eine Kleinbootmeisterschaft und internationale Meisterschaft in den Mittel- und Großbooten derzeit präferiert. Als Meisterschaft der Vereinsmannschaften gilt die Sprintmeisterschaft, für die die Ausschreibung weiterer Rennen erwogen wird. Das zuständige Fachressort wird sich mit der Angelegenheit befassen und die Überlegungen weiter konkretisieren.
Datenschutz ist auch in ehrenamtlichen Strukturen ein relevantes Thema. Der DRV hat dazu im Frühjahr mit Dr. Wolfgang Krutzke einen Beauftragten berufen, der direkt dem Vorstand unterstellt ist und keiner Weisung untersteht. Der Schutz sensibler Daten, zu denen beispielsweise die Ergebnisse von Wettkämpfen nicht gehören, ist zentraler Punkt seiner Tätigkeit. Hierbei berät er Ehren- und Hauptamt. Auf der Homepage ist ein eigener Bereich eingerichtet.
Der Gesamtauftritt des DRV steht vor einer Überarbeitung. Er soll aktuellen Trends angepasst werden, ohne die Wurzel aus den Augen zu verlieren. Das auf der Homepage und in einigen Publikationen bereits umgesetzte Konzept wird auf weitere Bereiche übertragen. Aktuell sind Briefköpfe überarbeitet worden. Auf Veranstaltungen soll durch geeignete Darstellungsmedien die Verbandswahrnehmung gestärkt werden. Hierzu hat Christian Speelmanns ein abgeschlossenes Konzept vorgelegt, das nun verabschiedet wurde.
Schatzmeister Torsten Gorski hat nun mit der Geschäftsstelle die ersten Abrechnungen erarbeitet und konnte die vorläufige Jahresrechnung 2010, die Ende September den Kassenprüfern vorgelegt wird, präsentieren. Ähnlich wie es die vorläufige Jahresrechnung 2011 erwarten lässt, ist der Haushalt ausgeglichen. Für Finanzrisiken ist eine Vorsorge getroffen. „Wir können aber mit den Mitteln keine großen Sprünge machen“, so der Schatzmeister.“ Vieles was eigentlich notwendig und sinnvoll wäre, können wir derzeit leider nicht finanzieren“.
Im Team „Buchhaltung“ der Geschäftsstelle, sind drei Personen beschäftigt, die 2,5 Dienstposten einnehmen und eigenverantwortlich definierte Bereiche bearbeiten. Möglich wurde dies durch eine angemessene EDV-Ausstattung. Perspektivisch ist die Umstellung auf eine „Kostenstellenrechnung“ vorgesehen.
Im Leistungssport befindet sich der DRV auf einem guten Weg. Die seit 2009 implementierten Konzepte greifen und machen sich auch in Ergebnissen bemerkbar. Soweit echte Defizite erkennbar sind, beispielsweise im Bereich Frauen-Riemen oder der LG-Doppelzweier, wird nach Lösungen gesucht. Die Nachwuchsnationalmannschaften U23 und U19 waren außerordentlich erfolgreich. Weiterhin ist für die Junioren zu konstatieren, dass der Aufwand des DRV im Vergleich zu allen anderen Nationen außerordentlich hoch ist. Der Vergleich der Ergebnisse in der Weltspitze weist jedoch auch auf alternative Modelle hin, die unter dem Eindruck der Verpflichtungen Jugendlicher in der Ausbildung eine Betrachtung verdienen.
Obwohl die Olympischen Spiele 2012 erst noch gerudert werden müssen, stehen bereits die Planung für den Zyklus 2013 - 2016 an. Hier muss der DRV einen ersten Entwurf bis Ende Oktober beim DOSB vorlegen, der dann nach London finalisiert wird. Das Präsidium nahm die Eckpunkte zur Kenntnis, der Länderrat wird vor der Abgabe ebenfalls beteiligt.
Weitere Gesprächspunkte bezogen sich auf die Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe, der personellen Situation in der Geschäftsstelle und dem Grundverständnis der Zusammenarbeit Vorstand/Präsidium unter dem Eindruck des neuen Grundgesetzes. Weiterhin versteht sich das Präsidium als Kollegialorgan. Im Grundgesetz wurden lediglich einzelne Aufgaben auch formal so zugewiesen, wie es der langjährigen Praxis entspricht.
Das nächste Treffen des Präsidiums erfolgt am Rande der gemeinsamen Sitzung mit dem Länderrat am 12. November in Ulm.
