Weltmeisterschaften der Vereine im Küstenrudern

von RTHC Bayer Leverkusen
24.10.2011 - 00:06 Uhr

Was im Umfeld eines Vierers so alles brechen kann

Der RTHC Bayer Leverkusen war als einziger deutscher Verein zu den diesjährigen Weltmeisterschaften ins süditalienische Bari gereist. Gemeldet waren zwei von sechs ausgeschriebenen Bootsklassen: Frauen-Einer und Männer-Doppelvierer mit Stm. Doch bis ins Ziel gab es einige Hindernisse.

Zwei Wochen zuvor hatten die Teilnehmer den Rheinmarathon zur Vorbereitung genutzt. Bei diesem 43 km langen Testwettkampf waren die ersten beiden Plätze der Gesamtwertung das Ziel. Die Einer-Fahrerin Barbara Jonischkeit war mit einer deutsch-ungarischen Renngemeinschaft in einen Fünfer gestiegen, der in Bari gemeldete Doppelvierer mit Flo Marchant, Heiner Schwartz, Thorsten Jonischkeit und Felix Krane testete die Original-Bootklasse. Und hier gab es das erste Negativ-Erlebnis: Bei dem Wettkampf müssen gemäß Reglement diese schnellsten Bootsklassen als letzte starten, wenn üblicherweise die schlechtesten Bedingungen herrschen. Ein Männer-Fünfer des Veranstalters war regelwidrig einige Stunden vorher inmitten der Masters-Vierer (MDA 55) gestartet - und am Ende wenig überraschend schnellstes Boot. Die beiden Boote der Bari-Starter wurden mehr als vier Stunden später auf die Strecke geschickt und konnten nur noch zweite und dritte werden. Zwar wurde das "Sieger"-Boot im Nachhinein aus der Fünfer-Wertung genommen, aber bei einem Sieg am grünen Tisch bleibt stets ein schaler Beigeschmack.

Nach dem Regelbruch im Vorbereitungswettkampf kam es eine Woche später zum nächsten "Bruch". Ein Unterarmknochen des passionierten Marathonruderers Thorsten Jonischkeit hielt einem Fahrradsturz nicht Stand - nur fünf Tage vor dem Vorlauf in Bari. Der Trainer Ralf Müller rekrutierte kurzfristig den Sprintspezialisten Markus Reckzeh. Nichtsdestotrotz erreichten beide Boote in Bari auf dem 6 km langen Zickzack-Kurs ihre A-Finals, die jeweils mit 16 Booten gefahren wurden - der Vierer sogar als Vorlaufsieger.

Die Leverkusener Freude währte nur einen Tag, denn im Finale kam es zum nächsten Bruch. Bereits nach 500 Metern zerbarst das Steuerbord-Skull des Bugmanns, der den Rest der Strecke quasi Riemen rudern musste. Skurrilerweise passierte dasselbe wenige Meter später einem weiteren Vierer. Hier sprang der Unglücksrabe allerdings kurzerhand über Bord und die Mannschafte ruderte zu dritt weiter. Dass der deutsche Vierer im Schatten des italienischen Dreifachsiegs am Ende dennoch als zehntes Boot ins Ziel kam, war nicht zuletzt der Steuerfrau Barbara Jonischkeit zu verdanken, die das Team motivieren konnte, sich ins Ziel zu kämpfen.

Die Steuerfrau ruderte später selbst: Zwei Stunden nach dem Männer-Vierer stieg sie in den Einer. Die Neu-Leverkusenerin erreichte mit dem siebten Platz die angestrebte Top10-Platzierung. Hier gewann die Französin Charlotte Culty. "Es war mutig bei der ersten Küstenruderregatta direkt auf der WM zu melden," bilanzierte Coach Ralf Müller. "Aber das Ergebnis ist eine großartige Bestätigung unserer Entscheidung."

2011 wurden im Anschluss an die etablierten Bootsklassen als Erprobungsmaßnahme erstmals "Beach Start Races" ausgetragen, in den Mannschaftsbooten als Mixed-Rennen. Auch hier nahm der RTHC an zwei Bootsklassen teil. Im Einer erreichte Heiner Schwartz bei dem "Le Mans-Start" als zweiter Athlet hinter dem spanischen Konkurrenten die Ziellinie, die wie der Start am Strand lag und per pedes überquert werden musste. Im gemischten Doppelzweier war Barbara Jonischkeit als einzige Frau gesetzt. Im Bug ruderte Felix Krane, der auch die letzten Meter als Läufer übernahm. Die beiden siegten in diesem Spaß-trächtigen Rennen vor den Booten aus Spanien und Frankreich.