Starker Brodowski, starke Stimmung, Dacapo 2012

von K.W.
12.12.2011 - 16:58 Uhr

Lampenfieber habe es durchaus gegeben, verriet LRV-Geschäftsführer Michael Hehlke nach den 15. Berliner Indoor Rowing Open im historischen Kuppelsaal des Olympiaparks hinterher. 1936 hatte in dieser heute als architektonische Perle daher kommenden Sportstätte ein Teil der olympischen Fechtwettbewerbe stattgefunden und mit Sicherheit hätte es damals keiner der Zeitgenossen für möglich gehalten, das an gleicher Stätte einmal gerudert werden würde. Das Ergometer macht es möglich. Immerhin die 15. Indoor Open waren es bereits, die in der Hauptstadt über die Bühne gingen. Nach diversen Auftritten an verschiedenen Stätten wie Schöneberger Sporthalle, Horst Korber Zentrum und Landesleistungszentrum (LLZ) war die Premiere im Kuppelsaal aber wohl die bemerkenswerteste Präsentation bisher.

Das wird sich rumsprechen, auch in Ruderkreisen ist der Buschfunk noch immer das wirkungsvollste Kommunikationsmittel. Beim Dacapo am 15. Dezember 2012, das terminlich jetzt schon fest steht, wird es also unter Garantie eine Steigerung der diesjährigen Teilnehmerzahlen geben. Mehr als 250 „Ergomanen“ von Nachwuchs bis Masters hatten für die 30 Rennen gemeldet, auch Gäste aus Norwegen und den USA schwitzten unter der Kuppel. Die 15. Berliner Indoor Rowing Open am 10. Dezember waren wie in den Vorjahren wieder der 2. Lauf innerhalb der Deutschen Indoor Rowing Serie (DIRS), über die die Deutschen Meister im Ergometerrudern ermittelt werden. Das Finale dieser Wettkampffolge findet am 5. Februar 2012 in Essen-Kettwig statt. Anders als in anderen Sportarten geht es hierbei aber nicht darum, möglichst viele Punkte zu sammeln, also möglichst oft zu starten, sondern allein um die schnellste Zeit.

Ob man dafür nur einmal oder fünfmal aufs Ergometer steigt, ist egal. Nach jedem Wettkampf wird ein Ranking aufgestellt, das am Ende gültige fixiert dann auch die Meisterschaftsplatzierung. Durchaus möglich also, dass die Sieger von Berlin in den beiden Hauptklassen bei Männern und Frauen quasi durchaus jetzt schon die Deutschen Meister sind, ohne es zu wissen. Bei den Männern wäre das eine Wiederholung des Vorjahres – eine sehr wahrscheinliche. Denn der doppelte Titelverteidiger (Berlin Open und DIRS) Karsten Brodowski vom Ruderklub am Wannsee, zeigte sich auch diesmal wieder von seiner allerbesten Seite und war mit 5:43,5 Minuten im „auf der Stelle rudern“ über die imaginären 2000 Meter sogar noch eine halbe Sekunde schneller als vor Jahresfrist. Tim Bartels (BRC) und Hagen Rothe (RV von Berlin 1878) folgten dem Sieger in ihrem Wimpernschlag-Duell mit exakt sechs Minuten und einer Hundertstel mehr jedenfalls mit respektvollem Abstand.

Brodowski, vor 26 Jahren in Neuruppin geboren und aufgewachsen, hat sein Ruderhandwerk in Potsdam gelernt, ehe er zum RkaW wechselte. 2006 war er U23-Einer-Weltmeister, 2007 und 2009 WM-Dritter mit dem Doppelvierer. In den beiden vergangenen Jahren fehlte er wegen seines Studiums in den Auswahlteams. Jetzt soll das für den 2,05 m großen Zwei-Zentner-Mann wieder anders laufen, es winken die Olympische Spiele in London. Einmal hat der Student das Erlebnis Olympia schon hinter sich – als Neunter im Doppelvierer 2008 war es eins mit gemischten Gefühlen. Am Tag nach dem Ergometer-Thrill reiste Brodowski ins Trainingslager des DRV-Nationalteams nach Portugal – er will es wissen. Das wollten im Kuppelsaal auch einige Altmeister mit Meriten. Bei den „Männern 40-49 Jahre“ gewann Thoralf Peters, 1990 letzter DDR-Meister im Zweier mit und 1992 Olympia-Zweiter im Vierer mit, sein Bootskumpel aus alten Tagen Frank Klawonn (1990 Zweier mit), der 1988 Vierer mit-Olympiasieger geworden war, landete auf Rang 3.

Immerhin konnte er sich aber im spektakulären Achterwettstreit über 350 Meter mit der RG seines Rüdersdorfer RV Kalkberge mit den Berliner Wiking-Akteuren überraschend mit 0,2 Sekunden Vorsprung vor Favorit Berliner RC durchsetzen. 

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