Verbandsarzt Dr. Ulrich Kau: Die Leistung steigern - Ausfälle minimieren

von Lena Reil
16.12.2011 - 13:01 Uhr

Vorgestellt: Das Team hinter dem Team des Deutschlandachters

Teil 1: Verbandsarzt Dr. Ulrich Kau

In der unserer Serie „Vorgestellt: Das Team hinter dem Team“ wollen wir bis zu den Olympischen Spielen 2012 die Personen vorstellen, die die Ruder-Mannschaft maßgeblich auf dem Weg nach London unterstützen.
Jeder Kilometer auf dem Wasser, jede Stunde im Kraftraum, jedes einzelne Training zählt. An der Weltspitze können sich nur diejenigen behaupten, die mit eiserner Disziplin und voller Konzentration ihre sportlichen Ziele verfolgen. Das gilt insbesondere für die Ruderer aus dem Team Deutschlandachter.
Doch das härteste Training nützt nichts, wenn der eigene Körper nicht mitmacht. „Nur ein gesunder Sportler kann volle Leistung bringen“, weiß Dr. Ulrich Kau, der die deutschen Ruderer seit 2006 als leitender Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes betreut. Der Allgemein- und Sportmediziner trägt die Verantwortung für das gesamte medizinische Betreuungsteam.
„Unser höchstes Ziel ist, dass die Sportler gar nicht erst krank werden“, erläutert der 47-Jährige. „Nur so können wir die Leistungsfähigkeit steigern und Trainingsausfälle auf ein Minimum reduzieren.“ Prävention sei hier das Grundprinzip.

Vorsicht vor dem „weißen Loch“

Wie die Leistungssportler ihre eigene Gesundheit pflegen können, erläutert der Verbandsarzt „immer und immer wieder“ – im persönlichen Gespräch oder per schriftlicher Mitteilung. So warnt der Mediziner zum Beispiel vor dem „weißen Loch“: Nach dem Training sinke die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut und der Körper sei empfänglicher für Krankheiten.
Deshalb heißt es: „Nach dem Sport ausruhen und große Menschenmengen meiden. Denn hier kann man sich besonders im Winter schnell eine Erkältung oder Grippe einfangen“, erklärt Dr. Ulrich Kau. Zusätzlich sollten die Sportler Präparate einnehmen, die das Immunsystem stärken, auf eine gesunde Ernährung achten und auf Alkohol verzichten.

Besondere Regeln bei Wettkämpfen

„Wir wollen bei den Olympischen Spielen in London keine Krankheitsausfälle riskieren“, lautet das Ziel. Daher werden für die Sportler verschärfte Regeln gelten. So sollen sie zum Beispiel das Olympische Dorf nach Möglichkeit nicht verlassen, außer zu Fahrten zum Training oder Wettkampf an der Regattastrecke.
Hinzu kommt: „Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren“, so der Mediziner. „Das ist immer noch der beste Schutz vor Infektionen.“ Daher sei es besonders wichtig, die Ruderer kontinuierlich zu informieren und zu sensibilisieren. Denn schon 2008 in Peking kursierte die Grippe, bei den Weltmeisterschaften 2011 in Slowenien verbreitete sich ein Magen-Darm-Virus im Mannschaftshotel.

Rudern als gesunder Sport

„Mit den gängigen Krankheiten hat jede Leistungssportart zu kämpfen. Rudern ist darüber hinaus sehr gesund, solange es richtig ausgeführt wird“, berichtet der Verbandsarzt, der den Sport selbst 15 Jahre lang als Leistungssport betrieben hat und als Leichtgewicht im Zweier und Einer und später auch als Trainer erfolgreich war.
„Probleme haben Ruderer, wenn überhaupt, mit dem Rücken und den Händen. Hier gilt: Dank einer fundierten Diagnostik können wir Krankheiten frühzeitig erkennen und schnell reagieren“, erläutert Dr. Ulrich Kau.

Schlagkräftiges Team für die Gesundheit

Das richtige Krafttraining, eine gute Rudertechnik und regelmäßige Physiotherapie können auch hier vorbeugen. Dazu steht im Deutschen Ruderverband ein großes Spezialisten-Team bereit, das für die Gesundheit aller Leistungssportler Hand in Hand arbeitet.
So versorgt ein fünfköpfiges Ärzteteam die Ruderer in ganz Deutschland: Hierzu zählen, neben dem Verbandsarzt Dr. Ulrich Kau, Thomas Hoffmann und Dr. Peggy Kotsch in Potsdam sowie Dr. Philip Hitzler und Lenka Wech in Dortmund. Hinzu kommt das Team der Physiotherapeuten unter der Leitung von Carsten Hoffmann.
„Wir sind eine große Truppe und können uns so bei der Betreuung der zahlreichen Trainingslager und Regatten abwechseln, so dass immer jemand vor Ort ist“, erzählt der Verbandsarzt. Schließlich haben alle Ärzte auch noch eigene Praxen und andere Verpflichtungen.

Verbandsarzt, Praxisinhaber, Familienvater

Die eigene Praxis in Oestrich-Winkel, ein Lehrauftrag an der Universität Mainz, die eigene Familie und das eigene Sportprogramm: „Uli“ Kau – wie ihn seine Sportler nennen – ist ein gefragter Mann. „Mit Leidenschaft, Engagement und einem bewussten Zeitmanagement“ bringt der zweifache Vater alles unter einen Hut.
Jedes zweite Wochenende verbringt er als Verbandsarzt am Dortmunder Ruderleistungszentrum, was sich offensichtlich lohnt: „Die Arbeit mit den Sportlern macht großen Spaß. Ich habe hier in den letzten Jahren viele nette Leute kennengelernt, die sich immer dankbar zeigen für die Unterstützung durch das gesamte Ärzteteam.“