Rudern um Gleichberechtigung
Und wieder ist ein Meilenstein der Gleichberechtigung erreicht. Nun ja, noch nicht ganz. Aber immerhin ist dieses Zwischenziel schon in Sichtweite.
Es liegt am rechten Ufer der Themse, ziemlich genau 129 Meter flussaufwärts der Putney Bridge in London. Von dieser Startmarke, einem der beiden offiziellen University Boat Race-Steine, aus werden nämlich an einem Sonntag im Frühjahr 2015 18 Studentinnen, je acht Ruderinnen und eine Steuerfrau, in zwei Booten erstmals zu einem Rennen starten, das die Männer dann schon zum 161. Mal austragen.
Es hat also eine Weile gedauert, bis sich auch die Verantwortlichen des berühmtesten Ruder-rennens der Welt zwischen den Universitätsteam von Oxford und Cambridge einer doch längst selbstverständlichen Entwicklung gebeugt haben. Von 2015 an werden Frauen nicht nur am selben Tag wie die Männer rudern, sondern auch über eben diesen anspruchsvollen, kurvigen 6779-Meter-Kurs – und sogar unter denselben finanziellen Bedingungen, die ein gerade neu ausgehandelter Sponsorenvertrag über fünf Jahre bietet.
In ihrer stets eigenen Sichtweise zitierte die britische Presse sofort Churchills berühmte Kriegs-ansprache, um dem historischen Ausmaß gerecht zu werden: Nach 180 Jahren Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß, so heißt es da, erhalte nun also auch einer der großen Gladiatoren-Kämpfe des Sports eine weibliche, „wenn auch nicht weniger brutale“ Komponente.
Das sind kernige Sätze. Dabei war doch auch diese Schlacht eigentlich schon längst geschla-gen. Seit 1976 ist auch das weibliche Rudern olympisch. Und seit 1977 schon wird das legen-däre Rennen auf der Themse Jahr für Jahr zweimal ausgetragen. Aber es sah bislang halt kaum jemand hin, wenn die Frauen eine Woche vor den Männern auf einem anderen Teil des Lon-doner Stromes und nur über 2000 Meter ihre Regatta fuhren.
Das wird nun anders. Und „dies ist gut für den Rudersport, für die Gleichberechtigung und den Sport insgesamt“ – so sprach einer derjenigen, die die Wende herbeigeführt hatten: Der Vorstandsvorsitzende des neuen Titelsponsors, der schon seit zwei Jahren das Frauenrennen unterstützt – und offensichtlich weiß, was er tut.
Was uns das diesseits des Kanals sagt? Dass die Nachricht aus London bei uns nicht allzu viele Wellen schlug, könnte daran liegen, dass die Bemühungen um ein gleichberechtigtes Neben-einander der Geschlechter auch im Sport hier schon sehr viel weiter gediehen sind als bei den Erfindern des geregelten Sports. Aber der Eindruck könnte auch täuschen. Denn selbst wenn die Bretter, die es auch hier noch zu bohren gilt, dünner wirken – es gibt sie noch. Und sie verstellen auch bei uns noch viel zu Vielen die freie Sicht. Vielleicht helfen die Ruderinnen aus Oxford und Cambridge allerdings, sie noch schneller aus dem Weg zu räumen.
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