Landes- und Nachwuchstrainer tagten in Ratzeburg

  • Vergleich Körperpositionen und Lastmomente

    Vergleich Körperpositionen und Lastmomente

von Dietmar Langusch
17.02.2012 - 20:26 Uhr

Schwerpunktthema „Rudertechnisches Leitbild des DRV“

Zur Tradition geworden im Kreise der Landes- und Nachwuchstrainer im U19-Bereich, ist eine Sitzung zu Jahresbeginn, auf der relevante Themen in Vorbereitung der bevorstehenden Saison besprochen werden. Ursprünglich in Mainz vorgesehen, musste aus organisatorischen Gründen kurzfristig ein neuer Tagungsort gefunden werden. In Zusammenarbeit zwischen Bernd Nennhaus (Hamburg) und dem Vorsitzenden des Landesruderverbandes Schleswig-Holstein, Reinhard Grahn, konnte die Sitzung noch rechtzeitig vor Beginn in den hohen Norden verlegt werden.

Die Ruderakademie Ratzeburg bot den Vertretern von 13 Landesruderverbänden und den Gästen seitens des DRV optimale Bedingungen für den Verlauf der Tagung, Übernachtung und Verpflegung, alles in einem Hause.

Ein besonderes Lob gebührt der Küchenmannschaft der Ruderakademie für das hervorragende Essen und ein ganz besonderes Dankeschön geht an den Landesruderverband Schleswig-Holstein, der sich, wie nicht anders gewohnt, als guter und herzlicher Gastgeber in einem terminlichen Engpass erwiesen hatte!

In zwei größeren Themenblöcken wurde die Veranstaltung vom leitenden Hamburger Landestrainer und U19-Bundeshonorartrainer Bernd Nennhaus routiniert, kompakt und dennoch mit ausreichender Zeit für notwendige Diskussionen moderiert.

Teil 1 der Tagung war einem „ewig jungen“ Themengebiet gewidmet, dem Schwerpunkt: Rudertechnisches Leitbild des Deutschen Ruderverbandes.

Die hohe Bedeutung dieses Aspekts wurde durch die Anwesenheit des DRV-Cheftrainers Hartmut Buschbacher, des U19-Bundestrainers Lothar Trawiel und nicht zuletzt durch Prof. Dr. Klaus Mattes (Universität Hamburg, Trainingswissenschaften – Schwerpunkt Biomechanik) unterstrichen.

Ausgangspunkt bildete die Frage: Entspricht das rudertechnische Leitbild des DRV den aktuellen Erfordernissen im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich?

Die rege Diskussion zu diesem hochinteressanten und stets aktuellen Thema wurde visuell durch Videosequenzen international erfolgreicher Sportler, die andere Schwerpunktsetzungen der Rudertechnik aufweisen als im Leitbild des DRV festgehalten (z.B. Mahe Drysdale(NZL)), in Gang gebracht. Die vorhandene Expertise der anwesenden Trainer wurde ergänzt durch eine außerordentlich fundierte, strikt wissenschaftlich orientierte Betrachtung durch Professor Mattes. Neben Erkenntnissen aus einer Vielzahl von Messfahrten mit dem Messsystem des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (F.E.S.) Berlin, wies sein Vortrag eine Fülle wissenschaftlicher Daten auf, die weit über den Informationsgehalt der Messfahrten hinausreichen. Insbesondere die Informationen zu elektromyografischen Messungen beim Rudern (Welche Muskeln/welche Muskelschlingen arbeiten in welcher Phase des Ruderschlags unter Berücksichtigung von bestehenden Wechselwirkungen) gaben entscheidende Hinweise zum Für und Wider verschiedener Ausprägungen der Rudertechnik.

Nach diesem Vortrag und einer ausführlichen Diskussion brachte DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher die einhellige Meinung der versammelten Trainerschaft auf den Punkt: „Der Deutsche Ruderverband befindet sich mit seinem rudertechnischen Leitbild auf der Höhe der Zeit!“

Weiterhin wurde vom Cheftrainer als Zielrichtung postuliert das rudertechnisches Leitbild für den Nachwuchs, bzw. die rudertechnische Grundausbildung jüngerer Ruderer in den Vereinen über die verantwortlichen Landestrainer als Grundorientierung durchzusetzen. Damit können die notwendigen Voraussetzungen der rudertechnischen Fähigkeiten und Fertigkeiten geschaffen werden, um in der offen Seniorenklasse national und international erfolgreich zu sein.

Es gibt derzeit keinen Grund zur Korrektur der aktuell bestehenden Auffassungen. Allenfalls zu beachten sind individuelle Erfordernisse bei den einzelnen Sportlern, die eine Variation des Ruderstils bedingen können.

Andere erfolgreiche Ansätze der Rudertechnik im internationalen Vergleich lassen sich vor allem mit den besonderen spezifischen körperlichen und athletischen Voraussetzungen einzelner Sportler begründen sind von ihrer wissenschaftlichen Fundierung gesehen dem Leitbild des DRV aber aus jetziger Sicht nicht überlegen.

Weitere interessante Aspekte zu diesem Themenblock kamen ebenfalls von Seiten der Trainingswissenschaft. Es wurde über geplante Forschungsvorhaben berichtet und erste Ergebnisse momentaner Untersuchungen vorgestellt (insbesondere: „Sonifikation“ – Projekt von Nina Schaffert/Klaus Mattes, bei dem der Schlagzyklus den Sportlern akustisch rückgemeldet wird).

Diesem anspruchsvollen Part folgte ein gemeinsamen Abendessens, bei dem die Gelegenheit zum Gedankenaustausch in gemütlichem Rahmen bestand und so konnten die Trainer gestärkt in jeglicher Hinsicht den zweiten Themenblock am folgenden Vormittag in Angriff nehmen.

Lothar Trawiel als verantwortlicher Bundestrainer des DRV für den U19-Bereich (Junioren) analysierte in einer umfassenden Präsentation die positiven Ergebnisse der Junioren-Weltmeisterschaften 2011 im englischen Eton.

Daraus abgeleitet wurde die Planung für die bevorstehende Saison 2012 detailliert dargestellt und im Trainerkreis diskutiert. Der erfolgreichen und bewährten Regattaabfolge mit DRV-Frühtest in Brandenburg (erste Kleinboot-Rangliste und Rennen in den Mittelbooten), gefolgt von den Regatten in München, Köln und Hamburg (Zweite Kleinboot-Rangliste und Rennen in den Mittel- und Großbooten), folgt die Nominierung der Aspiranten für die Junioren-WM in Plovdiv (BUL) wie gewohnt anlässlich der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Essen.

Eine Besonderheit in der Vorbereitung der Junioren-Nationalmannschaft auf den internationalen Zielwettkampf ergibt sich in diesem Jahr durch den späten Austragungstermin (Mitte August). Diese Verschiebung lässt sich mit der Terminierung der Olympischen Regatta in London/Eton erklären. Demzufolge wird nach der Mannschaftsbildung Anfang Juli eine 14tägige Trainingsphase in den Vereinen bzw. in Form regionaler Zusammenführungen stattfinden, bevor die unmittelbare Wettkampf-vorbereitung (UWV) wiederum in Berlin-Grünau die Gesamtmannschaft zusammenführen wird.

Ein weiteres Thema stellte die enggefasste finanzielle Ausstattung für die Saison 2012 dar. Moritz Petri als Vorsitzender der Deutschen Ruderjugend sowie Martin Behnke (DRV-Leistungssportreferent), konnten gemeinsam mit Lothar Trawiel das Gros der erforderlichen Informationen zusammentragen und dem Auditorium vorstellen.

Am frühen Nachmittag konnten die Teilnehmer der Tagung dann nach zwei interessanten und arbeitsreichen Themenblöcken die Heimreise antreten und versehen mit den notwendigen Informationen ihre Arbeit in den Landesruderverbänden im gewohnten Rhythmus wieder aufnehmen.