99. Deutsches Meisterschaftsrudern

Berliner RC holt seinen 100. Titel

Der RTHC Bayer Leverkusen und der RV Saarbrücken gingen als große Sieger aus dem diesjährigen Deutschen Meisterschaftsrudern. Während die Aktiven aus dem Saarland in vier Rennen an den Titeln beteiligt waren, setze sich der Verein von der rechten Rheinseite in der Gesamtwertung vor Saarbrücken und Bonn durch.

Der Titel im Frauen-Doppelvierer ging an das hochkarätig besetzte Boot mit der frischen Junioren-Weltmeisterin Anne Beenken/Judith Sievers/Sophie Paul/Nina Wengert. Die beiden letztgenannten, die sich auf die Universitäts-Weltmeisterschaft in Kazan vorbereiten, gewannen am Sonntag auch den Doppelzweier deutlich. Katharina Weingart entschied den Einer vor Daniela Molle für sich. Immerhin zwei Boote hatten zum Frauen-Achter gemeldet. Die Rgm Mainz/Tübingen/Hanau/Trier/Bonn setzte auf junge Nachwuchskräfte (Lauer/Taeuber/Dinter/Henrich/Jonas/Redetzki/Götz/Kühne/St. Forster) und ließ Bonn/Hüth das Nachsehen. Zwei Boote lagen im LG-Frauen-Doppelzweier am Start. Hier gewann der RC Süderelbe Hamburg in der Besetzung Judith Anlauf/Svenja Völkner nach einer besseren zweiten Streckenhälfte vor Offenbach.
Als überraschender Rennausgang bleibt der Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier in Erinnerung. Die Junioren Moritz Moos und Jason Osborne (Mainz/Marl) setzten sich gegen die Brüder Schömann-Finck in einem klasse Rennen mit einer guten Länge durch. Im LG-Zweier ohne waren dann die beiden frischen Achter-Weltmeister vom RV Saarbrücken nicht zu bezwingen und verteidigten ihren Titel vom Vorjahr. Hier freute sich die RG Wiking Berlin über Silber. Die Meisterkette für den "Meister von Deutschland" durfte Hagen Rothe (RV Berlin) tragen, nachdem er Heiner Schwartz (Leverkusen) im Einer bezwang. Es handelt sich um ein kostbares Stück, sodass dem Berliner lediglich ein Foto als Dauergabe bleibt. Im Achter hatte Rothe am Vortag in der Rgm Berliner RC / RK am Wannsee / RV Berlin (Bock/Kuhnert/Habermann/Rothe/Lozenz/Schröter/Braun/Bechler/ St. Maury) neben dem Titel auch den Karl-Adam-Gedächtnispreis, den Kraft Schepke überreichte, mit seinen Kameraden errudert. Für den Berliner RC war dies der 100. Deutsche Meistertitel, dem noch der 101. im Vierer mit (Kunert/Lorenz/Braun/Bechler/St. Maury) vor der Kombination Leverkusen/Bonn folgte. Damit erruderte sich der Olympiasiebte Anton Braun noch zwei nationale Titel. Im Doppelzweier gewann Lauritz Schoof mit Felix Krane (Leverkusen) nach seinem Olympiasieg in einem Drei-Boote-Feld erneut Gold. Immerhin fünf Boote gingen im LG-Einer am Start. Altmeister Michael Wieler gewann vor Tobias Schad. Einen weiteren Erfolg für den Mainzer RV ruderten Christoph Thiem / Christian Scherhag vor dem RTHC Bayer Leverkusen, der in fast allen Rennen vertreten war und so wesentlich zum Gelingen der Meisterschaft beitrug.

Die weiteren Rennen wurden durch Einzelmeldungen entschieden:

  • SM 4x : RTHC Bayer Leverkusen
  • SM 4x LG: Rgm Limburger ClfW / RV Hellas Offenbach / Mühlheimer RV
  • SM 4-: RTHC Bayer Leverkusen
  • SF 2-: Rgm RV Dorsten / Essen-Werdener RC
  • SF 4x LG: Rgm Bremer RV / RC Süderelbe Hamburg
  • SM 8+ LG: RG Wiking Berlin
  • SF 1x: Bonner RG (Johanna Coenen)
  • SF 4-: Rgm Bremer RV / Bremer RC HANSA
  • SM 4- LG; ausgefallen.

Ein wichtiger Bestandteil der Regatta waren die Rennen der MASTERS. Viele Teams nutzen die Rennen auf dem Fühlinger See, um sich auf das MASTERS-Event in Duisburg vorzubereiten. Erneut stellten die Aktiven der Altersklasse ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis und boten in ihren Rennen hochkarätigen Sport mit spannenden Zieleinläufen.

Das 99. Deutsches Meisterschaftsrudern wird sicher nicht als Erfolg in die Geschichte des Rudersports eingehen. Zu den 22 Rennen lagen 51 Meldungen vor. Aufgrund einiger Abmeldungen wurden daher 8 Titel nur aufgrund der Meldung vergeben. Dabei hatten die Vereine auf dem letzten Rudertag in Schweinfurt klar für ein DMR in klassischer Form votiert.
Der Termin war so gewählt, dass für die Spitzenruderer keine Verpflichtungen in Nationalmannschaften bestanden und gleichzeitig noch eine gewisse Nähe zu anderen 2000m-Regatten gegeben war. Auch Sportler, die nicht gegen die Nationalmannschaft antreten wollen, galten als Zielgruppe. Insgesamt entsprach das Konzept dem bewährten Muster der Kanuten, die die nationale Meisterschaft immer kurz nach den internationalen Spitzenevents austragen.

Dem Kölner-Regatta-Verband und der Stadt Köln gilt gleichwohl der Dank, die Ausrichtung dieser Meisterschaft - verbunden mit den MASTERS-Rennen - übernommen zu haben. Wie immer wurden meisterschaftswürdige Rahmenbedingungen geboten. Das Interesse der Stadt ließ sich an der Anwesenheit des Herrn Bürgermeisters Manfred Wolf ablesen, der sich an beiden Tagen an der Siegerehrung beteiligte.

Dennoch waren diese Meisterschaften keine Werbung für den Rudersport. Deutscher Meister kann nur werden, wer sich beteiligt. Daher bleibt festzustellen, dass auf Rudertagen formulierte Forderungen und Ansprüche offenbar nicht in Meldungen umgesetzt werden. Dies lässt an der Bedeutung für Vereine und Athleten zweifeln. Für die nationale Spitze scheint eine Meisterschaft außerhalb üblicher Starts keine besondere Relevanz zu haben, während für ambitionierte Leistungssportler die Wettkampfdistanz wohl zu anspruchsvoll ist. Der Rudertag wird sicher eine kluge Entscheidung treffen. Hierzu will der zuständige Fachausschuss unterschiedliche Vorschläge unterbreiten. Immerhin steht im kommenden Jahr die 100. Auflage des DMR an!