Gesundheitliche Aspekte im Breitensport

Dass regelmäßige körperliche Aktivität positive gesundheitliche Effekte hat, wurde bereits in vielen epidemiologischen Studien nachgewiesen. So weisen körperlich aktive gegenüber inaktiven Personen beispielsweise ein deutlich geringeres Risiko auf, an Arterienverkalkungen (Arteriosklerose) oder Herzkranzgefäßverengungen (Koronare Herzkrankheit) und ihren Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken. Insofern ist es aus präventivmedizinischer Sicht sinnvoll, sich körperlich bzw. sportlich zu betätigen. Auch bei bereits eingetretenen Erkrankungen konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden, dass körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf Erkrankungen wie z. B. einen zu hohen Blutdruck haben kann.

Um einen positiven Effekt für den Organismus zu erzielen, ist es jedoch nicht notwendig, wie ein Leistungssportler oder Hochleistungssportler zu trainieren. Wichtig ist es allerdings, regelmäßig zu trainieren und darauf zu achten, sich nicht zu überlasten bzw. zu intensiv zu trainieren, da bei intensiven bzw. hoch intensiven Belastungen die Energie zunehmend bzw. ganz ohne Sauerstoff gewonnen wird (sog. anaerobe Energiebereitstellung), so dass die Belastung nach kurzer Zeit abgebrochen werden muss.

Darüber hinaus kommt es bei intensiven bzw. hochintensiven Belastungen zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die mit einem starken Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdruckes einhergeht, wodurch das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung sogar erhöht sein kann (z. B. erhöhtes Herzinfarktrisiko, negative Effekte auf das Immunsystem). Aus sport- und präventivmedizinischer Sicht ist es deshalb sinnvoll, überwiegend ausdauerorientiert im sog. aeroben Bereich zu trainieren, in dem die Energiebereitstellung über die Verstoffwechslung von Sauerstoff, Glukose und Fett erfolgt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Belastung über längere Zeit durchgehalten werden kann und die positiven gesundheitlichen Effekte überwiegen.

Bei der Ausübung gesundheitsorientierter sportlicher Aktivitäten kann als Faustregel gelten, sich nur so zu belasten, dass man sich dabei noch unterhalten kann und die Belastung über eine Dauer von mindestens 20–30 Minuten aufrecht erhalten werden kann. Zu bevorzugen sind dabei Sportarten wie z. B. Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Rudern, die mit einer Beanspruchung von großen Muskelgruppen einhergehen.

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(Sport-) Ärztliche Untersuchung

Nicht nur im Leistungssport, sondern auch im Breitensport ist es wichtig, regelmäßige (Sport-) ärztliche Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Hierdurch können eventuelle Erkrankungen, die zum plötzlichen Herztod beim Sport führen können, erkannt werden.

Beschwerden wie Herzklopfen oder Herzrasen, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle, Brustschmerzen bzw. Brustenge oder Luftnot sowie eine familiäre Häufung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern dem untersuchenden Arzt wichtige Hinweise, um ggf. weitere Untersuchungen zu veranlassen.

Bei der körperlichen Untersuchung können durch Abhören von Herz und Lungen, Erhebung des Pulsstatus und der Blutdruckmessung weitere wegweisende Zusatzinformationen gewonnen werden. Bei Sportlern oberhalb von 35 Jahren ist neben der Durchführung eines Ruhe-EKGs insbesondere beim Vorliegen von Risikofaktoren die Durchführung eines Belastungs-EKGs sinnvoll.

Eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung des Herzens sollte bei Breitensportlern bei verdächtigen Symptomen, Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung oder im Belastungs-EKG erfolgen. Weitere Informationen zur sportmedizinischen Untersuchung können auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention unter der Rubrik „Wissen heute“, „Empfehlungen zur sportärztlichen Untersuchung“ entnommen werden.

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Plötzlicher Herztod im Sport

Das Risiko, einen plötzlichen Herztod beim Sport zu erleiden, ist abhängig von Alter, Geschlecht, Trainingszustand und Belastungsintensität.

Für amerikanische Highschool-Athleten wird die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes mit 1:200.000/Hochschuljahr und für augenscheinlich gesunde ältere Athleten, Jogger und Marathonläufer mit 1 : 50.000/Jahr angegeben, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Des Weiteren haben Untrainierte bei ungewohnter und intensiver körperlicher Belastung ein vielfach höheres Risiko als Trainierte.

Statistisch betrachtet ist das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden bei sportlicher Aktivität zwar größer als in Ruhe, doch spricht die Bilanz eindeutig für einen herzschützenden Effekt durch regelmäßiges körperliches Training.

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Sportbedingte Veränderungen des Herzens

Bekanntermaßen können bei Sportlern Besonderheiten gefunden werden, deren Abgrenzung bei der klinischen Untersuchung gegenüber krankhaften Veränderungen teilweise Schwierigkeiten bereiten kann. Diese sportbedingten Normvarianten sind besonders häufig, wenn sich ein Sportherz entwickelt hat. Dies stellt eine gesunde (physiologische) Größenzunahme des Herzens an immer wiederkehrende Ausdauerbelastungen dar. Allerdings sind Sportherzen sehr viel seltener als allgemein angenommen wird. Neben genetischen Faktoren spielen Trainingsumfang und -intensität eine entscheidende Rolle. Erst ab einer Laufstrecke von etwa 70 km pro Woche mit entsprechender Intensität ist mit einer Sportherzvergrößerung zu rechnen. Durch die Vergrößerung (exzentrische Hypertrophie) ist das Sportherz vermehrt leistungsfähig. Nach Ende der sportlichen Karriere kommt es zur Rückbildung der Herzgröße.

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Krankhafte Veränderungen des Herzens

Wie bereits erwähnt, sind plötzliche Todesfälle beim Sport selten und meist durch Vorschädigungen des Herzens bedingt. Bei Sportlern unterhalb 35-40 Jahren ist als häufigste Ursache eine krankhafte Herzmuskelverdickung, die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie, zu nennen, die je nach Studie in etwa 20–35 % der Fälle die Ursache des plötzlichen Herztodes darstellt. Darüber hinaus sind Anomalien der Herzkranzgefäße, der Hauptschlagader, krankhafte Veränderungen der rechten und/oder linken Herzkammer (Arrhythomogene rechtsventrikuläre Dysplasie, dilatative Kardiomyopathie) sowie Herzmuskelentzündung die häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztodes bei jungen Sportlern.

Im Gegensatz dazu stellt bei Sportlern über 35–40 Jahren die Herzkranzgefäßverengung (Koronare Herzkrankheit) die häufigste Todesursache dar. Häufig bestanden bei diesen Sportlern bereits im Vorfeld Symptome, die auf eine Herzkranzgefäßverengung hindeuten, aber nicht wahrgenommen oder ignoriert wurden. Dies heißt aber nicht, dass fehlende Beschwerden eine (eventuell lebensbedrohliche) Herzerkrankung immer ausschließen.

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Warnsymptome

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Veränderungen der Herzfrequenz

Ein nicht erklärbarer Anstieg der Herzfrequenz in der Ruhe oder bei vergleichbarer Belastung oder aber ein verzögerter Abfall in der Erholungsphase erfordern eine ärztliche Untersuchung.

Häufige, vom Herzen unabhängige Ursachen sind akute Belastungen oder Übertrainingszustände, aber auch Fehlmessungen.

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Rhythmusstörungen

Unter diesem Begriff werden unterschiedliche Symptome zusammengefasst:

Einzelne Aussetzer, Herzrasen. Häufig treten Rhythmusstörungen in Ruhe, oft nachts beim Schlafen auf. Andererseits können sie durch körperliche Belastungen oder Bewegungen auch ausgelöst werden. Vereinzelt auftretende Pulsunregelmäßigkeiten, oft als Herzstolpern empfunden, sind meist harmlos. Viele Gesunde haben vereinzelte Extrasystolen, d.h. Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus, ohne diese zu spüren. Insbesondere neu auftretende Rhythmusstörungen, vor allem in Zusammenhang mit Infektionen, müssen abgeklärt werden.

Schwindel und Ohnmachtszustände, Herzerkrankungen, insbesondere Rhythmusstörungen können zu plötzlichen Erscheinungen wie Sehstörungen, Schwindel und Kollapszuständen mit Bewustlosigkeit führen. Lageabhängiger Schwindel beim plötzlichen Aufrichten ist in der Regel harmlos.

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Luftnot

Jede neu aufgetretene Luftnot muss abgeklärt werden. Sie kann auf einer eingeschränkte Herzmuskelfunktion, beispielsweise in Folge einer Herzmuskelerkrankung, aber auch eine akute Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße hinweisen. Anfallsartig auftretende Luftnot ist verdächtig auf ein Asthma bronchiale oder ein Anstrengungsasthma. Luftnot kann aber auch psychische Ursachen haben.

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Schmerzen

Vom Herzen verursachte Schmerzen sind meist im Brustkorbbereich lokalisiert. Schmerzen hinter dem Brustbein - insbesondere Beklemmungsgefühl und Brennen - sind typisch für eine Angina pectoris bei einer Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) und können in verschiedene Regionen ausstrahlen oder auch dort beginnen (Arme, Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch). In der Herzgegend empfundene Schmerzen (z. B. Herzstiche) sind eher unspezifisch und häufig ohne organischen Befund. Bei Schmerzen, die während Belastung auftreten und mit ansteigender Intensität zunehmen, muss immer eine Herzerkrankung durch den Arzt ausgeschlossen werden. Ein Teil der im Brustkorb verspürten Schmerzen ist auf Wirbelsäulenveränderungen zurückzuführen und erfordert eine orthopädische Untersuchung.

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Leistungsknick

Ein plötzlicher Leistungsabfall kann verschiedene Ursachen haben. Man sollte auch an eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und/oder einen versteckten Infektherd als Ursache denken.

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Familienvorgeschichte

Plötzlicher Herztodesfälle in der Familie, vor allem bei Familienmitgliedern, sind verdächtig auf erbliche Einflüsse. Ein internistisch-kardiologische Untersuchung ist notwendig. Dies betrifft auch Verwandte von Personen, bei denen vererbbare Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind.

Dr. med. Jürgen Scharhag
Prof. Dr. med. Axel Urhausen
Prof. Dr. med. W. Kindermann

Institut für Sport- und Präventivmedizin Universität des Saarlandes

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