Bugspitze
Auf einer Berliner Elite-Regatta 1968 stießen zwei Rennboote zusammen, wobei eine Bootsspitze (Abb.79) einem Ruderer ins Bein drang. Möglicherweise war der Gummiball bei der vorangegangenen Kollision mit einem Ausleger abgerissen. Dieser Unfall und weitere Vorkommnisse mit noch schwereren Verletzungen gaben Veranlassung, die zur Verhütung solcher Unfälle getroffenen Maßnahmen zu überprüfen.
Die FISA hat daraufhin angeordnet, dass nur Boote zu internationalen Rennen zugelassen werden können, deren Steven durch einen 4 cm starken VoIlgummi-Ball (Abb.80) gesichert oder entsprechend gestaltet und erkennbar ist. Er dient auch der besseren Kennung beim Zieleinlauf. Der Deutsche Ruderverband hat diese Vorschrift übernommen und lässt sie durch Kontrollkommissionen auf den Regattaplätzen regelmäßig überwachen.
Es ist weitaus besser, die Spitze einfach abzuschneiden oder aber – bei Neubauten – den Bootssteven oberhalb der Wasser1inie wulstförmig zu gestalten (Abb.81 u. 82). Ein solcher Wulstbug braucht keinen Gummiball. Die Folgen eines Zusammenstoßes sind bei einem harten Gummiball nicht anders als bei einem hölzernen Wulst, auf jeden Fall aber weitaus weniger gefährlich als die durch eine Spitze verursachten.
Der im Modell dargestellte Wulstbug ist praktisch durchführbar. Er könnte wohl auch noch etwas leichter ausgeführt werden, ohne dabei an Sicherheit zu verlieren. Ein vor den eigentlichen Steven geleimter Wulst aus Balsa-HoIz wäre denkbar. Formen für formverleimte und Kunststoff-Boote lassen sich ohne Schwierigkeit entsprechend ändern. Warum also sollen wir noch weiterhin das Risiko mit den übertrieben spitzen Bootssteven eingehen!
Erstellt nach einer stark veränderten Vorlage von Wilhelm Reuß.




