Steuersitz
Vor allem von älteren Wanderruderern wird häufig über unbequeme Steuersitze ohne hinreichende Unterstützung des Rückens geklagt. Wenn man sich die Mühe macht, die unterschiedlichen Ausführungen der Werften auf Bequemlichkeit hin zu untersuchen, bleibt nicht viel Gutes zu berichten. Gott sei Dank ist die Zeit nun wohl endgültig vorbei, in der ein gerades Brett mit einer aufsteckbaren geraden Rückenlehne den „Martersitz“ des Steuermannes bildete. Die Tendenz, den Steuermann möglichst tief ins Boot zu setzen, hat zu mehr sitzgerechten Bauweisen geführt (Abb. 73).
Problematisch sind meistens die Rückenlehnen. Häufig ist innen am Dollbord lediglich ein breiter Lederriemen angebracht, der viel zu tief sitzt und den Rücken nicht unterstützt. Fast immer reißen die Riemen nach kurzer Zeit an den Befestigungsstellen ab. Nur auf besonderem Wunsch bauen einige Werften drehbare Rückenlehnen ein. Eine wirkliche Hilfe sind diese jedoch nur, wenn sie möglichst hoch auf dem Dollbord angebracht (Abb.73) oder einsteckbar (Abb.75) sind und aus einem breiten, auch in der Form dem Rücken angepassten Sperrholz bestehen.
Inzwischen hat sich der formverleimte PAK-Holz-Sitz (Abb.76) – ursprünglich ein Schulstuhlsitz, den der Arbeitskreis Gig und Technik des DRV als Steuersitz vorgeschlagen hat – bei den Gigs allgemein durchgesetzt. Er ist fest installiert, lässt sich zum Einlagern oder Transport der Boote in den Fußraum des Steuermanns abklappen (Abb.76) und ist auch nachträglich noch direkt über den alten Sitz einzubauen. Damit ist ein größtmöglicher Komfort für den Steuermann erreicht worden.
Erwähnenswert ist noch eine Trimm-Möglichkeit mit Hilfe des Steuersitzes und der Rückenlehne, die AUGUST HAUSEMANN in den 50er Jahren entwickelt hat. Er wollte die Längstrimmung des Bootes durch Verschieben der Masse des Steuermanns im Boot verbessern. Für C-Vierer baute er einen verlängerten Steuermannssitz und in den Rücken-Lederriemen ein Gürtelschloss ein (Abb.74).
So konnte er im Bedarfsfall den Steuermann bis zu 30 cm nach vorn oder hinten verschieben und in der Längstrimmung das Boot wieder genau in die Waage bringen. Eine Idee, die vielleicht bei den verstellbaren Rollbahnen und der Jagd nach 1/10 sec heute wieder aktuell werden könnte!
Der vorn im Bug von Rennbooten angeordnete Platz für einen liegenden Steuermann – erstmals von der Bootswerft Opelit eingeführt – ist außerordentlich günstig wegen der damit verbundenen Verringerung des Luftwiderstandes (Abb.77 u. 78). Allerdings muss bei dieser Anordnung die Mannschaft vom Steuermann über eine Lautsprecheranlage angefeuert werden. Bei der taktischen Durchführung des Rennens ist eine Abstimmung zwischen Steuermann und Mannschaft kaum noch möglich. Man findet deshalb diese Anordnung am meisten beim Zweier m. Stm. oder Vierer, im Achter kaum noch. Bei den großen Booten dürften auch die Nachteile der fehlenden Zusammenarbeit die Vorteile wieder ausgleichen.
Da bei den modernen Sandwich-Rennbooten die Öffnungen für den vorn liegenden Steuermann immer enger wurden und bei einer Kollision die Gefahr bestand, dass der Steuermann nicht schnell genug das Boot verlassen konnte, hat die FISA eine Mindestöffnung von 70 cm Länge und 50 cm Breite vorgeschrieben.
Erstellt nach Vorlagen von Hans Rath und Wilhelm Reuß.







