Kirchboote
Finnische Kirchboote sind erstmals Mitte der neunziger Jahre in Deutschland gefahren worden und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Wanderfahrten, Regatten und einfachen Ausfahrten.
Sie haben auf jeder Seite sieben Ruderplätze und einen Platz ganz im Heck für den Steuermann, sind 12 m lang und zwischen 1,80 m und 1,95 m breit. Mit ausgelegten Riemen beträgt die Breite 6,8 m, das ist 1,25 m mehr als bei Skullbooten und knapp 20 cm weniger als bei Riemenbooten. Man kann mit ihnen quasi alle Gewässer und Engstellen wie mit einem Gigvierer befahren, zumal das Steuerruder extrem wirksam ist. Die Kirchboote haben sich insbesondere bewährt, wenn es durch raues Wasser geht oder Geselligkeit gepflegt werden soll. Aufgrund der Einfachheit der Ruderanlage (nur ein Ruder, das man nicht drehen und nach außen drücken muss, viel Platz für Hände und Beine) ist der Bewegungsablauf sehr schnell zu erlernen. Man kann auch mit absoluten Laien gleich auf größere Fahrt gehen. Außerdem ist es hier – dicht beieinander rudernd – sehr kommunikativ. Im Kirchboot fährt man mindestens so schnell wie im Doppelvierer.
Die Bauweise der finnischen Boote ist sehr einfach, denn schließlich kostet der Bootsplatz hier nur rund ein Drittel von dem, was bei einem Gigboot heimischer Produktion aufzuwenden wäre. Kiefernholz ist dominierend und viele Verbindungen werden oft einfach mit Nägeln realisiert. Der Aufwand für die Pflege ist höher als bei Kunststoffbooten und notwendige Ausbesserungen erfordern ein gutes handwerkliches Können. Trotz Normung durch den finnischen Ruderverband können die Kirchboote von Werft zu Werft und auch von der gleichen Werft von Boot zu Boot sehr unterschiedlich sein. Das betrifft auch die Anordnung von Spanten und Trägern. Daher sind die Vorschläge zum Ausbau mit Rollsitzen und Stemmbrettern als allgemeine Empfehlungen zu verstehen. Kiel, Steven, Spiegel und Einbauten sind aus Kiefernvollholz und die Spannten meist aus Eschenholz hergestellt. Für die geklinkerten Planken wird in der Regel 9 mm dickes wasserfest verleimtes Kiefernsperrholz verwendet. Die Riemen haben Dollenösen und werden auf hakenförmige Dollenstifte gesteckt, die auf dem Dollbord fest verschraubt sind. In den alten original finnischen Booten sitzen die Ruderer i.d.R. nicht auf Rollsitzen, sondern mit Kissen auf Rutschbahnen.
In Finnland werden Kirchboote heute fast ausschließlich im Regattasport gefahren und sind deshalb sehr einfach ausgerüstet. Neben der Umrüstung alter Boote auf Rollsitzbetrieb können noch weitere Verbesserungen für den allgemeinen Ruderbetrieb empfohlen werden. Sie betreffen die Bodenbretter, Stemmbretter, Ruder, Querträger, Einsteigbrettchen, Klampen, das Steuer, den Steuersitz und Gummipuffer am Bug und am Bootstransportanhänger. Weitere Hinweise und Beschreibungen liefern die Autoren auf Anfrage.
Redigierter Beitrag von Hans-Peter Kozerski, Peter Thöl und Christian Kuckla.

