Ortsveränderliche feste Plattformen (Slipstege)
Was im "Reuß" vor nahezu 40 Jahren noch als außergewöhnliche Sonderkonstruktion vorgestellt wurde, gehört heute zu einer verbreiteten Ausführung von Plattformen an Gewässern mit größeren Schwankungen des Wasserpegels. Es handelt sich um auf dem festem Grund einer breiten Rampe auf Schienen slipbare Plattformen, die mittels Winden dem Wasserstand nachgeführt werden. Sie haben den Vorteil, statisch leichter berechenbar zu sein als die den Strömungskräften ausgesetzten schwimmenden Anlagen. Sie erfordern allerdings eine sehr solide Ausbildung des Untergrundes bzw. der Unterkonstruktion als Auflage für die Laufschienen - auch in dem überstrichenen Unterwasserbereich, der evt. bei Niedrigwasser benutzt werden muss. Basis ist eine befestigte Rampe, die von der untersten Stellung im Gewässer über den gesamten Rangierbereich mindestens die Breite aufweist, wie die längs zur Uferlinie ausgerichtete Stegplattform lang ist. Auf dieser Rampe sind je Steg zwei Schienen befestigt, auf denen der der Rampenneigung angepasste Slipwagen rollt. Der Slipwagen trägt den horizontal ausgerichteten Bohlenbelag der Steg-Plattform. Die 1963 von Architekt Fritz Catta für den Casseler Frauen-Ruder-Verein gebaute Konstruktion mit 10 m Steglänge war vorrangig auf die leichte Zerlegbarkeit und Handhabbarkeit für Frauen und Mädchen abgestellt. Über diesen Steg wurde ausführlich im Rudersport 1964, s. 488/89 und 1978 S. 640 berichtet.
Neue Anlagen dieser Art werden auch mit einer zentriert angeschlagenen Winde gezogen. Damit lässt sich die Stegplattform außerhalb der Rudersaison auf der Rampe so hoch nach oben ziehen, dass die gesamte Konstruktion über der höchsten zu erwartenden Hochwassermarke gelagert werden kann. Dort wo das aufgrund örtlicher Verhältnisse nicht möglich ist oder behördliche Auflagen es anders vorschreiben, lässt sich die Konstruktion auch so gestalten, dass sie in tragbare Elemente zerlegt, in Einzelteilen hochwassersicher gelagert und zu Beginn der neuen Saison wieder zusammengebaut werden kann.
Der RV "Weser" Hameln hat sich anlässlich des Neubaus seines Bootshauses 1992/93 eine der neuesten und effektivsten Ausführungen einer solchen Plattform in Form zweier nebeneinander laufenden Slipstege mit 18 m Gesamtlänge und 2 m Plattformbreite geschaffen. Da sie ganz eng nebeneinander angeordnet sind, können sie sowohl einzeln als auch gemeinsam eingestellt und genutzt werden. Die Schienen (U-Eisen, hochkant) sind in die glatt betonierte Rampe versenkt und stellen so keine Stolpergefahr dar. Auf der Rampenebene können die Zugangsbrücken auf breiten Rollen störungsfrei mitlaufen und mittels der losen Auflage auf einem an der gesamten Länge der Slipkonstruktion entlang geführten Rohr an jeder Stelle positioniert werden. Die Stahlkonstruktion ist durch ihre vollständige Feuerverzinkung korrosionsfest ausgeführt. Der RV "Weser" ist auch zu detaillierten Auskünften über die Steganlage bereit.
Die Probleme für solche slipbaren Steganlagen nehmen natürlich mit zunehmendem Gefälle der erforderlichen Rampen und Gleise und auch mit der zu überwindenden Höhendifferenz zu. Bei steileren Uferböschungen wird die Gestaltung von unfallsicheren Treppen, die zu den Übergangsbrücken führen, zur zusätzlichen Aufgabe. Generell haben sie aber wegen ihrer Lagerung auf festem Grund und ihre dadurch wesentlich einfacher gewährleistete Tragfähigkeit und Kippsicherheit wesentliche Vorteile gegenüber der aufwendigeren Ausführung schwimmender Plattformen.




