Historisches: Vom Vollholzruder zum Kohlefaser-Riemen
Die Entwicklung des Ruders (Riemen und Skull) ist fast so alt wie die des Bootes. Man kann sie in vier Entwicklungsphasen einteilen.
Die ersten Antriebsmittel waren sicherlich einfache Stangen, mit denen man sich auf dem Grund abstieß und so das Boot vorwärts bewegte. Dort, wo kein Grund erreichbar war, nagelte man kleine Bretter auf die Stangen und benutzte sie wie die heutigen Stechpaddel. Bald schon lernten die Menschen in unbewusster Anwendung der Hebelgesetze, dass durch Anbinden der einfachen Paddel an die Bordwand ein effektvoller Ruderschlag erzielt werden konnte. Die Boote mit Riemen-Antrieb wurden nicht nur zum Fortbewegen und Arbeiten genutzt, sondern auch als Kampfboote eingesetzt. Für die damalige Zeit war es eine Kunst, Schiffe mit übereinander liegenden Ruderbänken - manchmal bis zu fünfstöckig - mit den dazugehörenden Riemen herzustellen (Abb.89). Es gehörte sehr viel Übung dazu, mit so vielen übereinander angeordnet sitzenden Menschen vollendet zu rudern.
Erste Phase - Vollholz-Ruder
Die Riemen der Anfangsgeneration waren von unterschiedlicher Länge und aus vollem Holz. Die Blätter waren meistens lang und schmal und wuchsen aus dem Ruderschaft heraus. Heute kann man noch in der Berufsschifffahrt solche robusten Riemen entdecken.
Zweite Phase - Hohlruder und modernere Blätter
Die Weiterentwicklung der Riemen fand gegen Anfang des 19. Jahrhunderts statt, als die Engländer Rudern zum Sport machten. Ausleger und Rollsitz waren noch unbekannt. Die Ruderer saßen ver-schränkt im Boot, um einen gewissen Mindestabstand zur Riemenauflage an der Bordwand zu erreichen. Bald erkannte man, dass ein leichter Riemen besser zu bewegen war. Es entstanden neben Verbesserungen im Boot (Rollsitz und Ausleger) die hohlen Riemen und Skulls. Um die Steifigkeit zu erhöhen, waren Anfang des 19. Jahrhunderts schon Entwicklungen zu beobachten, die ähnlich unseren heutigen Doppel-T-Trägern oder Kastenprofilen waren (Abb.90).
Auch von der Zusammensetzung des Holzes versprach man sich einiges. Es entstand eine Vielzahl verschiedenartiger Verleimungen von leichten und steifen Hölzern. Die Fasern des Holzes wurden so gelegt, dass sie optimal in der Zug- und Druckzone des Ruders angeordnet waren. Am Blatt wurde anfänglich kaum experimentiert. Diese Art des sogenannten Hohlruders hielt sich bis in die Zeit nach dem letzten Krieg.
Erst um 1950 änderte sich das, als KARL ADAM die Hebelwirkungen der einzelnen Riemen bzw. Skulls auf die verschiedenen Bootstypen und manchmal auch auf die Stärke der Mannschaft abstimmte. Es gab Neuerungen bei der Herstellung von Riemen und Skulls z.B. bei den Blättern. Jeder namhafte Trainer bestellte für seine Mannschaft eine bestimmte Blattform und eine spezielle Riemen- und Skulllänge. In manchen Skullbauer-Werkstätten hingen bis zu 12 verschiedene Fräsmodelle für Skull- und Riemen-Blätter (siehe Abb.92).
Erst um 1950 änderte sich das, als KARL ADAM die Hebelwirkungen der einzelnen Riemen bzw. Skulls auf die verschiedenen Bootstypen und manchmal auch auf die Stärke der Mannschaft abstimmte. Es gab Neuerungen bei der Herstellung von Riemen und Skulls z.B. bei den Blättern. Jeder namhafte Trainer bestellte für seine Mannschaft eine bestimmte Blattform und eine spezielle Riemen- und Skulllänge. In manchen Skullbauer-Werkstätten hingen bis zu 12 verschiedene Fräsmodelle für Skull- und Riemen-Blätter (siehe Abb.92).
Nach den großen deutschen Erfolgen bei der EM in Macon / Frankreich 1956 beruhigte sich der Markt. Nun bestellten alle Riemen und Skulls mit der Blattform, mit der die Rennen in Macon gewonnen wurden. So entstand der Begriff „Macon-Blatt“ (siehe Abb.93), der sich bis heute für Kinder- und Touren-Ruder gehalten hat.
Dritte Phase - faserverstärkte Holzruder
Der nächste Schritt einer Weiterentwicklung der Ruder fand statt, als für die Raumfahrt Kohlenstoff-Fasern entwickelt wurden und auf den Markt kamen. Nur mit diesen hochsteifen und leichten Fasern konnte die Durchbiegung der Riemen und Skulls verbessert werden. Bei den Olympischen Spielen 1972 sah man die ersten englischen und deutschen kohlenstofffaserverstärkten Riemen.
Ein Jahr später erhielt Peter Kolbe in der Zug- und Druckzone mit Kohlenstoff verstärkte Skulls. Nach der Anpassung der Dollenabstände auf diese superharten Skulls wurde er damit 1973 in Moskau Europameister. Ab diesem Zeitpunkt ruderten fast alle guten Skuller solche Skulls.
Vierte Phase - Kohlefaser-Ruder
Ingenieure des Instituts für Flugzeugbau der Universität Stuttgart, denen eine Rohrwicklungsanlage für Faser-Verbundstoffe zur Verfügung stand, machten bereits 1972/73 Versuche zu Voll-Kohlefaser-Riemen zusammen mit der Firma Empacher. Auch andere Entwicklungen gleicher Art wurden zunächst wieder eingestellt, weil damals der kg-Preis der Kohlefaser weit über DM 100 lag.
Erst gegen Ende der 70ger Jahre des vorigen Jahrhunderts gelang einer Amerikanischen Firma der Durchbruch. Inzwischen war der kg-Preis für Kohlefasern soweit gesunken, dass dies Material auch für Skulls und Riemen genutzt werden konnte.
Die neuen Schäfte werden auf Wickelmaschinen hergestellt. Die kreisrunden Querschnitte sind etwas dünner als Holzschäfte , jedoch steifer und windschlüpfiger. Die Durchbiegung der Riemen und Skulls lässt sich durch mehr oder weniger unidirektionale Kohlenstoffbänder verändern und allen Wünschen anpassen. So sind inzwischen auch weichere Touren-Ruder auf dem Markt.
Steifere Ruder begünstigen das Wasserfassen bei schnelleren Booten. Durch Anordnung des Kohlenstoffgewebes in Diagonalrichtung kann die Torsionssteifigkeit zusätzlich erhöht werden.
Bei den Blättern hat ebenfalls eine Weiterntwicklung eingesetzt. Die US-Firma Dreissigacker entwickelte um 1985 ein unsymmetrisches Blatt - das sogenannte Big-Blade (siehe Abb.94.3) indem sie eine alte Idee aus dem Jahre 1880 - das Davis-Blatt (siehe Abb.94.1) - weiter entwickelte. Auch KARL ADAM hatte um 1960 mit seinem „Bratpfannen-Blatt“ (siehe Abb.94.2) ähnliche Ideen, konnte aber keine wesentlichen Verbesserungen feststellen. Erst die sehr harten Kohlefaser-Ruder mit verkürzten Hebeln brachten dann deutliche Vorteile, hatten aber auch eine Umstellung der Technik des Ruderns zur Folge. Es mussten die Umkehrpunkte schneller bewältigt werden und das Aushebeln deutlicher erfolgen.
Für das Kinderrudern sind diese Skulls mit Big-Blades im Bereich des DRV nicht zugelassen. Die Länge der Kinder-Skulls darf 290 cm nicht überschreiten. In Skandinavien dürfen die B-Junioren ebenfalls keine Big-Blades in Rennen rudern.
Die neuesten Modelle haben sogenannte „Wingblades“. Sie unterscheiden sich von den Big-Blades durch fehlendes Profil in der Blattmitte und einen Kantenwulst an der oberen Blattkante (siehe Abb.96).










