Dollen
Wohl kaum ein Zubehörteil des Ruderbootes hat eine so starke Veränderung erfahren im Hinblick auf Form, Material und Verstellbarkeit wie die Dolle. Ursprünglich gab es nur einen Zapfen auf der Bordwand, an dem mit Lederriemen das eckige Ruder befestigt wurde. Später gab es dann eine U-förmige Einkerbung der massiven Bordwand, in die der nun runde Riemen eingelegt wurde (Abb.55). Der Vorläufer des Klemmrings, ein etwa 2 cm dicker und ebenso breiter Lederring am Schaft, diente als Widerlager.
Mit der Entwicklung von schmalen Rennbooten um 1830 musste die Dolle auf eine Metallplatte am Ende des Auslegers verlegt werden. Zunächst gab es die Kastendolle (Abb.56). Sie bestand aus zwei Metallstiften, die oben mit einem festen Bügel oder einer Drahtwicklung verbunden waren, damit die Ruder nicht herausspringen konnten. Das Einlegen der Skulls oder Riemen war hier nur von außen und mit dem Innenhebel voraus möglich. Es gelang auch nur, weil am Schaft ein leicht spiralig angebrachter Lederhalbring als Widerlager diente. Dies hatte aber zur Folge, dass beim Auf- und Abdrehen das Ruder jeweils um einige Zentimeter hin- und herruckte. Der Verfasser hat noch 1950 beim Mindener RV in einem Gig-Achter mit Kastendollen seine erste Ausfahrt auf der Weser unternommen. Selbst heute sind im Bootshaus des Eton-College in Windsor noch eine Reihe solcher Boote zu sehen. Die Kastendolle hat sich also sehr lange gehalten, obwohl schon 1860 von CARL LEUX in Frankfurt am Main Versuche mit eisernen Drehgabeln unternommen wurden. Erst 1871 setzte sich die Drehdolle in England, den USA und etwa zehn Jahre später auch in Deutschland allgemein durch.
Da die Dolle ein Konstruktionsteil mit größter Beanspruchung ist, das kaum durch zusätzliche Abstützung gesichert werden kann, werden besondere Ansprüche an das Material gestellt. Es darf weder zu hart sein, damit es nicht bricht, noch zu weich, damit es nicht verbiegt. Bis vor wenigen Jahren war Bronze (Rotguss) hierfür das geeignete Material, das durch die richtige Zusammensetzung der Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn die gewünschten Eigenschaften erhielt. Später benutzte man auch Leichtmetalle (Silumin). Diese hatten jedoch – wie die ersten Kunststoffdollen – einen zu starken "Abrieb", nutzten schnell ab und wurden an den Kanten messerscharf, was zu den, typischen "Ausfransungen" an den Kanten des Außenhebels der Ruder führte.
Nach vielen Experimenten mit Drehdollen wurde bald eine offene Gabeldolle mit breiten, abgerundeten Auflageflächen allgemein üblich (Abb.57), die auf einem Kegelstift befestigt wurde, damit jederzeit ein Auswechseln möglich war. Der TA erreichte über seine weitgehende Standardisierung der Normblätter eine nunmehr beidseitig benutzbare Metalldolle. Für Gigs wurde sogar eine Doppeldolle für Riemen und Skulls üblich (Abb.57), die aber nur einen schlechten Kompromiss darstellte und wieder ganz verschwunden ist. Das Bestreben nach immer leichteren Booten und individuellen Verstellmöglichkeiten brachte dann die Bügeldolle mit Schlitten für die Skullboote (Abb. 58). Während man die Dollenhöhe nach wie vor durch Unterlegscheiben an der Bordwand verstellen musste, gelang jetzt die Feineinstellung des Anlagewinkels mit dem Schlitten. Die leichte Ausführung führte dann zur verschließbaren Bügeldolle. Für Riemenboote war diese Form jedoch wegen der stärkeren Belastung nicht geeignet. Da bei der herkömmlichen Höhenverstellung der Dolle mit Schlitzscheiben auch der Anstellwinkel der Dolle (Außenneigung) ungünstig verändert wurde, ging der nächste Entwicklungsschritt zum verlängerten zylindrischen Dollenstift, an dem mit Ringscheiben kontinuierlich die Dollenhöhe verstellt werden konnte. Unter dem Einfluss von Karl Adam änderten sich dann die Auslegerkonstruktionen derart, dass an einem Endrohr durch zwei Klemm-Muffen die Dolle zusätzlich noch im Dollenabstand und in der Außenneigung verstellbar wurde (siehe Abb.59).
Im weiteren Verlauf der Entwicklung neuer Dollensysteme kamen die Exzenterdolle, die Wechselkeildolle und die CONCEPT II – Dolle auf den Markt.
Bei der Exzenterdolle (Abb.60) lässt sich der Dollenkörper um eine auf dem konischen Dollenstift exzentrisch gelagerte Buchse genau so in seiner Neigung verstellen wie bei den Bügeldollen mit Schlitten. Sie wird heute vor allem bei Leichtmetallauslegern mit Endplatte benutzt. Sie wurde entwickelt, um den Nachteil der Bügeldolle zu beheben. Hier lässt sich auch die Außenneigung verändern.
Die Wechselkeildolle (Abb.61) sitzt auf einem zylindrischen Stift und kann durch Einfügen unterschiedlicher Keilscheiben in der Anlage verändert werden. Ein Nachteil ist, dass sich die kleinen Feststellschrauben leicht lösen.
Die Concept II Dolle (Abb.62) sitzt ebenfalls auf einem zylindrischen Dollenstift. Hier wird das Exzenterprizip durch Auswechselbuchsen realisiert.
Alle Dollentypen werden heute aus Kunststoff hergestellt und sind damit erheblich leichter geworden (Bronze 250g ohne Stift und Kunststoff 250g mit Stift ). Die verwendeten Kunststoffe sind mit Glasfaser-Beimischungen versehene Polyamide oder Nylonvarianten. Inzwischen sind alle Modelle auf die neuen Manschetten der Kunststoffruder angepasst und haben sehr gute Abnutzungswerte im Dauereinsatz.
Für die Gigs sind auch offene Kunststoffdollen für Tourenboote entwickelt worden. Der Arbeitskreis Gig und Technik des DRV hat diese getestet – auch im Hinblick auf die Verwendung von Kohlefaser-Tourenskulls mit eckigen Manschetten aus Kunststoff. Leider hat sich gezeigt, dass sowohl vom Material, als auch von der Form her noch keine optimale Lösung gefunden wurde. Der Technische Ausschuss hat daraufhin nach gründlicher Auswertung der Testergebnisse eine neue Norm für offene Kunststoff-Dollen für Tourenboote entwickelt und den Werften geschickt, mit der Bitte um Berücksichtigung bei der Erstellung neuer Spritzformen für diese Modelle. Das Normblatt ist als Anlage beigefügt.
Bei den Dollenstiften hat sich die DRV-Norm des zylindrischen 13 mm Stiftes mit M8 / M12 – Gewinde durchgesetzt.
Erstellt nach Vorlagen von Wilhelm Reuß und Hans Rath.









