Stemmbrett
Ein recht uneinheitliches Bild bietet sich dem aufmerksamen Beobachter bei den Stemmanlagen in den Booten der verschiedenen Herstellerfirmen. Dennoch gibt es einige allgemeingültige Regeln, die man als Bootswart beachten muss. So sollte das Stemmbrett so tief wie möglich in das Boot hineingebaut werden, weil davon die Gesamthöhe des Ruderwerks abhängig ist. Je tiefer das Ruderwerk im Boot angebracht ist, desto lagesicherer wird es, da der Massenschwerpunkt tief liegt. Alle Maßangaben können hier nur für Normboote angegeben werden. In Deutschland ist dies leider nur noch die Gig. Für Rennboote ist durch die Fülle von Verstellmöglichkeiten auf die besonderen Verhältnisse des Ruderers keine einheitliche Angabe möglich.
Der Mindestabstand von der Unterkannte des Stemmbretts (Fersenkappe) bis zur Oberkante der tiefsten Stelle des Rollsitzes in Vorlage (siehe Abb.46) ist in der Gig mit 22 cm genormt. Dieser Wert sollte eingehalten werden, da hiervon die Effektivität der Kraftübertragung von den Beinen auf den Rumpf abhängig ist.
Der Neigungswinkel des Stemmbrettes müsste eigentlich während der Ruderbewegung immer dem Winkel der Fußstellung angepasst werden, wie dies in den Rennbooten mit Ruderschuhen oder neuerdings mit Flexfoots auch in den Gigs erreicht wird. Allerdings wird bei diesen Systemen lediglich der Fußballen unterstützt. Bei Gigs und Übungsbooten mit herkömmlichen Stemmanlagen ist dies bisher technisch noch nicht zu lösen. So stellt man in den Gigs einen Mittelwert von 45° ein. Da dies bei der Erneuerung von alten Stemmanlagen häufig Schwierigkeiten bereitet, sollte in jeder Werkstatt eine „Winkelschiene“ (Abb.47) vorhanden sein. Sie wird über die Querlager gelegt und erlaubt dann einen genauen Einbau der Beschläge für das Stemmbrett.
An den Fersen sollten die Stemmbrettlatschen dicht zusammenliegen, an den Fußspitzen jedoch weiter auseinander stehen. So öffnen sich die Knie beim Vorrollen von selbst. Wilhelm Reuß gibt hierfür einen Winkel von 25° an (Abb.46).
Die Fersenhalter werden häufig in den Gigs als in der Höhe verstellbare Kunststoffschalen eingebaut. Dies erlaubt zwar eine bessere Einstellung auf Kinder, Jugendliche und Frauen, doch ist die Befestigung häufig nicht rutschtest, so dass auf Wanderfahrten meistens Veränderungen in der Fersenhöhe auftreten. Sinnvoller ist es, zwei Fußriemen in unterschiedlicher Höhe für Frauen und Männer anzubringen oder auf Flexfoots (Abb. 32) umzustellen, die sich sehr leicht in der Höhe verstellen lassen, ohne zu verrutschen.
Auf die vielfältigen Ausführungen der Fußhalterungen – Fußriemen, Schnürlaschen, Ruderschuhe und Flexfoots – kann hier nicht eingegangen werden. Wenn Gigs von unterschiedlichen Mannschaften gerudert werden, kann ein Fußriemen nicht ausreichen. Hier ist es günstig, einen weiteren Fußriemen etwa 3 cm unterhalb zu befestigen, denn lose Riemen rutschen bei kurzen Füßen regelmäßig nach oben!
Noch ein Wort zu den Beschlägen. Hier sind in den letzten Jahren neben den Loch-Gewindeschienen mit Lappenschrauben häufiger Gleitschienen mit einer Rasterung im Gebrauch. Letztere haben jedoch den Nachteil, dass bei häufigen Verstellungen die Querrillen ausrunden und dann keinen ausreichenden Halt mehr bieten. Für das schnelle Anpassen des Ruderplatzes im täglichen Ruderbetrieb sind Rasterschienen auch ungeeignet. In Gigs sollten deshalb immer Lochleisten mit mindestens 7 (besser 9) Verstellmöglichkeiten eingebaut werden. Hierzu noch ein Tipp: Bringen Sie bei den Lappenschrauben eine Unterlegscheibe aus Plastik oder Leder an. Sie lassen sich dann immer von Hand öffnen.
Zwei wesentliche Gründe haben den Arbeitskreis Gig und Technik des DRV angeregt, ein neues, besser zu handhabendes System für den Stemmbrett-Beschlag zu entwickeln:
- Die Verlängerung des Ruderplatzes auf 140 cm und
- die umständliche Einstellung der Rasterschienen mit zwei Schrauben und einem Steckdorn.
- Der Verlust der Lappenschrauben oder das Abbrechen des Steckdorns sind ständige Vorkommnisse, die das Rudern nicht gerade erleichtern.
Der DRV-Stemmbrettbeschlag „System Ludwig“ und das sehr ähnliche Schellenbacher-Modell (Abb.48.1/49) lassen sich mit einer Hand umstellen und arretieren. Sie haben sich beim Blindenrudern und im täglichen Ruderbetrieb bestens bewährt.
Ein Rasteschienen-Profil mit 13 Verstellmöglichkeiten bei 24 cm Länge kann sowohl auf der Gondelleiste, als auch umgekehrt auf dem Kiel eingesetzt werden (siehe Abb.49). Mitgeliefertes Zubehör gestattet die Verwendung von Aluminium-Rohr oder Holz für den Stemmbalken. Die Arretierung des Stemmbretts erfolgt am Kielbeschlag mit einem serienmäßigen Edelstahl-Spannbügel. Nachträgliches Umrüsten älterer Boote ist mit etwas Geschick möglich. Inzwischen hat die Bootswerft Schellenbacher an dem System leichte Veränderungen vor-genommen und baut es auf Wunsch in die Gigs ein.
Erstellt nach Vorlagen von Karin Bartz, Gerhart Ludwig. Hans Rath und Wilhelm Reuß.






