Andere besondere Ausführungsbeispiele - Berichte
Anwendung von Rohren als Auftriebskörper
Da häufig Rohre als Auftriebskörper sehr günstig oder gar kostenlos zur Verfügung stehen und im Verein Kostengesichtspunkte die wesentliche Rolle spielen, sei auf einige Informationen hingewiesen, die sich mit der Verwendung von Rohren als Auftriebskörper befasst haben.
In RS Nr. 29/ 1971, S. 667 beschreibt Peter Oehler aus Berlin anhand zweier Skizzen eine Entwicklung, die bereits die Verwendung von hoch eingebauten flachen Kunststoffquadern als Auftriebskörper neben einer verringerten Anzahl von Fässern oder Rohren vorsieht. Die Idee ist aus dem Problem zu hoch schwimmender Stege geboren und sieht auch vorgebaute Stufen oder einen abgeschrägten Plattformrand vor, um den gewünschten niedrigen Freibord zu erzielen.
In RS Nr. 5/ 1984, S. 88 beschreibt Arno Kumpe den preiswerten Vorteil einer auf Rohren von 300 - 400 mm Durchmesser schwimmenden Anlegeplattform. Informativ ist die Art, wie die Rohre zusammengefasst und wie der abnehmbare Laufbelag aus Holzrosten auf der Konstruktion gelagert wurde. Zweckmäßig erscheint auch die Anwendung ganz hoch eingebauter Holzbalken am vorderen -Rand der Plattform. Sie wirken bei unbelastetem Steg als preiswerter Gewichtsausgleich gegenüber der Zugangsbrücke auf der Landseite und lassen den Steg auf der Anlegeseite tiefer ins Wasser eintauchen. Bei Belastung wirken sie dann aber als zusätzliche Auftriebskörper, die ein zu starkes Eintauchen mildern.
Stegausführungen am hochwassergefährdeten Rhein
Zu Stegen an Gewässern mit sehr großen Pegelunterschieden gibt es mehrere Hinweise. So beschreibt Reuß in seinem Vorläufer dieses Handbuchs auf S. 156 eine ausgetüftelte Lösung des Ludwigshafener RV, dessen Steganlage durch besondere Ausbildung der Zugangsbrücken auch Querverschiebungen infolge von Strömungskräften vertragen kann.
Ein zweites Beispiel vom Rhein bringt Gottfried Günther in RS Nr. 7/ 1979, S. 2 1 0 u. 21 1. Er beschreibt den Neubau der Steganlage des Karlsruher Rheinklubs Alemannia mit den angestellten Zielvorstellungen und erreichten Vorteilen. Die Ersatzinvestition hatte problematische Voraussetzungen mit sehr hohen Wasserstandsunterschieden und einer nicht ebenmäßig ausgebildeten Uferböschung zu berücksichtigen.
Stegausführungen an der tidenabhängigen Weser
Eine ähnliche Problematik, verstärkt durch die Notwendigkeit, den Steg vor drohendem Eisgang in tragbare Teile zerlegen und durch Mitglieder an Land lagern zu können, beschreibt Reuß in seinem Handbuch auf S. 158 u. 159 im Zusammenhang mit der Steganlage des Post-Sportvereins Bremen. Er ergänzt den Bericht durch Fotos bei Hoch- und Niedrigwasser am Steg und mit Skizzen der Stegkonstruktion. Über den Aufbau kann in RS 1963, S. 241 nachgelesen werden. Reuß bringt an gleicher Stelle auch die Konstruktionsskizze des stark von der Tide abhängigen Stegs des Bremerhavener RV. Dieser muss über eine 13 m lange Zugangsbrücke erreicht werden. Damit die schwere Brückenkonstruktion den Steg nicht einseitig ankippt, wird sie im Wasser durch große Schwimmer abgefangen. (s. Reuß, S. 160 u. 16 1).
Die Tidenproblematik an der Weser wurde für den Nordenhamer RC innerhalb des letzten Jahrzehnts durch den Neubau einer langen, schweren Landebrücke gelöst, die auf der Wasserseite in einer massiven Stahlkonstruktion geführt wird und sich auf einem großen Ponton abstützt, der gleichzeitig die Anlegeplattform bildet. Durch das Trockenfallen des Pontons ist ein Anlegen bei Ebbe oft behindert.
Einsetzstelle an einer Talsperre mit großer Wasserstandsdifferenz
Während die Ruderer-Vereinigung Nordharz, Goslar ihren Ruderbetrieb auf dem Okerstausee bei normalen Wasserständen durch das übliche Einsetzen der Boote über einen senkrecht zum Ufer ausgelegten Steg durchführt, erschwert fallender Wasserstand das Rudern infolge der vorrangigen Trinkwasserversorgung Norddeutschlands in Trockenzeiten oder im Herbst erheblich. Frauen und Kinder können die Ruderboote dann auf der ca. 25° steilen Uferböschung nicht mehr zum oft 15 bis 20 m tiefer liegenden Steg tragen.
In diesen Fällen wird ein für die Segelboote des Vereins geschaffener, auf Gleisen laufender Schrägaufzug mit Motorwinde verwendet. Die Ruderboote werden dazu kielunten mit allem Zubehör auf speziell geschaffenen niedrigen Böcken auf dem Slipwagen abgelegt und bis dicht über die Wasseroberfläche herabgelassen. Die dann auf die Slipwagenplattform zusteigende Mannschaft schwimmt das Boot ein und steigt unter Verschieben des Bootes entweder direkt an der Slipwagenplattform ein oder überführt das Boot zum ca. 25 Meter daneben liegenden Ruderbootsteg. Der umgekehrte Vorgang wird zum Herausnehmen der Ruderboote eingeschlagen.
Erstellt nach einer Vorlage von Walter Blum, Goslar.
