Der Teamgeist war für Bernd Heidicker der Schlüssel zum Erfolg
Nahe der französischen Atlantikküste tritt er im Moment mit dem Team Deutschland-Achter kräftig in die Pedale. In der Serie "6 Fragen an die Athleten aus dem Gold-Achter" schaut Schlagmann Bernd Heidicker aber noch einmal auf das Finale von Eton zurück: Der Teamgedanke spielt dabei und beim Blick in die Zukunft eine große Rolle.
Frage 1: Deutschland-Achter: Weltmeister 2006 - ein überraschender Triumph, oder?
Bernd Heidicker: Kann ich nicht sagen. Natürlich zweifelt man ein wenig vor großen Ereignissen, aber das ging den anderen Mannschaften sicherlich nicht anders. Ich denke, die Erfahrung schon einmal gewonnen zu haben, hat mir sehr geholfen. Unmittelbar vor dem Rennen war ich dann aber schon sehr zuversichtlich, dass es heute klappen wird.
Frage 2: Gab es einen Schlüssel zum Erfolg? Wenn ja, welche(n)?
Bernd Heidicker: Teamgeist. Zudem hat sich jeder in der Mannschaft mit seiner Position identifiziert und angenommen. Gerade aus Sicht des Schlagmanns ist es sehr hilfreich, wenn es keine Grabenkämpfe im Boot gibt und Vertrauen in die Schlagvorgabe besteht. Dadurch konnten wir sehr effektiv trainieren. Letztendlich entscheidet nicht der perfekte Schlag, sondern das möglichst viele das Gleiche machen.
Frage 3: Was hat sich seit dem 27. August für Sie persönlich verändert? Gab es ein besonders schönes Erlebnis?
Bernd Heidicker: Toll war, dass meine gesamte Familie und Freundin zum ersten Mal dabei waren.
Verändert hat sich nicht viel. Erstaunlich ist jedoch, wieviel mehr Aufmerksamkeit dem Achter- im Gegensatz zum Vierertitel zukommt. Das tut mir ein wenig für den jetzigen Vierer leid, aber so scheint es nun einmal in den großen Rudernationen zu sein.
Frage 4: Welche Bedeutung hat der Weltmeister-Titel des Deutschland-Achters für den deutschen Rudersport?
Bernd Heidicker: Ich denke, es ist eine große Chance für unsere Sportart wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, nachdem in den vergangen beiden Jahren das öffentliche Interesse für Rudern auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt ist, seitdem ich diesen Sport betreibe. Der Achter wird oft von anderen Mannschaftsmitgliedern kritisch beäugt, was zum Teil nachvollziehbar ist, da in der Außendarstellung diesem Boot alles untergeordnet scheint. Daran scheint aber schwer zu rütteln. Daher sollte jetzt geschaut werden, wie wir attraktiveren Sport zeigen können, der das Medieninteresse auch auf andere Bootsklassen lenkt.
Frage 5: Wagen Sie einen Ausblick: Wie schwer wird die Titelverteidigung 2007 in München?
Bernd Heidicker: Neues Spiel neues Glück! Achter sind einem ständigen Wandel unterworfen, da es schwer ist, Mannschaften konstant zusammen rudern zu lassen. Jedoch verfügen wir nach diesem Jahr über eine starke Gesamtmannschaft, was positiv in die Zukunft blicken lässt. Dieses Jahr hat aber auch gezeigt, dass wir uns beinahe selber um den Erfolg gebracht haben. Wichtig wird eine weiter technische Annäherung sein, damit auch jeder mit jedem einsetzbar ist. Diesen Aspekt erachte ich auch als sehr wichtig mit Blick auf den Nachwuchs. Die Differenzen zwischen diesen beiden Ruderstilen ist aus meiner Sicht zu groß.
Frage 6: Und wie lautet Ihre Prognose für 2008 - ist olympisches Edelmetall in Peking möglich?
Bernd Heidicker: Wenn wir nicht versuchen, das Rad neu zu erfinden, und die Sache entspannt angehen, dann sollten wir genug Potenzial haben, um dort ein erfreuliches Ergebnis zu erzielen. Ich musste jedoch am eigen Leib erfahren, wie kurz vor dem Ziel alles vorbei sein kann. Olympia ist das ‘non plus ultra’ im Amateursport, jedoch wird dort nicht erkennbar besser gerudert als bei Weltmeisterschaften.