Rudern lernen

Anfängerausbildung

Wie bilde ich Anfänger im Rudern aus und mit welcher Technik rudern wir?

Grundlegende Voraussetzungen für die Vermittlung der Rudertechnik und damit für die Durchführung der Anfängerausbildung sind:

  • Rudertechnik kennen
  • Rudertechnik demonstrieren und beschreiben
  • Rudertechnik korrigieren

Rudern lernen – mit welcher Zielstellung?

  • Altersstufe: Sind die Anfänger jünger oder älter?
  • Fertigkeiten: Sind Fertigkeiten und Bewegungserfahrungen aus anderen Sportarten vorhanden?
  • Koordination: Ist das Koordinationsvermögen sehr gut, gut oder nur ausreichend?
  • äußere Bedingungen: Auf welchem Revier wird die Anfängerausbildung durchgeführt?
  • materielle Bedingungen: Welche materiellen Bedingungen sind für die Anfängerausbidlung vorhanden?
  • Zeit: Welches Lerntempo kann zugemutet werden? Wie viel Zeit steht zur Verfügung?

Das methodische Vorgehen bei der Vermittlung und zum Erlernen wird maßgeblich von der Zielstellung sowie subjektiven und objektiven Bedingungen beeinflusst. Im Mittelpunkt der Anfängerausbildung steht das Lernen des Ruderns. Die Zielstellung für das Erlernen der Ruderbewegung könnte sein

  • Wettkampfrudern
  • Wanderrudern und Fahrtenrudern
  • Rudern als Gesundheits- und Fitnesssport
  • Schulrudern

Subjektive Bedingungen, die das methodische Vorgehen bei der Anfängerausbildung beeinflussen, sind u. a.:

  • Altersstufe
    Welche Besonderheiten sind zu beachten?
    Wie sind die Anfänger in den Lernprozess einzubeziehen?
    Wie ist die Selbständigkeit und Mitarbeit?
    Sind Ängste und Hemmungen vorhanden?
  • Fertigkeiten
    Wurden andere Sportarten betrieben?
    Sind vielfältige Bewegungserfahrungen vorhanden?
    Ist ein starker Bewegungsdrang, das Ausprobieren neuer Bewegungen, vorhanden? (z. B. Wie reagiert der Anfänger auf Korrekturhinweise?)
  • Koordination
    Erfassen die Anfänger schnell den Bewegungsablauf?
    Kann das Boot ausbalanciert werden?
    Werden Beine, Rumpf und Arme richtig miteinander gekoppelt?

Objektive Bedingungen, die das methodische Vorgehen bei der Anfängerausbildung beeinflussen, sind u. a.:

  • Äußere Bedingungen
    Kann die Anfängerausbildung auf stehendem oder fließendem Gewässer durchgeführt werden?
    Ist starker Schiffsverkehr vorhanden?
    Windanfälligkeit und starke Wellenbildung?
    Kann ein günstigeres Revier genutzt werden?

 

Materielle Bedingungen

  • Gibt es Übungsboote, die von den Anfängern genutzt und transportiert werden können?
  • Sind Trimmis, C-Einer oder Skiffs?
  • Ist eine optimale Trimmung der Boote/Ruder möglich?

Zeit

  • Kommt der Anfänger einmal oder mehrmals in der Woche zur Ausbildung oder erscheint er unregelmäßig?
  • Gibt es Termine für eine Wanderfahrt oder Regatta, an denen der Anfänger teilnehmen möchte oder soll?
  • Können Hinweise zur Rudertechnik schnell umgesetzt werden?
  • Lässt sich die Anfängerausbildung als Lehrgang durchführen und damit eine Lernzeitverkürzung erreichen?
  • Kann aufgrund der subjektiven Faktoren und der objektiven Bedingungen ein effektiverer Lernweg eingeschlagen werden?

Die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen in ihrer Komplexität ist Voraussetzung, um einen geeigneten Lehrweg auszuwählen.

  1. Die rudertechnische Ausbildung ist mit dem Skullen zu beginnen. Daher ist von Anfang an auf die richtige Handführung zu achten.
  2. Große Pausen zwischen den Übungseinheiten sind zu vermeiden, da sie den Lernprozess erheblich verzögern. Die Anfängerausbildung sollte möglichst als Lehrgang über mehrere Tage durchgeführt werden.
  3. Die Größe der Anfängergruppe sollte acht Sportler nicht überschreiten.
  4. Bei der Anfängerausbildung im Kleinboot ist das Anbinden oder Festhalten der Boote in den ersten Übungseinheiten angebracht. Alle Bewegungsaufgaben sind ohne Krafteinsatz durchzuführen.
  5. Das Rudern ist eine zyklische Bewegung und sollte deshalb als Ganzes erlernt werden.
  6. Übungserklärung und Demonstration sind von Anfang an mit aktiver Bewegungstätigkeit der Anfänger zu verbinden.
  7. Aufgabenstellungen sind kurz und altersgerecht zu erläutern. Fachausdrücke sollten dabei zunächst mit bekanntem Wortschatz eingeführt werden.
  8. Beobachtungsaufgaben sind zu stellen und Rückinformationen zum Ergebnis der Lerntätigkeit einzuholen, um die Bewusstheit im Lernprozess zu erhöhen.
  9. Die Orientierung auf dem Wasser, das Umschauen und das Kurshalten sind bei der Ausbildung von Anfang an zu beachten.
  10. Durch Spiel- und Wettbewerbsformen ist das Erlernte zu festigen, die Freude am Rudern zu vermitteln und das Üben aufzulockern.

Handhabung der Boote und des Zubehörs

Viele Schäden an den Booten und dem Zubehör lassen sich vermeiden, wenn richtig mit ihnen umgegangen wird.

Es beginnt mit der Lagerung. Alle Gigs und die Mannschafts-Rennboote sollten so kieloben gelagert werden, dass sie am ersten und letzten Spant des Mannschaftsbereichs unterstützt sind. Lediglich beim Achter benötigen wir 3, in der Höhe gleich eingemessene Unterstützungen. Renn- und Übungs-Einer können in entsprechenden Vorrichtungen auch kielunten oder in Gurtlagern auf den festen Luftkasten-Decks abgelegt werden.

Beim Herausnehmen der Boote aus dem Lager dürfen diese nur wenige Zentimeter angehoben werden, insbesondere dann, wenn die Lager nicht ausziehbar sind. Hebt man sie zu hoch, stößt die Bootshaut an die Dollenstifte der darüber liegenden Boote und bekommt Macken und Risse. Will man solche Schäden mindern, gibt man Plastik-Schutzkappen auf die Abschlussmuttern der Dollenstifte.

Beim Tragen der Boote kieloben fasst man nur am Dollbord bzw. an der Abschlussleite an und niemals an den Auslegern. Kielunten werden die Boote an der Gondelleiste, Querlagern oder speziellen Tragehilfen getragen. Die Diagonalverstrebungen sind hierfür zu schwach und brechen sofort. Gigs, die über Kiel ins Wasser geschoben oder auch vor dem Bauch abgesetzt werden, trägt man nur außerhalb der Ausleger am Bug- und Heckraum.

Das Einsetzen ins Wasser und Herausnehmen am Steg bergen auch einige Gefahren. Der Außenkiel darf dabei die Stegkante nicht berühren, sonst reißen die Kielleisten ab. Bei Rennbooten sind die Schwertflossen und Steuer sehr gefährdet. Also immer den Kiel vom Steg freihalten und weit vom Körper absetzen oder hochnehmen! Vor dem Aussteigen sind alle Rollsitze mit einer Gummischnur festzuklemmen oder auf festen Sitz der Sicherungen zu überprüfen, damit sie nicht beim Drehen herausfallen.

Auch beim Ein- und Aussteigen muss man – vor allem bei Anfängern – darauf achten, dass nur die Stellen betreten werden, die hierfür vorgesehen sind (Einstiegbretter, Bodenbretter oder Sandwich-Decks zwischen den Rollbahnen). Beim Umsteigen im Boot auf Wanderfahrten oder längeren Tagestouren läuft man auf „allen Vieren“ über die Gondel- oder Dollbord-Abschlussleiste und achtet sehr darauf, dass keine Diagonalstreben belastet werden.

Das Anlegen ist immer eine Aufgabe der ganzen Mannschaft und nicht nur des Steuermanns. Grundsätzlich wird gegen Wind und Strömung angelegt, da das Boot sonst zu heftig gegen den Steg gedrückt wird und Schaden nimmt. Alle Ruderer stoppen bei Bedarf ab und halten das Boot vom Steg ab. Viele größere Schäden entstehen beim Anlegen an Steinschüttungen und unübersichtlichen Stellen während einer Wanderfahrt. Grundsätzlich gilt hier für Ruderer aller Altersstufen: Vor dem Anlegen auf den Schiffsverkehr achten, mit dem Paddelhaken die Wassertiefe und eventuelle Hindernisse unter Wasser erkunden. Ausgestiegen wird an solchen Stellen immer durch das Wasser! Es steigen auch alle Ruderer aus, da bei Schiffsverkehr das Boot auf das Ufer gedrückt oder auf Grund gesetzt werden könnte, und sich nicht abhalten lässt. Hinzu kommt, dass ein hohes Mannschaftsgewicht beim Aufsetzen große Schäden in der Bootshaut verursacht.

An Land folgt dann die Säuberung. Schäden können beim Drehen der Boote entstehen, wenn keine klaren Anweisungen erfolgen und Ruderer aus diesem Grunde nicht an der richtigen Stelle zufassen. Auch darf niemals über den Böcken gedreht werden. Es könnten sich sonst die Metall- oder Holzrahmen in die Bootshaut drücken und größere Löcher entstehen. Beim Drehen mit Drehhilfen ist darauf zu achten, dass das Boot weit genug in der Schlaufe liegt und nicht herausrutschen kann!

Das Hereintragen in die Bootshalle nach dem Säubern erfolgt so, dass zunächst kontrolliert wird, ob alle Dollenbügel geschlossen sind, dann das Boot aus den Böcken angehoben wird, die Mannschaft damit soweit seitlich heraustritt, bis die Ausleger nicht mehr zwischen die Böcke ragen und erst danach damit in die Halle geht. Der letzte Ruderer am Heck achtet dabei auf mögliche Kollisionen der Ausleger mit den Torrahmen, während der Steuermann voraus geht.

Bei der Einlagerung ist ähnlich zu verfahren wie beim Herausnehmen. Nicht zu hoch anheben und ganz flach über dem Lager hereinlegen. Man achte dabei auf den richtigen Lagerpunkt. Er sollte mit einem kleinen Klebestreifen am Dollbord gekennzeichnet sein.

Skulls und Riemen sind immer mit den Blättern voraus zu tragen und am Wasser in dafür vorgesehene Gestelle zu legen. Auf dem Steg haben sie nichts zu suchen, da sie dort nur durch ungewolltes Darauftreten beschädigt werden. Bei Wanderfahrten achte man darauf, dass kein Sand an die Manschetten kommt. Die Dollen nutzen sonst zu schnell ab. Die Ruder sind dann soweit in die Gestelle zu hängen, dass sie nicht beim Anstoßen herausfallen können. Die Beschriftung sollte dabei immer zu sehen sein.

Steuer und weiteres Zubehör an die beschrifteten Stellen ablegen oder aufhängen.

Bei Bootstransporten die Boote auf dem Hänger durch Lager ähnlich unterstützen wie in der Bootshalle. Vorhandene Differenzen durch dünne Leisten ausgleichen. Die Spannbänder unmittelbar an den Bordwänden festzurren und verschnüren. Bei langen Transporten von Gigs zusätzlich eine Sicherung von einem Querlager zum Träger anbringen, damit beim Bremsen die Boote nicht verrutschen können.

Skulls und Riemen so im Kasten lagern, dass sie nicht bedeckt sind von Auslegern oder anderem Zubehör. Insbesondere Ultralight-Rennruder bekommen leicht Schlagstellen, an denen sie während des Ruderns brechen können.

Ruderbefehle

Die Steuerleute geben in jeder Situation laut und deutlich den richtigen Befehl, ohne lange zu überlegen muss, wie der Wortlaut für die erforderliche Wirkung ist. Dazu haben sie auch parat, mit welchem Kommando die beste gewünschte Wirkung zu erzielen ist.

Ruderbefehle bestehen aus einem Ankündigungs- und einem Ausführungsteil. Dazwischen steht im Folgenden ein Gedankenstrich. Wer Ruderbefehle erteilt, muss nach dem Ankündigungsteil soviel Pause einlegen, dass die Mannschaft sich auf das vorbereitet, was gleich danach zu tun ist. Bei einigen Ruderbefehlen hat die Mannschaft nach der Ankündigung zunächst die Stellung für die Ausführung einnehmen.

„Mannschaft ans Boot – hebt auf!“ 
Der Ausführungsbefehl wird nur gegeben, wenn die am Boot versammelte Mannschaft insgesamt kräftig genug ist, das Boot sicher zu tragen und zu drehen.

„Boot drehen – Wasserseite (Bootshausseite o. ä.) hoch!“
Unbedingt darauf achten, dass die Ausleger und Dollen über den Boden geführt werden.

„Fertig zum Einsteigen – steigt ein!“ 
Die Ruderer greifen mit der wasserseigen Hand beide Griffenden der Skulls oder den Riemengriff und treten mit dem wasserseitigen Fuß auf das Einsteigbrett. Bei „steigt ein“ wird mit dem landseitigen Fuß das Boot vom Steg abgestoßen.

Klarmeldung
Am Bug beginnend melden die Ruderer, sobald sie ruderbereit sind „1 fertig!“, „2 fertig!“, usw.

„Alles vorwärts – los!“ 
Nach der Ankündigung rollt die Mannschaft in die Auslage und legt die Blätter flach aufs Wasser. Bei der Ausführung werden die Blätter senkrecht gedreht und der Durchzug beginnt.

„Backbord (Steuerbord) vorwärts – los!“ 
Durchzug nur auf einer Seite, das andere Blatt wird abgedreht mitgeführt.

„Ruder – halt!“ 
Ankündigung beim Blatteinsatz, Ausführungsbefehl am Ende des Durchzugs. Nach dem Schlag werden die abgedrehten Blätter über Wasser so weit bugwärts geführt, bis die Ruder senkrecht zum Boot stehen.

„Blätter – ab!“
Die Blätter werden flach aufs Wasser gelegt.

„Stoppen – stoppt!“
Durch dosiertes Gegenkanten der flach liegenden Blätter schneiden diese langsam unter Wasser. Die gegengekanteten Blätter werden mit gestreckten Armen bis zur Senkrechten weitergekantet.

„Backbord (Steuerbord) stoppen – stoppt!“
Einseitiges stoppen. Alle stoppen: größte Wirkung, das Boot zum Stehen und auch den Bug zur Seite zu bringen, wenn genau in Fahrtrichtung ein Hindernis auftaucht. Schlagmann allein einseitig stoppen: wenn nach Vorwärtsrudern und »Ruder – halt!« das Boot keine volle Fahrt mehr macht, die stärkste Wirkung zum Abdrehen, beispielsweise für eine Wende oder in einer scharfen Gewässerkurve.

„Nummer 1 – Backbord (Steuerbord) vorwärts – los!“
Bugmann allein einseitig rudern: Der Bug wird wirkungsvoll in die gewünschte Richtung gebracht.

„Alles rückwärts – los!“
Aus der Rücklage, Blattstellung entgegengesetzt wie beim Vorwärtsrudern. Volle Benutzung der Rollbahn. Ankanten der Blätter während des Freilaufs.

„Wende über Backbord (Steuerbord) – los!“
Ankündigung: wie zum Rückwärtsrudern Innenhebel am Körper, Blatt flach auf dem Wasser. Ausführung: zunächst auf der in der Ankündigung genannten Seite rückwärtsrudern, das andere Ruder beim Freilauf über Wasser mitführen, mit diesem dann aus der Auslage vorwärtsrudern und dabei das zuerst benutzte Ruder über Wasser mitführen.

„Kurze Wende über Backbord (Steuerbord) – los!“
Die das Boot stark beanspruchende Wende auf der Stelle. Ankündigung: In Grundstellung Blätter senkrecht zum Boot auf dem Wasser. Rollbahn und Beine nicht benutzen. Nur mit den Armen gleichzeitig zunächst an der aufgerufenen Seite rückwärts, auf der anderen Seite vorwärts rudern. Und so wechselnd weiter.

„Fertig zum aussteigen – steigt aus!“
Steuermann/-frau ist vorher ausgestiegen und hält das Boot in der Mitte fest. Der wasserseitige Fuß steht auf dem Einsteigebrett. Beim Aussteigen wird das wasserseitige Ruder mit herausgenommen.

„Skulls (Riemen) – lang!“
„Backbord (Steuerbord) – lang!“

Vorher entweder „Ruder – halt!“ oder Hinweis an die Mannschaft, welche Situation bevorsteht. Wenn das Kommando beim Rudern kommt: Ankündigung während des Einsetzens. Ausführungsbefehl am Ende des Durchzugs. Die Ruder werden beiderseits oder nur auf der angekündigten Seite parallel zum Boot genommen und dabei festgehalten.

„Skulls (Riemen) – vor!“ 
Ruder aus der Längsrichtung in die Grundstellung senkrecht zum Boot führen.

„Backbord (Steuerbord) – überziehen!“ 
Ohne Tempowechsel auf der angekündigten Seite sehr kräftig, auf der anderen Seite mit wenig (ggf. ohne) Kraft rudern.

„Hochscheren!“ 
Im Freilauf werden die Innenhebel tief ins Boot gedrückt (z. B. bei hohen Wellen).

„Halbe Kraft!“ 
Es wird mit wenig (nahezu ohne) Kraft durchgezogen.

„Frei – weg!“ 
Dieses Kommando wird gegeben, um „Überziehen“, „Hochscheren“, „Halbe Kraft“ wieder aufzuheben.

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Reinhart Grahn
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