08. Aug. 2007 | Nationalmannschaft | von Carsten Oberhagemann

"Wir sind ausgequetscht" - Schöpferische Pause für Heidicker

Zweieinhalb Wochen Schinderei für den großen Wettkampf. Der Deutschland-Achter bereitet sich seit dem 20. Juli im Süden Deutschlands, genauer gesagt in Breisach, auf die Weltmeisterschaft in München vor. Der Journalisten-Besuch im Trainingslager zu Wochenbeginn sorgte bei den Athleten für ein wenig Abwechslung, hatte aber zwei (kleinere) Haken: Schlagmann Bernd Heidicker musste eine verletzungsbedingte Pause einlegen und erstmals musste auch eine Trainingseinheit verschoben werden. Die Mannschaft steckte diese Hindernisse auf dem Weg nach München aber weg.

Deutschland-Siebener für 12 Kilometer

Die Saison läuft für Bernd Heidicker alles andere als reibungslos. Erst zog er sich bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften in Köln eine muskuläre Entzündung im Rücken zu und musste hier vorzeitig aufgeben. Dann fiel er beim Weltcup in Amsterdam aus – die Sehne des Streckers am linken Fuß war gereizt. Jetzt streikte wieder der Rücken: Bei der morgendlichen Einheit am Montag stieg Heidicker nach der Hälfte um ins Trainerboot, die Achter-Crew musste den Rückweg zu Siebt absolvieren – der Rollsitz im Heck blieb leer und Philipp Stüer übernahm für zwölf Kilometer von Position sieben die Rhythmusvorgabe. Dieser bezeichnete Heidickers Anfälligkeit hinterher als Indikator für die Trainingsintensität der ersten zwei Wochen in Breisach: „Wir sind ausgequetscht. Wenn bei Bernd so etwas auftritt wie jetzt, dann sind wir anderen auch kurz vor unserer Grenze angekommen.“

Am Nachmittag zum angesetzten Fototermin zog der 29-jährige Heidicker dann eine Einheit auf dem Rennrad durch die Weinberge vor (übrigens mit Leistungsdiagnostiker Volker Grabow). Thorsten Engelmann rückte im Deutschland-Achter – wie in Amsterdam – auf die Position des Schlagmanns vor und Stephan Koltzk übernahm den freien Rollsitz. Freilich nur für eine Einheit, denn am nächsten Tag stand Bernd Heidicker wieder auf der Matte, nachdem Osteopath Thorsten Ammann den Rücken wieder einsatzfähig gemacht hatte. Es handelte sich also eher um eine schöpferische Pause.

Bilder vom Deutschland-Achter aus Breisach (Einheit ohne Bernd Heidicker) finden Sie in unserer

Bildergalerie .

Am Dienstag sorgte dann der heftige Regen für die erste Trainingsverschiebung in Breisach. Bundestrainer Dieter Grahn zog den freien Nachmittag auf den Vormittag vor und ließ nachmittags bei tief hängenden Wolken die 500-Meter-Strecken fahren. Dann aber wieder mit Bernd Heidicker auf Schlag.

Relationsrennen gegen den leichten Achter am Freitag

Am Freitag steht nun die erste Überprüfung der Leistungsfähigkeit an. Im so genannten Relationsrennen über 2000 Meter muss der Deutschland-Achter zehn Sekunden auf den leichten Achter aufholen, der entsprechend früher starten wird. „Wir wollen aber mit Vorsprung ankommen“, sagte Sebastian Schulte selbstbewusst: „Fünf bis zehn Sekunden wären prima.“ Macht insgesamt 15 bis 20 Sekunden. Für Dieter Grahn ist dieser Trainings-Wettkampf eine erste Einordnung: „Wir haben gut begonnen im Trainingslager, dann aber Probleme bekommen. Es ist schwierig einzuschätzen, wo wir stehen. Der erste Test wird uns Aufschluss geben.“

Vize-Weltmeister fahren um WM-Fahrkarten

Richtig brisant wird es für den Vierer ohne Steuermann. Im Relationsrennen gegen den Vierer mit Steuermann und den leisten Vierer fahren die Vize-Weltmeister und Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe um ihre WM-Fahrkarten für München. „Wir sind gut drauf und fühlen uns gut, wissen aber noch nicht, was wir schaffen müssen“, meinte Käufer. Der Bundestrainer jedenfalls will, dass sich das Quartett sich so präsentiert, dass es eine Chance aufs WM-Finale hat.“ Heißt: Sie müssen sich gegenüber dem Weltcup in Luzern (Platz 13) enorm steigern.